"Moderne Familienpolitik ist mehr als der Ausbau von Kinderbetreuung"
Die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Renate Schmidt, sagte heute anlässlich der Vorstellung einer Allensbach-Studie zu den Gründen für Kinderlosigkeit durch den Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Erwin Teufel:
04.10.2004 Pressemeldung Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend''Das Institut für Demoskopie Allensbach hat in seiner Studie junge Menschen, die keine Kinder haben, nach den Gründen für ihre Kinderlosigkeit befragt. Laut Allensbach geben 47 Prozent der Befragten an, dass ein Kind eine zu große finanzielle Belastung darstellen würde und nur 14 Prozent machen die mangelnde Kinderbetreuung für ihre Kinderlosigkeit verantwortlich.
Wer glaubt, die schlechte Betreuungssituation für Kleinkinder im eigenen Land oder den Widerstand gegen den von der Bundesregierung angestoßenen Ausbau der Kinderbetreuung mit den Ergebnissen der Allensbach-Studie rechtfertigen zu können, der irrt. Der Ausbau der Kinderbetreuung spielt eine wichtige Rolle, er ist ein zentraler Aspekt moderner Familienpolitik. Ministerpräsident Erwin Teufel hat dies offensichtlich nicht erkannt, wird den vielfältigen Bedarfslagen von Kindern und Familien damit nicht gerecht.
Die Allensbach-Studie hat zu einem hohen Anteil Menschen befragt, die selbst noch keine Kinder haben und zeigt deren Problemvorstellungen auf. Der von Ministerpräsident Erwin Teufel gezogene Schluss, man dürfe sich in der Familienpolitik nicht nur auf den Ausbau der Kindertagesbetreuung konzentrieren, greift zu kurz. Moderne Familienpolitik heißt:
- die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen,
- die gezielte, materielle Förderung von Familien,
- eine frühe Förderung der Kinder gewährleisten.
1. Demoskopisch belegt ist:
- 66,5 Prozent der Bevölkerung stimmen voll und ganz zu bzw. stimmen zu, dass Deutschland mehr Kinderbetreuung braucht (infas, Dezember 2003)
- Kinderbetreuung hilft, Kinderwünsche zu erfüllen (Repräsentative Online-Umfrage ''Perspektive Deutschland'' mit 450.000 Befragten, April 2004)
- Zwei Drittel der Bevölkerung sagen, dass ein Ausbau der Kinderbetreuung positiven Einfluss auf die Geburtenrate hat (Forschungsgruppe Wahlen, Juli 2004)
Fragt man die Menschen, die Kinder haben, nach den Gründen ihrer hohen finanziellen Belastung, ist die Ursache eindeutig: Auf Grund fehlender Kinderbetreuungsmöglichkeiten ist ein Partner - in der Regel die Frau - gezwungen, über einen langen Zeitraum gar nicht oder nur in sehr geringem Ausmaß zu arbeiten. Damit entfällt ein komplettes Einkommen, was für Familien mit ein, zwei oder mehr Kindern enorme finanzielle Schwierigkeiten bedeutet. Dass dies auch nicht den Wünschen der Frauen entspricht, zeigt eine Umfrage des Deutschen Instituts für Wirtschaft (DIW): Danach wünschen sich rund 70 Prozent der nicht erwerbstätigen Mütter in Westdeutschland die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit.
Auch das Ergebnis der OECD ist eindeutig: Die Konzentration auf Geldleistungen für Familien in Deutschland ist bemerkenswert wirkungsschwach. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland mit seinen finanziellen Leistungen schon jetzt im oberen Drittel, es zahlt z.B. das zweithöchste Kindergeld nach Luxemburg. Trotzdem ist die Geburtenrate mit 1,3 Kindern pro Frau eine der niedrigsten in der Europäischen Union, Deutschland hat mit die höchste Kinderlosigkeit weltweit.
2. Internationaler Vergleich
Internationale Vergleiche zeigen, dass eine gut ausgebaute Kinderbetreuung ein wichtiger Teil einer nachhaltigen Familienpolitik ist: Sie ist
- gut für die Kinder im Sinne einer frühen Förderung,
- wirksamstes Mittel gegen Familienarmut, weil Erwerbsarbeit möglich wird
- und wirksam im Hinblick auf die Geburtenrate. Die OECD sieht Betreuungsquote und Geburtenrate in einem positiven Zusammenhang.
3. Familien und Kinder auf breiter Basis unterstützen
Deutschland braucht mehr Kinder, eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie und frühe Förderung der Kinder. Dazu gehört der Ausbau der Kinderbetreuung vor allem für die unter Dreijährigen mit dem Tagesbetreuungsausbaugesetz (TAG), Maßnahmen in den Unternehmen für eine bessere Balance von Familie und Beruf, neue, zentrierte monetäre Leistungen wie der Kinderzuschlag für gering verdienende Eltern und in mittelfristiger Perspektive ein Elterngeld, das eine Lohnersatzfunktion erfüllt und auf das erste Lebensjahr des Kindes konzentriert werden soll.''
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