Kreuther Mogelpackung

"Die von Kultusminister Schneider angekündigte Stellenmehrung bei Lehrkräften bleibt weit hinter den Erfordernissen zurück und ist nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein", bewertet Oskar Brückner, Vorsitzender der GEW Bayern, die Ergebnisse der Klausurtagung der CSU-Fraktion in Wildbad Kreuth.

15.01.2006 Bayern Pressemeldung GEW Bayern

Der völlig unnötigen und überzogenen Sparpolitik der Bayerischen Staatsregierung fällt damit erneut auch der Bildungsbereich zum Opfer. Die zahlreichen ungelösten Probleme in der bayerischen Bildungspolitik sollten nach Ankündigung des Ministerpräsidenten durch massive Investitionen gelöst werden. Die jetzt beschlossene Aufstockung der Lehrerstellen ist allerdings Augenwischerei, weil damit weder die enormen Klassenstärken an Realschulen und Gymnasien von weit über 30 Schülern pro Klasse abgebaut noch der Bedarf an Lehrkräften an den Volksschulen auch nur annähernd gedeckt werden können. Die Volksschulen sollen sogar 400 Stellen an andere Schularten abtreten.

Auch wenn einige freiwerdende Stellen bei den Volksschulen verbleiben sollen, ist eine spürbare Verbesserung der Situation in weite Ferne gerückt. Dabei machen es Länder wie Finnland vor, wie Bildungs- und Schulqualität nachhaltig verbessert werden können. In diesen erfolgreichen PISA-Ländern verfährt man nach der Devise: Auf den Anfang kommt es an! Folgerichtig werden dort personelle und finanzielle Ressourcen im Vorschulbereich und in Anfangsklassen gebündelt.

In Bayern hingegen wird an Gymnasien die höchste Summe pro Schüler ausgegeben und am wenigsten der Grundschulbereich gefördert. In diesem Zusammenhang ist besonders bedenklich, wenn Mittel des Bundes, die für Ganztagsangebote zur Verfügung stehen, in Bayern in diesem Schuljahr auch noch überwiegend in den gymnasialen Bereich geflossen sind, obwohl es sich dort oft um keine wirklichen Ganztagesangebote handelt.

Die GEW Bayern bezweifelt, dass das Kultusministerium die individuelle Förderung von Schülern ernsthaft forcieren will. Oskar Brückner: "Die 3.300 Lehrkräfte, die laut Schneider angeblich ausschließlich zur individuellen Förderung an Volksschulen bereit stehen, werden wohl eher im Unterricht in geteilten Klassen und in Gruppen zur Differenzierung eingesetzt. Die GEW Bayern versteht unter individueller Förderung etwas anderes. Nach Analyse der Lernausgangslage muss ein Lern- und Entwicklungsplan für jedes Kind erarbeitet werden und immer wieder auf seine Wirksamkeit überprüft werden. Dafür aber ist ausreichend Personal nötig. Mit der jetzt angekündigten Stellenmehrung jedenfalls wird von einer solchen Förderung in absehbarer Zeit nichts zu spüren sein. Die Behauptung von Kultusminister Schneider, dass jetzt die individuelle Förderung ausgebaut werden könne, ist nichts als ein dreister Etikettenschwindel."

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GEW Bayern

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