Entscheidende Weichenumstellung für NS-Dokuzentrum im München

Die Planungen für ein NS-Dokumentationszentrum in München kommen voran. Auf der konstituierenden Sitzung des Kuratoriums wurden gestern entscheidende Weichenstellungen vorgenommen.

16.03.2005 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

In einstimmiger Wahl einigte sich das Kuratorium auf die Besetzung eines wissenschaftlichen Fachbeirats. Er umfasst 15 ausgewiesene Fachexperten und soll konkrete Vorschläge für die Konzeption des NS-Dokumentationszentrums ausarbeiten und dem Kuratorium zur Entscheidung vorlegen. Der Fachbeirat wird noch vor der Sommerpause zu seiner ersten Sitzung zusammentreten.

Ebenso einstimmig wählte das Kuratorium einen Vorstand. Bundesminister a. D. Dr. Theo Waigel wird ab sofort den Vorsitz des Kuratoriums führen; zu seinem Stellvertreter wurde der Bundesminister a. D. und Münchner Alt-Oberbürgermeister Dr. Hans-Jochen Vogel bestimmt.

"Mit der Wahl eines Vorstands für das Kuratorium und der Einsetzung eines wissenschaftlichen Fachbeirats sind die organisatorischen Grundlagen gelegt. Jetzt kann mit den konkreten Planungen für ein NS-Dokumentationszentrum in München begonnen werden", sagten Kultusministerin Monika Hohlmeier und der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude. Noch in diesem Jahr soll sich auch ein politischer Beirat konstituieren.

Finanzminister Kurt Faltlhauser sagte im Kuratorium zu, dass die Option für die Errichtung eines Dokumentationszentrums auf dem Gelände des "Braunen Hauses" erhalten bleibe. "Der Freistaat Bayern wird bis zur endgültigen Festlegung des Kuratoriums keine anderweitige Nutzung veranlassen", sagte Faltlhauser. Vor einer Standortentscheidung soll nun das Votum des fachwissenschaftlichen Beirats abgewartet werden.

Einigkeit bestand über die Grundkonzeption des Dokumentationszentrums. "Wir wollen nicht Einrichtungen kopieren, wie sie etwa in Nürnberg oder auf dem Obersalzberg bestehen. Vielmehr soll sich das Dokumentationszentrum der Landeshauptstadt schwerpunktmäßig mit den Münchner Spezifika der NS-Geschichte befassen: mit dem Aufstieg der NS-Bewegung, mit München als Hauptstadt der so genannten Deutschen Kunst und mit den verschiedenen Gruppen und Einzelpersonen, die in München Widerstand gegen die NS-Dikatur geleistet haben", sagte Oberbürgermeister Ude. Kultusministerin Hohlmeier sprach sich für eine didaktische Konzeption aus, die sich an modernen museumspädagogischen Leitlinien orientiert. "Das NS-Dokumentationszentrum muss auch ein Lernort für die nachwachsenden Generationen werden. Die Ausstellung soll Schülerinnen und Schülern eine lebendige und aktive Begegnung mit der Geschichte des Nationalsozialismus in München ermöglichen und sie in besonderer Weise für die Abgründe von Unrecht, Terror und Gewalt sensibilisieren, die auch in München von Anfang an greifbar waren", sagte Hohlmeier.

Der neue Vorsitzende des Kuratoriums, Dr. Theo Waigel, bedankte sich bei den Kuratoriumsmitgliedern für die Wahl. "Wir haben die große Chance, eine einmalige Stätte der Dokumentation und der Aufklärung über die NS-Geschichte in München zu schaffen. Ich freue mich, dass in München eine gemeinsame Arbeit für dieses große Ziel über parteipolitische Grenzen hinweg möglich wird", sagte Waigel.

Inzwischen hat auch der Bund seine Mitarbeit im Kuratorium zugesagt. "Dies dokumentiert den nationalen Stellenwert des Projekts NS-Dokumentationszentrum München in eindeutiger Weise. Der Bund muss sich nun aber - ähnlich wie beim Nürnberger Dokumentationszentrum - auch an den finanziellen Lasten beteiligen", forderten Ude und Hohlmeier.

Folgende Persönlichkeiten wurden zu Mitgliedern des wissenschaftlichen Fachbeirats bestimmt:

  • Prof. Danny Brom, Israelisches Zentrum für Psychotraumata, Jerusalem;
  • Dr. h.c. Barbara Distel, KZ-Gedenkstätte Dachau;
  • Prof. Dr. Stefanie Endlich, Universität der Künste, Berlin;
  • Prof. Dieter Frey, LMU München;
  • Prof. Ulrich Herbert, Universität Freiburg;
  • Dr. Andreas Heusler, Stadtarchiv München;
  • Prof. Dr. Klaus Hildebrand, Universität Bonn;
  • Prof. Dr. Hans Günter Hockerts, LMU München;
  • Prof. Dr. Marita Krauss, Universität Bremen;
  • Prof. Dr. Peter Longerich, Universität London;
  • Prof. Dr. Horst Möller, Institut für Zeitgeschichte München;
  • Prof. W. Nerdinger, TU München;
  • Prof. Dr. Merith Niehuss, Universität der Bundeswehr, München;
  • Prof. Dr. Heinrich Oberreuter, Akademie für politische Bildung, Tutzing;
  • Prof. Dr. Hermann Schäfer, Haus der Geschichte der Bundesrepublik, Bonn.

Der politische Beirat wird sich wie folgt zusammensetzen:

  • drei Vertreter des Bayerischen Landtages,
  • drei Vertreter des Münchner Stadtrates,
  • ein Vertreter des Museumspädagogischen Zentrums,
  • ein Vertreter des Initiativkreises,
  • ein Vertreter der historischen Stadtteilarbeit,
  • die Landeszentrale für politische Bildungsarbeit,
  • das Kulturreferat der Stadt München.

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