40 Jahre Jugend forscht – eine zündende Idee wird geboren

Stichtag 19. Dezember 1965: In Heft 51 der Zeitschrift stern veröffentlichte der damalige Chefredakteur Henri Nannen den Gründungsaufruf zu Jugend forscht. Unter dem Motto “Wir suchen die Forscher von morgen!” rief er erstmals zur Teilnahme an Deutschlands bekanntestem Nachwuchswettbewerb auf.

15.12.2005 Pressemeldung Stiftung Jugend forscht e.V.

“Sputnik-Schock” und “Bildungsnotstand”: Schon in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts stand das deutsche Bildungssystem in der Kritik. Nannen jedoch ließ es nicht bei journalistischen Schlagworten bewenden. Anstatt wie viele zu klagen, handelte er und startete eine gesellschaftlich breit angelegte Initiative, um den qualifizierten Nachwuchs junger Wissenschaftler zu fördern. Mittlerweile kann der Wettbewerb auf eine vier Jahrzehnte lange Erfolgsgeschichte zurückblicken.

Das Vorbild für Jugend forscht kam aus den USA. Dort hatten “Science Fairs” bereits eine lange Tradition: Bei den im Stil von Messen organisierten Wettbewerben stellten junge Menschen ihre Forschungsprojekte und Erfindungen einer fachkundigen Jury und der Öffentlichkeit vor.

Mit Unterstützung der Wirtschaft

Für die Idee, Science Fairs auch in der Bundesrepublik durchzuführen, fand Nannen auf Anhieb tatkräftige Unterstützung. Mehrere große Unternehmen übernahmen Patenschaften für die Wettbewerbe in den einzelnen Bundesländern. Einige sind noch heute Partner von Jugend forscht. Die Unternehmen stellen die Räume, tragen Verpflegungs- und Reisekosten, sorgen für Unterbringung und Ausstellmöglichkeiten, und sie vergeben zahlreiche Geld- und Sachpreise. Mit diesem innovativen Finanzierungsmodell bewies der stern-Chefredakteur Weitblick. Jugend forscht erhielt von vornherein eine zukunftsfähige Finanzierungsstruktur.

Das große gesellschaftliche Ansehen, das Jugend forscht sich im Laufe seines Bestehens erworben hat, zeigt sich auch in der Bereitschaft vieler Menschen, sich im Rahmen des Wettbewerbs ehrenamtlich zu engagieren. Die unentgeltliche Tätigkeit von Betreuungslehrern, Wettbewerbsleitern und Juroren ist eine tragende Säule von Jugend forscht. Als Juroren stellen sich Lehrer und Mitarbeiter von Jugend forscht Patenunternehmen, aber auch namhafte Wissenschaftler zur Verfügung. In der zurückliegenden Wettbewerbsrunde waren es knapp 2000.

Sieben Fachgebiete und zwei Wettbewerbssparten

Jugend forscht wurde auch deshalb so erfolgreich, weil der Wettbewerb von Beginn an die föderale Struktur der Bundesrepublik berücksichtigte. Seit 1965 ist Jugend forscht dreistufig organisiert: Die Teilnehmer präsentieren ihre Arbeiten zunächst auf Regionalebene. Die dort siegreichen Arbeiten qualifizieren sich für die Landeswettbewerbe. Den Abschluss jeder Wettbewerbsrunde bildet das Bundesfinale. Heute verfügt Jugend forscht über eine tragfähige dezentrale Organisationsstruktur, die über Jahre gewachsen ist.

Von der zweiten Wettbewerbsrunde an starteten die Teilnehmer in verschiedenen Fachgebieten. Zunächst standen die klassischen Schul- und Studienfächer Biologie, Chemie, Mathematik und Physik zur Wahl. 1968 kam das Fachgebiet Technik hinzu, ein Jahr später Geo- und Raumwissenschaften sowie 1975 Arbeitswelt. Dieses Fachgebiet sollte vor allem junge Auszubildende in stärkerem Maße für den Wettbewerb gewinnen.

Sehr bald stellte sich auch heraus, dass für die zahlreichen Teilnehmer der unteren Jahrgangsstufen eine eigenständige Wettbewerbssparte benötigt wurde. Seit 1969 gibt es daher neben “Jugend forscht” auch die Juniorensparte “Schüler experimentieren” für alle Teilnehmer bis 14 Jahre.

Von der “stern-Aktion” zur “Staatsaktion”

Henri Nannens Initiative zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses entwickelte sich in wenigen Jahre zu einem bundesweit breit verankerten Netzwerk. Vorbildlich ist dabei die Zusammenarbeit verschiedener gesellschaftlicher Gruppen und Institutionen. Neben Unternehmen sowie öffentlichen und privaten Einrichtungen engagiert sich seit 1975 auch die Politik bei Jugend forscht. Durch die Gründung des gemeinnützigen Vereins Stiftung Jugend forscht als gemeinsames Förderungswerk von Bundesregierung, stern, Wirtschaft und Schulen wurde die “stern-Aktion" zur “Staatsaktion”. Heute wird die Arbeit der Jugend forscht Geschäftsstelle in Hamburg vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert.

Der Bundespräsident begleitet den Wettbewerb seit 1977 als Schirmherr und Preisstifter. Ein Preisstifter mit Tradition ist auch der Bundeskanzler, der erstmals 1971 den Sonderpreis für die originellste Arbeit auslobte. Seit 1981 fahren neben dem Gewinner dieses Preises auch alle Platzierten des Bundeswettbewerbs zum Kanzlerempfang in die deutsche Hauptstadt.

Stetig steigende Anmeldezahlen

Seit seiner Gründung 1965 hat der Wettbewerb ständig an Attraktivität gewonnen. In der ersten Runde waren es “nur” 244 Mädchen und Jungen, die sich beteiligten. 1971 wurde bereits die Tausendermarke überschritten. Zur 40. Wettbewerbsrunde 2005 meldeten sich knapp 9000 Jugendliche an, davon immerhin 38 Prozent Mädchen. 1966 waren es nur 8 Prozent gewesen. Insgesamt haben sich in den vergangenen vier Jahrzehnten über 130 000 Nachwuchswissenschaftler an den Wettbewerben Jugend forscht und Schüler experimentieren beteiligt. Die Mehrzahl der ehemaligen Jungforscher entscheidet sich später für einen naturwissenschaftlich-technischen Berufsweg. Eine Reihe von ihnen macht Karriere in Wissenschaft und Forschung wie etwa der Vater der Pisa-Studie Andreas Schleicher, die Physik-Professorin und Leibniz-Preisträgerin Gisela Anton oder der SUN-Micro¬systems-Gründer Andreas von Bechtolsheim.

Jugend forscht Projekte waren immer auch ein Spiegelbild der sich wandelnden Fragestellungen in der naturwissenschaftlichen Forschung. So war der erste Bundessieger 1966 mit der Entwicklung eines elektronischen Rechenapparats erfolgreich. Knapp 40 Jahre später präsentierten die Bundessieger im Fach Chemie selbsterzeugte Nanoröhrchen.

Initiative mit Modellcharakter

Die seit Jahren steigenden Anmeldezahlen beweisen, dass es trotz der weiter bestehenden Kritik am deutschen Bildungssystem möglich ist, junge Menschen für Naturwissenschaften zu begeistern. Bereits Mitte der sechziger Jahre etablierte Jugend forscht einen innovativen Ansatz für die Vermittlung naturwissenschaftlicher Inhalte, der nach wie vor Modellcharakter besitzt: Durch forschendes Lernen lässt sich das Interesse von Jugendlichen an Naturwissenschaften, Mathematik und Technik nachhaltig steigern. Insofern bietet Jugend forscht heute wie vor 40 Jahren eine wichtige Orientierungshilfe für Schule und Unterricht.

Mehr Infos, Fotos und Geschichten gibt es unter www.jugend-forscht.org.

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