6-Punkte-Programm zur Sicherstellung der Lehrerversorgung in Nordrhein-Westfalen

Schulministerin Barbara Sommer hat zur Sicherstellung der Lehrerversorgung in den nächsten Jahren bereits unmittelbar nach Amtsantritt die Initiative ergriffen. In der heutigen Aktuellen Stunde des Landtages zum Thema "Drohende Lehrerlücke verhindern- Junge Menschen für das Lehramt motivieren" stellte die Ministerin ein 6- Punkte- Programm vor.

15.09.2005 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen

Punkt 1: Zielgenaue Werbung um Lehrernachwuchs

Unter den Studienberechtigten soll eine bessere Werbung für den Lehrerberuf betrieben werden als bisher. Es soll gezielter und dauerhafter auf die Einstellungschancen und die späteren Einsatzmöglichkeiten im Lehramt hingewiesen werden. Frühzeitig soll im Rahmen der schulischen Berufs- und Studienwahlorientierung auf die Lehramtsausbildung aufmerksam gemacht werden. Dazu werden mit Partnern aus der Wirtschaft, den Berufsverbänden und den Medien neue Formen der Information und Orientierung von Studienberechtigten entwickelt und durchgeführt.

Punkt 2: Attraktivitätssteigerung des mathematisch- naturwissenschaftlich- technischenBereichs

Mit einer gezielten Kampagne wollen wir das Image dieser Fächer verbessern. Dabei werden wir mit den Schulen, Universitäten und Akteuren aus der Wirtschaft und den Medien zusammenarbeiten. Die Kampagne sieht u. a. den Aufbau einer geeigneten Infrastruktur für den mathematischen, den naturwissenschaftlichen und den technischen Unterricht vor. Ein konkretes Beispiel für unser Vorhaben ist das bereits bestehende Schülerlabor an der Ruhr-Universität Bochum. Die Kampagne hat das Ziel, die Chancen von Technik und Naturwissenschaften zu betonen.

Punkt 3: Einrichtung eines Weiterbildungsprogramms zum Erwerb eines 3.Unterrichtsfaches

Wir wollen auch Lehrkräften mit weniger gefragten Fächern eine dauerhafte Perspektive im Schuldienst bieten. Deshalb überlegen wir, gute Absolventinnen und Absolventen der Zweiten Staatsprüfung nachträglich in Mangelfächern wie z.B. Mathematik, Physik, Kunst, Musik, Latein und Informatik zu qualifizieren. Möglicherweise kann das 18 bzw. 24- monatige "Sprinterstudium" schon ab August 2006 angeboten werden.

Punkt 4: Erweiterung des Seiteneinsteigerpotenzials

Das Potenzial an Seiteneinsteigern soll quantitativ und qualitativ deutlich verbessert werden. Dazu soll die Möglichkeit geschaffen werden, auch jüngere und qualifizierte Hochschulabsolventen außerhalb der Lehramtsstudiengänge in Mangelfachbereichen gezielt für den Schuldienst zu gewinnen. Von besonderer Bedeutung ist diese Maßnahme für das Berufskolleg, insbesondere in Mangelfächern wie Maschinentechnik, Elektrotechnik, Gestaltungstechnik sowie Ernährungs- und Hauswirtschaft.

Punkt 5: Verstärktes Gewinnen von Grundschullehrkräften für den Einsatz in derHauptschule

Die Landesregierung will die Hauptschule wieder zu einem attraktiven Ort des Lernens für Schülerinnen und Schüler sowie für Lehrkräfte machen. Dabei spielt die Schaffung von 50.000 vollwertigen Ganztagsplätzen bis 2012 eine wichtige Rolle. Durch die Erweiterung der Ganztagsangebote und die Stärkung der Hauptschule streben wir an, dass zahlreiche Lehrkräfte in dieser Schulform eine neue pädagogische und fachliche Herausforderung sehen. Darauf aufbauend sollen im Laufe der Legislaturperiode ausgebildete Grundschullehrkräfte für eine Tätigkeit in der Hauptschule interessiert und weiter qualifiziert werden.

Punkt 6: Konsequente Ausnutzung der Stellen für den Vorbereitungsdienst

Die Landesregierung wird ausnahmslos alle Kapazitäten der grundständigen Lehrerausbildung nutzen und so viele Lehrkräfte wie möglich ausbilden. Als Sofortmaßnahme gilt dies bereits für den jetzt beginnenden Vorbereitungsdienst für die Lehrämter des Berufskollegs und für die Haupt- und Realschulen. Zurzeit besetzen die Bezirksregierungen in einem zweiten Nachrückverfahren jeden freien Ausbildungsplatz. Für den Vorbereitungsdienst, der am 01.02.2006 beginnt, hat Nordrhein- Westfalen mit 6.670 Bewerbern den höchsten Stand seit 2001 erreicht. 1.200 dieser Bewerber stammen aus anderen Bundesländern. Alle Bewerber werden einen Ausbildungsplatz bekommen.

Bis 2010 rechnen wir mit einem Lehrerbedarf von etwa 41.000 Lehrkräften. Diese Zahl ergibt sich dadurch, dass wir alle 38.000 frei werdenden Lehrerstellen wieder besetzen und im Laufe der Legislaturperiode noch weitere 3.000 Stellen zusätzlich schaffen werden. Bei diesem Einstellungsbedarf ist nicht berücksichtigt, dass wir 2.400 Stellenäquivalente für Ganztagsangebote in Grund- und Hauptschulen ausweisen wollen. Diesem Bedarf von rund 41.000 Lehrern steht derzeit ein Potenzial von etwa 36.500 Bewerbern aus Nordrhein- Westfalen gegenüber. Die Altbewerber sind mit eingerechnet. Nicht berücksichtigt ist das Potenzial von Seiteneinsteigern und Bewerbern aus anderen Bundesländern. Ein hoher Bedarf besteht langfristig insbesondere an ausgebildeten Hauptschullehrern und an Lehrern für Berufskollegs und in den mathematisch- naturwissenschaftlichen Fächern an Gymnasien.


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