Flath: Schule ist nicht der Reparaturbetrieb für die Gesellschaft

Sachsens Kultusminister Steffen Flath hat davor gewarnt, die Schulen im Kampf gegen den politischen Extremismus zu überfordern. "Die Schule ist nicht der Reparaturbetrieb für gesellschaftliche Defizite", sagte Flath. Was im Elternhaus oder in der Gesellschaft versäumt werde, könnten Lehrer allein nicht ausgleichen, so der Kultusminister. Die Schule könne allerdings mithelfen, Kinder und Jugendliche zu wehrhaften Demokraten zu erziehen.

21.02.2005 Sachsen Pressemeldung Sächsisches Staatsministerium für Kultus

"Die Schule hat den Auftrag neben historischem und politischem Wissen, Werte wie Freiheit, Recht, Toleranz, Menschenwürde und Demokratie zu vermitteln", sagte Flath. Er verwies auf ein breites Angebot an Maßnahmen, Projekten und Initiativen zur Demokratieerziehung von Jungen und Mädchen. Zudem biete der in diesem Schuljahr eingeführte Lehrplan Geschichte allen Schülern bis zur 9. Klasse ein fundiertes Geschichtswissen einschließlich der Naziherrschaft.

Neben dem Unterricht soll über ein Maßnahmenbündel die Demokratieerziehung von Jungen und Mädchen verbessert werden. So nimmt Sachsen seit 2002 an einem auf fünf Jahre angelegten länderübergreifenden Modellversuch mit dem Titel "Schulleben und Unterricht demokratisch gestalten" teil. 12 Schulen erproben dabei neue Möglichkeiten der Demokratieerziehung. Was sich bewährt, wird anschließend an allen Schulen umgesetzt. Die Demokratieerziehung wird auch über das bundesweite Förderprogramm "Demokratisch Handeln" unterstützt. Besonders viele Projekte zum Beispiel gegen Rechtsextremismus oder Ausländerfeindlichkeit werden an Mittelschulen gestaltet. Mit jährlich 30 bis 40 Projekten nimmt Sachsen in diesem Programm neben Nordrhein-Westfalen eine bundesweite Spitzenstellung ein. Über das sächsische Förderprogramm "Schuljugendarbeit" werden zudem Projekte zum interkulturellen Verständnis oder zur Extremismusprävention an Schulen gefördert. Kultus- und Innenministerium haben darüber hinaus eine Handreichung für Pädagogen mit Materialien zur Kinder und Jugendprävention erstellt. Das Material, das sich unter anderem dem politischen Extremismus widmet, wird seit Sommer vergangenen Jahres verteilt. Es enthält Anregungen und Hinweise zur methodischen Umsetzung im Unterricht und Ansprechpartner. Außer einer Vielzahl von Fortbildungsangeboten zum Extremismus nutzen Schulen die Zusammenarbeit mit Justiz und Polizei, um den Unterricht praktischer zu gestalten. Die Zusammenarbeit soll noch ausgeweitet werden.

Neben den schulischen Maßnahmen gibt es in Sachsen an die 40 Initiativen, die sich der Aufklärung und Prävention widmen und an die Schulen gehen. Zum Beispiel führt das "Netzwerk tolerantes Sachsen" fast täglich Veranstaltungen an Schulen durch. Das Netzwerk betreut auch die 10 sächsischen "Schulen ohne Rassismus".

Kultusminister Flath unterstrich, dass nach der Lehrplanreform ausgeschlossen werden könnte, dass Schüler nach Abschluss der 9. Klasse die Schule verlassen ohne jemals etwas von der Nazidiktatur gehört zu haben. Dieser Themenkomplex sei Gegenstand im Geschichts- und Gemeinschaftskundeunterricht.


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