"Mehrheiten für eine soziale und gerechte Bildungspolitik"

Mit überwältigender Mehrheit hat am Mittwoch die GEW zum Abschluss ihres Gewerkschaftstages eine Kampagne beschlossen, mit der die Bildungsgewerkschaft unter dem Motto "Mehrheiten für eine soziale und gerechte Bildungspolitik" aktiv in den bremischen Landtagswahlkampf eingreifen will.

09.11.2006 Bremen Pressemeldung GEW Bremen

In der engagiert geführten Antragsdiskussion sei deutlich geworden, dass die Kollegen und Kolleginnen in den Bildungseinrichtungen nicht länger bereit seien, die Politik der Aussonderung, sozialen Kälte und Privatisierung hinzunehmen, erklärten die Landesvorstandssprecher Christian Gloede-Noweck und Bernd Winkelmann.

Der tragische Tod von Kevin habe zu einer Zäsur in dieser Stadt geführt. Nun gehe es darum, gerade die 33% der Kinder in den Blick zu nehmen, die in Bremen unterhalb der Armutsgrenze lebten. Das von Bürgermeister Böhrnsen angekündigte kostenlose Kita-Mittagessen für arme Kinder wird seitens der GEW ausdrücklich begrüßt, sei aber nicht ausreichend. Ein mindestens sechsstündiger beitragsfreier Rechtsanspruch für Kinder ab 0 Jahren und der Ausbau, nicht der Abbau von Ganztagsplätzen ist das Gebot der Stunde. Kostenloses Essen müsse es darüber hinaus auch in den Schulen geben, so die Landesvorstandssprecher.

"Armut und Bildungsarmut bedeuten Ausschluss von gesellschaftlicher Teilhabe in allen Bereichen. Sie sind nicht selbst verschuldet, sondern offensichtlich politisch gewollt"; so Gloede-Noweck. "Wer draußen ist, soll draußen bleiben." Anders sei die gegenwärtige Steuer- und Geldverteilungspolitik in diesem Land nicht zu erklären.

Die GEW werde nicht zulassen, dass staatliche Restriktionspolitik in den Klassenzimmern Einzug halte. Jede Form der Beihilfe zum Entzug von Sozialleistungen, wie sie z.B. die BAGIS West plane, lehnt die GEW entschieden ab. Nicht mehr Repression gegen Arme und so genannte Schulverweigerer, sondern mehr Schulsozialarbeit und vor allem berufliche Perspektiven seien notwendig, jungen Menschen die Lust am Lernen wiederzugeben. Auch angesichts der aktuellen neonazistischen Tendenzen ist die Rücknahme der Kürzungen in der politischen Bildung unverzichtbar.

Mit Blick auf die Gründung des evangelischen Nebelthau-Gymnasiums konstatiert die GEW die bruchlose Fortsetzung einer ausgrenzenden Bildungspolitik. Einer guten Schule für wenige setze die GEW die gute Schule für alle entgegen. Dazu gehöre notwendigerweise auch der quantitative und qualitative Ausbau der frühkindlichen Erziehung und Bildung. Die GEW begrüße ausdrücklich alle Anstrengungen, die Ausbildung von Erzieherinnen an die Hochschulen zu verlagern, fordere aber in diesem Zusammenhang, "endlich eine der Qualifikation und Bedeutung der Tätigkeit angemessene Bezahlung."

Um der Bedeutung der beruflichen Ausbildung mehr Nachdruck zu verleihen, wurde die Berufsschullehrerin Petra Jendrich als dritte Sprecherin in den geschäftsführenden Landesvorstand gewählt. "Damit setzt die GEW auch ein Zeichen gegen die unerträgliche Ausbildungssituation und Jugendarmut", so die Landesvorstandssprecher.

Auf einem Folgegewerkschaftstag im Januar werden die Delegierten das Eingreifen der GEW in den Wahlkampf konkretisieren. Geplant ist u.a. die Durchführung eines bildungspolitischen Kongresses.

Ansprechpartner

GEW Bremen

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