Büchergeld beschneidet Bildungschancen

Mit der Einführung des Büchergeldes in Bayern verschlechtern sich die Bildungschancen für Kinder und Jugendliche abermals und Eltern werden erneut zur Kasse gebeten. Die GEW Bayern fordert eine sofortige Aufhebung dieser Regelung und eine Rückkehr zur Lernmittelfreiheit. Diese Lernmittelfreiheit ist eine Grundvoraussetzung für Chancengleichheit im Schul- und Bildungswesen.

28.09.2005 Bayern Pressemeldung GEW Bayern

Die Aufwendungen der Eltern für Bildung sind in den zurückliegenden Jahren dramatisch gestiegen. Besonders hart treffen diese Ausgaben für z.B. Atlanten, Arbeitshefte oder Schulveranstaltungen sozial schwache Familien. Beträge von bis zu 1.000 ? pro Jahr und Schüler sind keine Ausnahme. Diese Tatsache widerspricht dem bildungs- und familienpolitischen Leitbild der Staatsregierung.

Die Erhebung des Büchergeldes wird die soziale Schieflage verstärken. Schon jetzt ist der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Schulerfolg in Bayern besonders offensichtlich. In Zeiten, in denen laut Armutsbericht jedes zehnte Kind in Deutschland als arm gilt, gibt das Kultusministerium mit der Abschaffung der Lernmittelfreiheit ein verheerendes Signal für Familien. Oskar Brückner, Vorsitzender der GEW Bayern: "Neben der Rücknahme des Büchergeldes fordern wir deshalb eine gesetzliche Verankerung der Lernmittelfreiheit".

Es besteht zwar die Möglichkeit der Befreiung für sozial schwache Familien; die Überprüfung des entsprechenden Antrags diskriminiert aber die Antragsteller in unverantwortlicher Weise. Zudem ist der Datenschutz im jetzt angestrebten Verfahren nicht gesichert. Bayerns Datenschutzbeauftragter Reinhard Vetter hat seine Bedenken diesbezüglich mehrmals geäußert.

Der Aufwand, der mit dem Einziehen des Büchergeldes verbunden ist, konterkariert zudem die Verwaltungsreform von Staatsminister Erwin Huber. Lehrkräfte, Schulverwaltung und Kommunen benötigen nach ersten Erfahrungsberichten deutlich mehr Zeit für Beratung, Prüfung und Abwicklung als von Kultusminister Siegfried Schneider angekündigt.

Schließlich stellt die GEW Bayern in Frage, ob das Büchergeld tatsächlich zum schnelleren Wissenstransfer durch Anschaffung neuer Lehrbücher führt. Die dazu erforderliche Abstimmung zwischen Schulen und Elternbeiräten findet in der Praxis kaum statt. Bei einer größeren Anzahl von Befreiungsanträgen an einer Schule werden die Mittel zum Neukauf auch mit öffentlichen Zuschüssen nicht ausreichen.

Oskar Brückner: "Das Büchergeld ist eine nicht zu akzeptierenden Ungerechtigkeit im bayerischen Bildungssystem. Wer - wie der Freistaat - auf Kosten von Kindern und Familien seine Haushalte mit den durch das Büchergeld jährlich eingesparten 15 Millionen Euro sanieren will, wird seiner Verantwortung für Chancengleichheit und umfassende Bildungsmöglichkeiten nicht gerecht".

Ansprechpartner

GEW Bayern

Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden