Erstes Deutsch-Französisches Geschichtsbuch

Das erste deutsch-französische Geschichtsbuch "Histoire/Geschichte" - Geschichte ab 1945 - kann ab dem neuen Schuljahr in M-V eingesetzt werden. Das erste Mal nutzen Schüler in der gymnasialen Oberstufe in Frankreich und in Mecklenburg-Vorpommern das gleiche Schulbuch.

21.06.2006 Mecklenburg-Vorpommern Pressemeldung Ministerium für Bildung und Kindertagesförderung Mecklenburg-Vorpommern

Vor drei Jahren hat das deutsch-französische Jugendparlament angeregt, ein gemeinsames deutsch-französisches Geschichtsbuch mit identischen Inhalten für beide Länder zu entwickeln. Als Ziel nannten damals die jugendlichen "Abgeordneten" die Reduzierung von Vorurteilen, die auch heute noch durch beiderseitige Unkenntnis verursacht werden.

Bildungsminister Prof. Dr. Metelmann begrüßt das Erscheinen des ersten gemeinsamen deutsch-französischen Geschichtsbuches für die gymnasiale Oberstufe. "Ich würde mir wünschen, dass die Schulen nun schnell hiervon Gebrauch machen und diese neuen Bücher bestellen."

Nach der Vorlage des Bandes, der die Geschichte nach 1945 bis in die Gegenwart behandelt, werden von jetzt an Schülerinnen und Schüler in Frankreich und Deutschland das erste Mal das gleiche Geschichtsbuch im Abschlussjahr der Abiturstufe benutzen können. "Mit der Arbeit an den gleichen Darstellungstexten und Materialien können Schüler ein europäisches Geschichtsbewusstsein ausprägen", betont Prof. Metelmann. "Damit sind für die junge Generation wichtige Voraussetzungen zum besseren Verstehen der jeweiligen Nationalgeschichten, des europäischen Umfeldes und der globalen Verflechtung sowie für eine gemeinsame europäische Identität und ein Bewusstsein als Bürger der Europäischen Union geschaffen."

Durch eine gemeinsame Expertenkommission, die vom nationalen Bildungsministerium Frankreich sowie von Beauftragten der deutschen Kultusministerkonferenz gebildet wurde, und mit Hilfe zweier Schulbuchverlage und je fünf ihrer Autoren wurde das Buch in französischer und deutscher Sprachfassung erarbeitet.

Bei den Beratungen zeigte sich, dass 80 Prozent der Stoffe und Inhalte identisch waren. Ausnahmen bildeten die französische Kolonialgeschichte oder die Geschichte der DDR, aber auch manche Bewertungen der USA und der christlichen Kirchen. Wo unterschiedliche Sichtweisen unvereinbar stehen blieben, finden sich beide im neuen Lehrwerk, um den Lernenden die Unterschiede bewusst zu machen und ein selbstständiges Urteil zu ermöglichen.

Aus der Sicht der Schülerinnen und Schüler in Mecklenburg-Vorpommern wird bei der Arbeit mit dem neuen Schulbuch darauf zu achten sein, dass die besondere ostdeutsche Perspektive auf die Geschichte und typische ostdeutsche Lebensläufe nicht an den Rand gedrängt werden, weil im Geschichtsunterricht die Aufarbeitung der DDR und der SED-Diktatur noch lange ein zentrales Thema bleiben muss.

Sehr erfreulich ist die gute Eignung des Schulbuches für das in Mecklenburg-Vorpommern neu gebildete Hauptfach "Geschichte und Politische Bildung", indem es eine starke Gegenwartsorientierung aufweist und viele politik-, kultur- und mentalitätshistorische Dimensionen anbietet, die zum Vergleich einladen. Als besondere Stärke erweist sich die intensive Behandlung der Geschichte und von aktuellen Problemen der europäischen Einigung, die als Unterrichtsinhalte in Zukunft von immer größerer Bedeutung sein werden.

Bildungsminister Metelmann empfiehlt allen Fachkonferenzen an den Schulen mit gymnasialer Oberstufe die Prüfung, ob das neue, bereits genehmigte Lehrwerk für das künftige Schlussjahr der Qualifikationsstufe eingeführt wird.


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