Rund 190.000 Grundschulkinder nehmen an Tests in Deutsch und Mathematik teil

Rund 190.000 Schülerinnen und Schüler in allen vierten Klassen Nordrhein-Westfalens werden in dieser Woche erstmals an landesweiten Vergleichsuntersuchungen in Deutsch und Mathematik teilnehmen und dabei ihre Kenntnisse und Fähigkeiten unter Beweis stellen. "Unsere Schulen betreten mit diesen Lernstandserhebungen Neuland", erklärte Schul- und Jugendministerin Ute Schäfer. "Ich drücke allen Kindern die Daumen und wünsche ihnen Erfolg bei den Aufgaben. Den Lehrerinnen und Lehrern danke ich für die reibungslos verlaufenen Vorbereitungen und hoffe, dass sie durch die Auswertung zusätzliche nützliche Hinweise für eine gezielte Förderung ihrer Schülerinnen und Schüler bekommen."

27.09.2004 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen

Das Projekt VERA (VERgleichsArbeiten) findet zeitgleich in sieben Bundesländern statt (Berlin, Brandenburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein). Im Rahmen dieser Lernstandserhebungen werden die Kinder am 28. September 50 Minuten lang Mathematikaufgaben lösen und am 30. September mit insgesamt 90 Minuten ausreichend Zeit haben, um Aufgaben in Deutsch zu bearbeiten. Bei jeder Lernstandserhebung werden den Kindern Aufgaben auf unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden präsentiert. Sie wurden von Wissenschaftlern der Universität Koblenz-Landau gemeinsam mit Experten und Schulpraktikern aus den einzelnen Bundesländern entwickelt. Die verschiedenen Schwierigkeitsgrade zielen darauf ab, die Fähigkeiten und Kenntnisse der Kinder besser analysieren zu können und sie so genannten Kompetenzstufen zuordnen zu können. Dieses Verfahren ist auch bei Schulstudien wie PISA und IGLU üblich.

Die Hälfte der Aufgaben sind bei VERA für alle Schulen identisch. Darüber hinaus sollten die Schulen über einen passwortgeschützten Bereich im Internet die andere Hälfte der Aufgaben aus einem Pool auswählen. Bis auf vier Grundschulen, die nun zentral versorgt werden, haben alle 3500 Grundschulen in NRW zeitplangemäß davon Gebrauch gemacht. Ute Schäfer: "Das zeigt, wie gründlich sich die Schulen mit den Lernstandserhebungen befasst haben und wie ernst sie dieses neue Instrument nehmen. Angesichts der gerade zu Beginn eines Schuljahres anstehenden vielfachen Aufgaben ist das für mich ein Zeichen, wie groß die Bereitschaft der Lehrerinnen und Lehrer ist, bei dieser Reform mitzuziehen." "Die Lernstandserhebungen unterscheiden sich maßgeblich von Klassenarbeiten, weil sie nicht überprüfen sollen, ob der Stoff der vergangenen Unterrichtswochen sitzt; sie sollen vielmehr ermitteln, was die Kinder bis zum Beginn der Klasse 4 gelernt und welchen Lernstand sie erreicht haben", betonte Ute Schäfer.

Landesweite Stichprobe liefert Vergleichsdaten

Die Lehrerinnen und Lehrer werten die Lernstandserhebungen mit Hilfe von Anleitungen selbst aus und erhalten somit eine unmittelbare Rückmeldung darüber, wie ihre Klasse, aber auch einzelne Kinder mit den landesweit einheitlichen Anforderungen zurecht gekommen sind. Die Schülerinnen und Schüler sowie ihre Eltern werden durch die Lehrerinnen und Lehrer über ihre Leistungen informiert. Die Ergebnisse der Klassen sollen zudem in der Lehrerkonferenz erörtert und in der Schulkonferenz - also vor den Elternvertretern - bekannt gegeben werden. Unter den Grundschulen wird in Nordrhein-Westfalen eine Zufalls-Stichprobe von 115 Schulen gezogen, deren Ergebnisse zusätzlich von Wissenschaftlern der Universität Koblenz-Landau ausgewertet werden. Dadurch kann ein repräsentatives Durchschnittsergebnis für die Grundschulen in NRW ermittelt werden. Da sich aber Schulen in sozialen Brennpunkten beispielsweise von Grundschulen in sozial gut situierten Vorstädten unterscheiden, werden bei dieser Stichprobe auch unterschiedliche Rahmenbedingungen berücksichtigt. "Es macht wenig Sinn beispielsweise eine Schule aus dem nördlichen mit einer Schule aus dem südlichen Teil des Ruhrgebiets zu vergleichen", erklärte Schäfer. Die repräsentativen Stichproben sollen so aufbereitet werden, dass Schulen sich im Verhältnis zu anderen vergleichbaren Schulen einordnen können.

Die Ministerin unterstrich, dass ein Ranking der Schulen weder beabsichtigt noch ohne weiteres möglich sei. "Es wird beispielsweise keine Durchschnittspunktzahl für Schulen ermittelt, mit deren Hilfe eine simple Rangfolge gebildet werden könnte. Die Auswertung soll vielmehr zeigen, wie viele Kinder einer Klasse oder einer Schule in der Lage waren, Aufgaben auf den verschiedenen Schwierigkeitsebenen zu lösen. Das dürfte ein sehr viel differenzierteres und hilfreicheres Bild ergeben. Es könnte beispielsweise zeigen, dass die eine Schule erfolgreicher bei der Vermittlung der Basiskompetenzen ist, eine andere bei der Förderung besonders begabter Kinder. Für die weitere Arbeit der Schulen sind das wertvolle Hinweise." Mit dem Ergebnis der Stichprobe ist bereits Ende November zu rechnen.

Genügend Zeit, um Schwächen noch auszugleichen

Ute Schäfer appellierte an alle, die Lernstandserhebungen mit großer Ernsthaftigkeit, aber auch mit Gelassenheit anzugehen. "Eine solches Verfahren ist neu für Deutschland und für NRW. Wir werden dabei Erfahrungen sammeln und die Lernstandserhebungen im Laufe der kommenden Jahre immer weiter entwickeln." Die Ministerin wies noch einmal darauf hin, dass die Lernstandserhebungen nicht benotet werden und auch nicht für die Übergangsempfehlung zu weiterführenden Schulen herangezogen werden dürfen. "Sie sollen allerdings Basis für mögliche Fördermaßnahmen sein, die helfen vor dem Ende der Grundschulzeit Defizite noch auszugleichen oder Begabungen gezielt zu fördern."

Nach den vierten Klassen werden im November alle Schülerinnen und Schüler der neunten Klassen an Lernstandserhebungen in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch teilnehmen.

Weitere Informationen zu den Lernstandserhebungen in den Klassen Vier und Neun finden Sie auf der Homepage des Schul- und Jugendministeriums unter www.bildungsportal.nrw.de sowie auf der Homepage des Landesinstituts für Schule unter www.learn-line.nrw.de im Bereich "Standardsicherung".


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