Künftige Struktur der Hochschulmedizin in München

Aufsichtsräte des Klinikums der Universität München und des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München beschließen Konzept für Strukturmaßnahmen und setzen Lenkungsausschuss ein

29.10.2004 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst

Auf ein Konzept für Strukturmaßnahmen und die Einsetzung des "Lenkungsausschusses Münchner Klinika" haben sich die Aufsichtsräte des Klinikums der Universität München und des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München bei einer gemeinsamen Sitzung am Freitag in München verständigt. Wie Wissenschaftsminister Thomas Goppel als Vorsitzender der Aufsichtsräte der beiden Münchner Universitätsklinika im Anschluss an die Sitzung mitteilte, beinhaltet das einstimmig beschlossene Konzept ein Bündel von Strukturmaßnahmen für die drei Münchner Medizinstandorte Großhadern, Innenstadt und rechts der Isar. Ziel müsse sein, die Wirtschaftlichkeit der Klinika weiter zu verbessern, die fachbezogene Arbeitsteilung zu verstärken, Strukturen abzugleichen und zu verschlanken sowie die vom Wissenschaftsrat geforderte Verringerung der Bettenzahl im Bereich der Hochschulmedizin fortzusetzen, so die Aufsichtsräte. Goppel betonte, dass die Umstrukturierung längerfristig über einen Zeitraum von mehreren Jahren erfolgen wird. Betriebsbedingte Kündigungen werde es nicht geben, so der Minister. Die verschiedenen Möglichkeiten einer künftigen Nutzung frei werdender Gebäude würden sorgfältig ausgelotet werden.

Nach übereinstimmender Auffassung der Aufsichtsräte ist es wegen der sich bundesweit verschärfenden Rahmenbedingungen in der Hochleistungsmedizin zwingend erforderlich, die Struktur der Münchner Hochschulmedizin neu zu ordnen:

  • Mit der Einführung der vom Bundesgesetzgeber beschlossenen Fallpauschalen als dem neuen Entgeltsystem im Gesundheitswesen entsteht bei allen Universitätsklinika als Krankenhäusern der Maximalversorgung ein enormer, zusätzlicher Kostendruck. Die Universitätsklinika behandeln gerade diejenigen Krankheitsfälle, die wegen besonderer Komplikationen medizinisch aufwändig sind; die Schwere der Erkrankung und der Schwierigkeitsgrad der Behandlung werden bei der künftig pauschalen Vergütung jedoch nicht angemessen berücksichtigt.

 

  • Der Wissenschaftsrat fordert seit Jahren eine Intensivierung der Forschung im Bereich der Hochschulmedizin und damit verbunden einen Bettenabbau im Bereich der Krankenversorgung. Die aktuellen Schätzungen des Wissenschaftsrats gehen aufgrund der Gesundheitsreform von einer bis zu 30-prozentigen Verminderung des Bettenbedarfs in Folge von kürzeren stationären Verweilzeiten aus. Eine Anpassung der stationären Versorgungskapazitäten ist deshalb zwingend.

 

  • Der bauliche Sanierungsbedarf für die drei Münchner Hochschulmedizinstandorte beläuft sich in der Münchner Hochschulmedizin durch die Verteilung auf zu viele Standorte in den nächsten 15 Jahren auf mindestens eine Milliarde Euro und muss durch eine Konzentration der Standorte auf ein realisierbares Maß gesenkt werden durch eine stärkere Konzentration der Standorte. (Zum Vergleich: Für alle Baumaßnahmen an den Hochschulen in Bayern stehen derzeit jährlich Mittel in der Größenordnung von 250 Mio. Euro zur Verfügung.)

Grundlage des Beschlusses der Aufsichtsräte waren Strukturvorschläge einer im März dieses Jahres von Wissenschaftsminister Thomas Goppel eingesetzten Arbeitsgruppe zur Münchner Hochschulmedizin, der Vertreter der beiden Klinika und der beiden Medizinischen Fakultäten angehörten. Als ersten Schritt zur Neuordnung der Münchner Hochschulmedizin sieht der Beschluss des Aufsichtsrats folgende Eckpunkte vor:

  • Einrichtung eines interdisziplinären ambulanten Gesundheitszentrums beider Universitäten in der Innenstadt,

 

  • Reduzierung der Betten in der Chirurgie am Standort Innenstadt und langfristige Verlagerung nach Großhadern,

 

  • Übernahme der Frauenklinik in Großhadern durch den Klinikdirektor der Frauenklinik Maistraße, schrittweise Aufgabe der Frauenklinik Maistraße,

 

  • Komplementäre Ausrichtung des Klinikums Großhadern und des Deutschen Herzzentrums auf dem Gebiet der Herzchirurgie; Konzentration Großhadern auf Erwachsenen-Herzchirurgie - kinderkardiologischer Schwerpunkt am Deutschen Herzzentrum,

 

  • Zusammenfassung der acht Medizinischen Kliniken im Bereich der Inneren Medizin zu jeweils einem Department unter Verzicht auf die Wiederbesetzung des Lehrstuhls für Innere Medizin an der LMU München mit dem Schwerpunkt Nephrologie, der langfristigen Aufgabe des sog. Ziemssenblocks und der Verlagerung des Schwerpunkts Endokrinologie nach Großhadern,

 

  • Erarbeitung eines arbeitsteiligen Systems der Zusammenarbeit für die Klinische Chemie an den Standorten Großhadern und rechts der Isar; Aufgabe des Lehrstuhls für Klinische Chemie am Klinikum rechts der Isar nach Freiwerden.

Die Aufsichtsräte haben einen gemeinsamen Lenkungsausschuss eingesetzt, der bis Anfang 2005 Vorschläge zu den konkreten Umsetzungsschritten und zum Zeitplan machen sowie die Umsetzung der Maßnahmen durch die Vorstände der beiden Klinika begleiten soll. Ferner soll der Lenkungsausschuss prüfen, ob der Lehrstuhl für Augenheilkunde am Klinikum rechts der Isar wiederbesetzt werden und in welcher Weise das Fach Dermatologie an den beiden Universitätsklinika vertreten sein soll, wobei der derzeitige Lehrstuhlinhaber für Dermatologie am Klinikum rechts der Isar in das Gebäude der Dermatologischen Klinik im Klinikum der Universität München (Innenstadt) wechseln soll. Vorsitzender des Lenkungsausschusses ist Prof. Dr. Michael Albrecht (Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Dresden), stellvertretender Vorsitzender Dipl.-Kfm., Dipl.-Pol. Rüdiger Strehl (Kaufmännischer Vorstand des Universitätsklinikums Tübingen und Vorstandsvorsitzender des Verbands der Universitätsklinika in Deutschland), ferner gehören dem Lenkungsausschuss die Ärztlichen Direktoren und die Verwaltungsdirektoren beider Klinika sowie die Dekane der beiden Medizinischen Fakultäten an.

Unabhängig von den heutigen Beschlüssen der Aufsichtsräte stehen für die Münchner Hochschulmedizin übergreifende Strukturfragen an, mit denen sich derzeit die Kommission Wissenschaftsland 2020 (Mittelstraß-Kommission) befasst und die ebenfalls Gegenstand der Anfang nächsten Jahres vorgesehenen umfassenden Begutachtung der Münchner Hochschulmedizin durch den Wissenschaftsrat sein werden.


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