Deutsche Wirtschaft beklagt "Bildungsarmut"
(bikl) Die Deutsche Wirtschaft bangt um ihren Erfolg und ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit. Der Grund: "Bildungsarmut".
26.06.2006 ArtikelFast jeder zehnte Schüler eines Jahrgangs schaffe keinen Hauptschul-Abschluss. Mehr als jeder fünfte Jugendliche scheitere in der Berufsschule. Das geht aus einer Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft hervor. Der Anteil der Abbrecher an beruflichen Schulen ist demnach in den vergangenen zehn Jahren von 16,3 Prozent auf 22,8 Prozent gestiegen.
Allein 2004 hätten 240.0000 Jugendliche ihre Berufsschule oder das Berufsvorbereitungsjahr ohne Abschluss verlassen. Im gleichen Zeitraum sei die Zahl der Jugendlichen, die sich wegen fehlender Vorbildung in berufsvorbereitenden Maßnahmen befinden, um rund 80.000 auf 160.000 gestiegen, heißt es in der Studie mit dem Titel "Bildungsarmut und Humankapitalschwäche in Deutschland".
Derzeit würden in der Bundesrepublik "Bildungspotenziale nicht ausreichend ausgeschöpft", beklagt die Studie weiter. Verwiesen wird dabei auf die in Deutschland auffallend ausgeprägte Abhängigkeit von Bildungserfolg und sozialer Herkunft. Jeder zweite "bildungsarme" Schüler komme aus einem Elternhaus, wo Vater oder Mutter nicht über eine abgeschlossene Lehre oder über das Abitur verfügen. Bei "bildungsreichen" Kindern hingegen seien dies nur zwischen 5 und 7 Prozent.
Die Studie soll heute in Berlin vom IW und vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) vorgestellt werden. Vielleicht werden dann auch Schlussfolgerungen oder Empfehlungen erörtert, etwa zu den Themen Schulstruktur, Ganztagsschulen oder Integration.
Bereits im Januar hatte das Institut berechnet, dass im Jahr 2004 knapp 3,7 Milliarden Euro oder 7 Prozent des Schul- und Berufsschulbudgets ins Leere gingen, weil die Jugendlichen die Ziele des Bildungssystems nicht erreichten. Die Bildungsverbände fühlten sich damals durch die neue Studie in ihren Reform-Forderungen im Prinzip bestätigt, warnten allerdings vor einer rein ökonomischen Analyse.
Links
bildungsklick.de: Bildung: Geld falsch angelegt?
Institut der deutschen Wirtschaft
Keine Kommentare vorhanden