Jugendliteraturpries

Weltoffen und international. Der Deutsche Jugendliteraturpreis ist Kindern und Jugendlichen verpflichtet

Ziel des Deutschen Jugendliteraturpreises ist es, Kinder und Jugendliche mit Hilfe eines qualitativ überzeugenden und vielfältigen Literaturangebots in ihrer Persönlichkeit zu stärken und ihnen Orientierung zu bieten. Orientierung ist nicht nur hinsichtlich eines schier unüberschaubaren Buchmarktes gefragt, sondern auch bezüglich der zunehmend komplexen Rahmenbedingungen des Aufwachsens in einer medial vernetzten, globalisierten Welt.

25.04.2013 Pressemeldung Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V.

Der Deutsche Jugendliteraturpreis spiegelt die Bandbreite des Angebotes, die auf dem deutschen Buchmarkt zu finden ist – dazu gehören auch Übersetzungen aus anderen Sprachen. Egal, aus welchem Land oder Kulturkreis ein Buch stammt, es zählt allein die literarische Qualität. Denn Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf die besten Geschichten aus Deutschland und aller Welt.

Die Geschichte des Deutschen Jugendliteraturpreises belegt, dass deutschsprachige und internationale Autoren gleichermaßen ausgezeichnet wurden. In den vergangenen zehn Jahren erhielten 35 deutschsprachige und 33 nicht-deutschsprachige Autoren und Illustratoren den Preis. Außerdem wurden 28 Übersetzer dafür prämiert, dass sie die Preisbücher aus anderen Sprachen auf Deutsch zugänglich gemacht haben.

Für die Jahre 1956 bis 2004 ermittelte die Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg unter den Preisträgern aller Sparten 96 deutschsprachige Preisbücher und 91 ausgezeichnete Übersetzungen aus anderen Sprachen.

Es ist eine Bereicherung, wenn Kindern – dank hervorragender Übersetzungen ins Deutsche – die Möglichkeit geboten wird, Literatur über Grenzen hinweg kennen zu lernen. Umgekehrt setzt sich der Arbeitskreis für Jugendliteratur auf vielfältige Weise und in Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen auch dafür ein, dass deutsche Literatur im Ausland bekannt wird. Denn Literatur ist der Schlüssel zur Welt – zu einer Welt.

Eine Auswahl an Expertenstimmen zur Internationalität des Deutschen Jugendliteraturpreises:

"Zwölf Jahre lang waren die Kinder in Deutschland und ihre Literatur im Käfig der NS-Ideologie. Danach standen alle Bücher zur Verfügung, die so lange vor den Grenzen hatten warten müssen – standen und stehen jedes Jahr auch zur Wahl für den 1956 gestifteten Deutschen Jugendbuchpreis (wie er damals hieß): Er sollte und soll Eltern helfen, das richtige Buch, gleich welcher Sprache, für ihr Kind zu finden. Und ich bin dankbar für die Fülle von Gedanken, Einfällen und unsterblichen Kinderbuchhelden, die uns diese internationale Literatur immer wieder schenkt. Sie hat uns wieder zu Europäern gemacht. Unsere Literatur ist eine Stimme im Weltkonzert – das gilt für Belletristik und Jugendliteratur – und ein Narr, wer unsere Kinder und Enkel wieder in den Käfig sperren wollte." Dr. Sybil Schlepegrell, Journalistin und ehemalige Vorsitzende des Arbeitskreises für Jugendliteratur e.V.

"Kritik am Deutschen Jugendliteraturpreis hat es immer gegeben. Mal wurde dem Deutschen Jugendliteraturpreis vorgeworfen, die Auswahl sei literarisch verstiegen, mal zu banal. Jetzt richtet sich der Unmut gegen die internationale Ausrichtung des Preises. Deutsche Autorinnen und Autoren fühlen sich benachteiligt und ungerecht behandelt. Auch dieser Vorwurf ist nicht neu. Abgesehen davon, dass die viel beklagte Ungerechtigkeit mit Blick auf die Statistik eher gefühlt sein dürfte, kommen die Kritik an der Internationalität des Preises und die Forderung nach einem ´deutschen` Preis zu einer Unzeit. Der Deutsche Jugendliteraturpreis, der einzige Staatspreis für Literatur in Deutschland, dient nicht in erster Linie der Autorenförderung. Er wird aus dem Kinder- und Jugendplan des Bundes finanziert. Zu den Grundsätzen dieses Programms zählt, ´das Zusammenwachsen der jungen Generation in Deutschland und Europa [zu fördern] und zur Verständigung und Toleranz über Grenzen hinweg […] beizutragen.` Der Deutsche Jugendliteraturpreis ist seit fast 60 Jahren diesem Grundsatz der Weltoffenheit und Toleranz verpflichtet. Diesen Grundsatz zu kippen, wäre gerade heute ein irritierendes Signal in die Welt. Man sollte nicht zuletzt vorsichtig sein, die hohe Reputation, die die deutsche Kinder- und Jugendbuchbranche wegen ihrer internationalen Ausrichtung und Weltaufgeschlossenheit im Ausland genießt, aufs Spiel zu setzen." Dr. Christiane Raabe, Direktorin der Internationalen Jugendbibliothek

