GEW sieht Bemühungen von Lehrerinnen und Lehrern bestätigt:
"Die im Vergleich zum Jahr 2000 aufgezeigten Verbesserungen der Schülerleistungen bei PISA 2003 in allen Kompetenzbereichen sollten uns motivieren, in unseren Anstrengungen für die Schülerinnen und Schüler nicht nachzulassen", kommentierte GEW-Landeschef, Thomas Lippmann die neuen PISA-Ergebnisse. Er würdigte damit die Bemühungen der Kolleginnen und Kollegen, die unter oft schwierigen Bedingungen in ihrem Unterricht Schlussfolgerungen aus der vorherigen PISA-Runde gezogen haben.
15.07.2005 Sachsen-Anhalt Pressemeldung GEW Sachsen-AnhaltAuch müsse festgehalten werden, dass sich die Schülerinnen beim Test 2000 im gegliederten Schulsystem befanden, während die Schülerinnen und Schüler beim Test 2003 die gemeinsame Förderstufe und auch den neuen Sekundarschulbildungsgang (statt Haupt- und Realschulbildungsgang) durchlaufen hatten.
"Förderstufe und Sekundarschulbildungsgang waren offensichtlich viel besser als der von ihren Gegnern öffentlich erzeugte schlechte Ruf!" konstatierte Lippmann und hofft nun auf objektivere Diskussionen zum Thema Schulstrukturen.
Es bestehe jedoch kein Grund zur Zufriedenheit. Lippmann dazu: "Die Weltbesten im OECD-Bildungskonzert spielen die Klaviatur eines Flügels, Bayern vielleicht auf dem Akkordeon. Sachsen-Anhalt hat gerade erst die Triola weggelegt". Er warnte im Einklang mit der GEW-Bundesorganisation vor einem "Selbstgefälligen Schulterklopfen" unter den Bildungspolitikern.
"Ein Schuljahr weniger Unterricht im Vergleich zu den Flächenländern Bayern und Sachsen ist mit der gegenwärtigen 'Placebo-Politik' unseres Kultusministeriums nicht wettzumachen", sagte Lippmann. Nach wie vor ist eine institutionelle individuelle Förderung zur Herstellung von Chancengleichheit in Sachsen-Anhalts Schulen kaum möglich.
Er verwies in diesem Zusammenhang auf e ine im Auftrag der GEW erstellte und vor einigen Tagen der Presse vorgestellte Studie von Rainer Block und Klaus Klemm "Gleichwertige Lebensverhältnisse im Bundesgebiet? -Demographische, ökonomische, institutionelle und familiale Bedingungen des Lernens im Bundesländervergleich".
Sie erhellt wesentliche Hintergründe des PISA-Ländervergleichs: Aus dieser Studie geht hervor, dass in Sachsen-Anhalt bundesweit der wenigste Unterricht erteilt wird (92% des Bundesdurchschnitts, Bayern 11.362, Sachsen 11.324, Sachsen-Anhalt 9.956 in neun Jahren) und das bei einer Schülerschaft, die aus Elternhäusern mit dem niedrigsten Anteil an Hochschulqualifikation kommt (nur 57% des Bundesdurchschnitts), dem geringsten Familieneinkommen (nur 85 % des Bundesdurchschnitts), dem höchsten Anteil Erwerbsloser (261% des Bundesdurchschnitts) und demzufolge auch dem höchsten Anteil an Beziehern von sozialen Unterstützungsleistungen (210% des Bundesdurchschnitts).
"Über dieses Missverhältnis sollten in den nächsten Wochen die Debatten in Sachsen-Anhalt im Kontext der PISA-Länderergebnisse dringend geführt werden" regte Lippmann an.
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