Mit der Ganztagsschule ernst machen
Nach Ansicht der GEW klaffen in Bayern Anspruch und Wirklichkeit im Bereich Bildung weit auseinander. Im Rahmen einer Fachtagung in Fürth unter dem Titel "Mit der Ganztagsschule ernst machen!" appellierten die Teilnehmer an das Bayerische Kultusministerium, endlich die Bedürfnisse von Schülern, Eltern und Lehrern zu berücksichtigen und flächendeckend pädagogisch sinnvolle und vollwertige Ganztagsschulen in allen Schularten zu schaffen.
26.05.2006 Bayern Pressemeldung GEW BayernDie GEW Bayern hatte zu der Fachtagung Schulexperten, Bildungspolitiker und das Kultusministerium eingeladen, um über den weiteren Ausbau von Ganztagsschulen in Bayern zu beraten. Stefan Appel, Bundesvorsitzender des Ganztagsschulverbandes: "Alle Erfahrungen sprechen dafür, Ganztagsschulen flächendeckend einzurichten. Untersuchungen des Ganztagsschulverbandes und von Elternverbänden belegen, dass mit der Ganztagsschule nachhaltige Bildungserfolge erreicht, sozial oder ethnisch begründete Benachteiligungen im Bereich Bildung verringert werden und die Schule zu einem wirklichen Lern- und Lebensort für Kinder und Jugendliche wird."
Behauptungen des Kultusministeriums, wonach der Freistaat bundesweit führend beim Ausbau von Ganztagsschulen sei, weist die GEW zurück. Oskar Brückner, Vorsitzender der GEW Bayern: "Durch die Verwässerung der Definition von Ganztagsschule und die Einführung von Rumpfmodellen, in denen nur einzelne Klassenzüge als Ganztagsangebot geführt werden, werden die Zahlen kosmetisch geschönt. Im Grunde gibt es keine einzige echte staatliche Ganztagsschule in Bayern. Hinzu kommt, dass in diesem Schuljahr etwa 75% der von der Bundesregierung zur Verfügung gestellten Mittel zum Ausbau von Ganztagsschulen missbräuchlich für das ´G8´ verwendet wurden." Thomas Häns, Fachreferent im Bayerischen Kultusministerium für Ganztagsschulen, hatte der Kritik wenig entgegen zu setzen. "Wir haben den Bedarf unterschätzt, wollen aber diese Schulform weiter stärken."
Die GEW Bayern erneuert ihre Kritik an der unverantwortlichen Geringschätzung der Bedeutung von Ganztagsschulen durch die Staatsregierung. Die Qualität von Bildung darf nicht einem sachfremden Spardiktat zum Opfer fallen. In Bayern würden etwa 1,75 Mrd. Euro für den flächendeckenden Ausbau von Ganztagsschulen benötigt. Das setzt aber den politischen Willen voraus, Investitionen in Bildung als prioritäre Aufgabe des Staates zu begreifen. Oskar Brückner: "Eine bloße Ausdehnung des Unterrichts auf den Nachmittag ist für uns keine Ganztagsschule. Wir fordern pädagogisch fundierte, finanziell abgesicherte und rhythmisierte Ganztagsschulen. Alles andere ignoriert die tatsächlichen Bedürfnisse der Kinder und der Familien.
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