"Als das Bundesjugendministerium den Deutschen Jugendliteraturpreis 1956 ins Leben rief, sollte nicht die deutsche Literatur im Vordergrund stehen, sondern der Nachwuchs sollte eine Orientierung bekommen, was qualitativ das Beste aus der Bücherernte eines Jahres ist, und zwar weltweit. Warum sollte das fast 60 Jahre später nicht mehr sinnvoll sein? Kinder und Jugendliche sollen ihren Blick weiten, zur Begegnung und Auseinandersetzung mit literarischen Themen angeregt werden. Im Zeitalter des Internets ist unsere Wahrnehmung globaler denn je, und im Alltag haben die Kinder in Betreuungseinrichtungen, in Schulen längst mit Kindern aus anderen Kontinenten Kontakt. Literatur leistet ein Vordenken, ein Einfühlen in zunächst fremde Welten, die oft nur der dort geborene Schriftsteller authentisch vermitteln kann. Fremde Blickwinkel tragen zur Verständigung bei. Es geht nicht darum, ob deutschsprachige Autoren schlechter schreiben als fremdsprachige; das tun sie gewiss nicht. Nur geht es beim Deutschen Jugendliteraturpreis nicht um das Entweder-oder, sondern um das Und: Alle Autoren, egal welcher Muttersprache und Nation, haben dieselbe Chance, Beachtung zu finden." Monika Bilstein, Verlegerin Peter Hammer Verlag

"In Ländern, aus deren Sprachen ich übersetze, nehme ich große Bewunderung dafür wahr, wie weltoffen der Deutsche Jugendliteraturpreis sei, und wie stolz wir doch darauf sein können, so einen Preis zu haben. Die Jugendbuchautoren, mit denen ich in diesen Ländern zu tun habe, wünschten, bei ihnen gäbe es auch so einen Preis, und nicht nur solche, die für das eigene Land oder die eigene Sprache gedacht sind. – Ein schönes Argument für die Beibehaltung des jetzigen Verfahrens. Die Behauptung von Kritikern des Deutschen Jugendliteraturpreises, Übersetzungen hätten insofern einen Vorteil, als sie im Ursprungsland Zeit genug hatten, sich zu bewähren, und schon anderswo ein Erfolg waren, geht ziemlich an der Wirklichkeit vorbei. Paula Fox, deren Buch ´Ein Bild von Ivan` 39 Jahre nach Erscheinen prämiert wurde, ist eine absolute Ausnahme. Sehr viele Übersetzungen erscheinen fast gleichzeitig mit dem Original, manchmal sogar gleichzeitig. Es kommt auch vor, dass ein Buch in der Originalsprache im Land des Autors oder der Autorin kein Erfolg ist, die Übersetzung in einem anderen Land aber wohl – ein solches Buch z.B. war Jostein Gaarders ´Sofies Welt`, ausgezeichnet mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 1994. ´Sofies Welt` wurde erst in der Folge auch in Norwegen ein Bestseller, weil die dortigen Zeitungen über die Auszeichnung berichteten, und da war das Interesse geweckt." Dr. Gabriele Haefs, Sonderpreisträgerin Übersetzung des Deutschen Jugendliteraturpreises 2008

Weitere Statements von ExpertInnen aus dem Kinder- und Jugendliteraturbetrieb, Statistiken zur Internationalität der prämierten Personen und Bücher sowie eine Stellungnahme des Verbandes deutschsprachiger Übersetzer (VdÜ) finden Sie auf der Internetseite des Arbeitskreises für Jugendliteraturzum Download.


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