Erdsiek-Rave: Schwedisches Bildungssystem zum Vorbild nehmen

Das schwedische Bildungssystem kann als Vorbild für die Umwandlung des deutschen Schulsystems dienen, sagte Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave anlässlich der heute (27. Oktober) in Flensburg stattfindenden Deutsch-Schwedischen Konferenz "Mehr Bildung für alle".

27.10.2004 Schleswig-Holstein Pressemeldung Ministerium für Soziales, Gesundheit, Wissenschaft und Gleichstellung

Seit mehr als 30 Jahren gibt es in Schweden eine neunjährige Grundschule, außerdem hatte das Land bei der PISA-Studie besser als Deutschland abgeschnitten. Die Ministerin: "Unser Schulsystem wird kritisiert - mit ganz unterschiedlichen, aber seit Jahrzehnten völlig standardisierten Argumenten. Das schwedische Vorbild hilft uns dabei konkret und konstruktiv Wege zu finden - was die Einzelschritte angeht, aber auch was den Geist und den Stil von Kritik angeht". Man könne den Eindruck gewinnen, das dreigliedrige Schulsystem sei fest eingebrannt in deutsche Bildungskonzepte und das Bildungsbewusstsein. Eine Reform des Bildungssystems sei aber notwendig, weil Kinder im dreigliedrigen System zu früh getrennt würden und es eine überdurchschnittliche Zahl an so genannten Absteigern produziere. Außerdem verlangten auch die zurückgehenden Schülerzahlen ein Umdenken.

Die Ministerin weiter: "Wir wollen bei dieser Reform eine Politik der kleinen Schritte - auf Seiten der Schulen, der Schulträger und natürlich auch auf Seiten der Lehrkräfte sowie unter Mitnahme der Eltern". Auf diesem Weg sei noch erhebliche Überzeugungsarbeit zu leisten. "Viele Menschen sind mit dem selektiven Prinzip unserer Schulen so urvertraut, dass sie den Verzicht darauf als Gleichmacherei abtun und sich Sorgen machen - nicht um die Schwachen, sondern um die Starken", äußerte Erdsiek-Rave. Das Beispiel Schweden zeige, wie eine so bedeutende Umwandlung durch gesellschaftlichen Konsens erreicht werden konnte. "Wir können Tipps erhalten, was sich im Nachhinein bewährt hat und wo Nachsteuerungen notwendig waren", so die Ministerin.

Die Konferenz in Flensburg wird um 15 Uhr von dem schwedischen Botschafter in Deutschland, Carl Tham, eröffnet. Anschließend referiert der Generaldirektor des schwedischen Schulamtes, Per Tullberg, zum Thema: "Gemeinsames Lernen und Chancengerechtigkeit in Schweden". Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave hält einen Vortrag über "Gemeinsames Lernen - Unsere Schulen auf dem Weg zu mehr Kooperation". Danach werden Praktiker aus Schweden und Deutschland über gemeinsames Lernen berichten. Nach der Podiumsdiskussion um 17 Uhr endet die Veranstaltung um 18 Uhr.


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