Größte anzunehmende Ungerechtigkeit

Die Chancenungleichheit im deutschen Schulsystem hat sich seit PISA 2000 nochmals vergrößert. Die bayerischen Schüler haben zwar im Ländervergleich gute bis sehr gute Leistungen erzielt. Oskar Brückner, bayerischer GEW Landesvorsitzender: "Doch es verwundert schon sehr, dass es Bayern nicht schafft, seine klugen Schüler in entsprechender Anzahl zu den besten Schulabschlüssen zu führen. Die größte Schwäche des bayerischen Schulsystems ist und bleibt die hohe soziale Selektivität."

04.11.2005 Bayern Pressemeldung GEW Bayern

Dabei ist die erneute Verschlechterung der gleichberechtigten Teilhabe an Bildung innerhalb des deutschen PISA-Konsortiums erstaunlicherweise kein zentrales Thema. Viele Vergleichsmöglichkeiten zwischen den Studien von 2003 und 2000 fehlen zudem gänzlich.

Die GEW Bayern stellt darüber hinaus fest, dass die Leistungsunterschiede zwischen den Schularten erheblich größer sind als zwischen den Bundesländern. In Bayern beträgt der Unterschied der Test-Mittelwerte in Mathematik zwischen Gymnasium und Hauptschule 151 Punkte. Das entspricht einem Lernrückstand von fast vier Jahren! Diese Problematik des gegliederten Schulwesens im Hinblick auf Leistungsentwicklung und Chancengleichheit wird vom PISA-Konsortium nicht thematisiert.

Überreaktion des Kultusministeriums auf GEW-Fragen

Dass das bayerische Kultusministerium auf Fragen der GEW zur Repräsentativität der bayerischen PISA-Ergebnisse mit barschen Vorwürfen reagiert, hält die GEW Bayern für völlig ungerechtfertigt. Bayern gehört zu den sechs Bundesländern, in denen die Teilnahme an PISA freiwillig war. Auch die 34. KMK-Amtschefkommission sah das grundsätzlich als Problem, weil dies die Vergleichbarkeit der Ergebnisse einschränken könne.

Andreas Schleicher, Leiter der internationalen PISA-Studie, bestätigte heute die Zweifel der GEW Bayern: "Die PISA-Stichprobe reicht - setzt man die Qualitätskriterien der OECD an - nicht einmal für den im Sommer veröffentlichten Bundesländervergleich aus. Ich bin gespannt, wie man diese Daten methodologisch auf die Schulform herunterbrechen wird." Um diese Qualitätskriterien zu erfüllen, haben andere Teilnehmerländer ihre Regionaluntersuchungen unter dem Dach des internationalen PISA-Konsortiums durchgeführt und nicht – wie Deutschland – mit einem eigenen nationalen Konsortium.

Bei PISA 2000 gab es eine vertragliche Vereinbarung, "…dass wissenschaftlich nicht vertretbare länderübergreifende Schulformvergleiche weder durchgeführt noch ermöglicht werden…", weil dies aufgrund der sehr unterschiedlichen föderalen Schullandschaft wissenschaftlich nicht zu akzeptieren sei. Da drängt sich die Frage auf, warum jetzt die KMK und das deutsche PISA-Konsortium von früheren Vereinbarungen abweichen.

"Die starke soziale Benachteiligung von Arbeiter- und Migrantenkindern durch das deutsche und bayerische Schulsystem verträgt sich nicht mit dem Menschenrecht auf Bildung und dem Gebot der Chancengleichheit", so Brückner. Und weiter: "Wir brauchen endlich Förderprogramme für Kinder aus bildungsfernen Familien und die dafür erforderlichen zusätzlichen personellen Ressourcen!"

Ansprechpartner

GEW Bayern

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