Schule bauen - Bauen schult!

Vor rund 150 Gästen, bestehend aus Lehrern, Eltern- und Schülervertretern, Architekten und politisch für den Schulbau Verantwortlichen, wurde heute in Mainz die Initiative "Schule bauen - Bauen schult!" der Öffentlichkeit vorgestellt. Schulen sind Orte zum Lernen und zum Leben. Dies gilt in besonderer Weise für Ganztagsschulen, deren Anzahl in Deutschland in den kommenden Jahren noch weiter ansteigen wird. Rheinland-Pfalz gehört zu den Bundesländern, die eine Vorreiterrolle bei der Entwicklung der Ganztagsschulen einnehmen. Nun wird dieses Engagement auf die Förderung der Baukultur beim Schulbau ausgedehnt. Die Grundlage dafür bildet die gemeinsame Initiative des Ministeriums für Bildung, Frauen und Jugend und des Ministeriums für Finanzen in Rheinland-Pfalz zum "Dialog Baukultur". In Abstimmung mit der Architektenkammer Rheinland-Pfalz und den kommunalen Spitzenverbänden wurde im Frühsommer 2005 ein Programm zur Förderung von Planungswettbewerben für den Ausbau von Ganztagsschulen ausgeschrieben. Dieses Programm wird von der Wüstenrot Stiftung wissenschaftlich begleitet.

09.12.2005 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Rheinland-Pfalz

"Auch wenn es für den schulischen Erfolg eines Kindes sicherlich noch wichtigere Faktoren gibt als die Qualität des Schulgebäudes, darf die Wirkung des Lernumfeldes nicht unterschätzt werden," betont Doris Ahnen, Ministerin für Bildung, Frauen und Jugend. "Jedes Kind hat drei Lehrer: Der erste Lehrer sind die anderen Kinder; der zweite ist die Lehrerin oder der Lehrer; und der dritte Lehrer ist der Schulraum," zitiert Ahnen eine schwedische Schulweisheit. Gerade bei Ganztagsschulen, in denen sich die Kinder einen großen Teil des Tages aufhalten, sei es besonders wichtig, dass sich die Schüler auf dem Schulgelände wohl fühlten und es als eine Art Zuhause begriffen. Ganztagsschulen sollen Orte des Lernens und Lebens sein, Orte, die das Wohlbefinden fördern und das Lernen unterstützen. "Deshalb wollen wir auch, dass die späteren Nutzerinnen und Nutzer - und das sind ja vor allem die Schülerinnen und Schüler - im Rahmen der Modellprojekte die Gelegenheit zur direkten Beteiligung erhalten, indem sie in so genannten Zukunftswerkstätten ihre Vorstellungen zu dem zukünftigen Bau äußern können", sagte Doris Ahnen.

Das sieht auch Finanzminister Gernot Mittler so, dessen Ressort federführend ist beim "Dialog Baukultur". "Die von Schülern, Eltern und Lehrkräften mit erarbeiteten Entwürfe für die Modellvorhaben werden exemplarisch sein - da bin ich mir sehr sicher", sagte Mittler, "exemplarisch in funktionaler, gestalterischer und wirtschaftlicher Hinsicht." Er bezog sich dabei auf die fünf Wettbewerbe für Schulneubauten und -umbauten, in denen Modellvorhaben unter Mitwirkung der Beteiligten erarbeitet werden sollen. Dabei unterstützt das Ministerium der Finanzen die Schulträger bei der Durchführung. Die Ergebnisse des Modellvorhabens sollen wegweisend sein für künftige Schulbauten im Land.

Die Architektenkammer Rheinland-Pfalz hatte das Thema Schulbau anlässlich eines Symposiums vor fast genau zwei Jahren angestoßen. Günther Franz, Präsident der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, forderte: "Erklärte Absicht ist es, - in Kenntnis der bedrückenden Ergebnisse von PISA, versteht sich - die wichtige gesellschaftliche Aufgabe Schulbau und deren bildungspolitische Bedeutung in einer globalisierten, auf unerbittlichen Wettbewerb eingestellten Gesellschaft in den Blickpunkt öffentlichen Interesses zu rücken. Erkenntnisse und Strategien zu entwickeln als Voraussetzung für eine Stärkung unserer regionalen Standorte, als Elemente einer wohlverstandenen Zukunftssicherung vor allem." Die heute gestartete Initiative schließt hier an: Die Wettbewerbe sollen zusammen mit der Begleitforschung eben diese Erkenntnisse und Strategien entwickeln.

Vorbereitung, Durchführung und Ergebnisumsetzung der Wettbewerbe werden untersucht und die mit Hilfe der in alternativen Planungsverfahren erzielten Ergebnisse dokumentiert. Besonderes Gewicht liegt dabei auf der Einbeziehung aller Beteiligten in Form von Zukunftswerkstätten, also auch der Eltern, Schüler und Pädagogen. Die Wüstenrot Stiftung, die sich in der Begleitforschung engagiert, arbeitet kontinuierlich im Themenfeld Schule/Kinder und Architektur. Die beiden Gestaltungswettbewerbe "Schulbau in Deutschland" und "Bauen für Kinder" sowie die aus den Wettbewerbsergebnissen erarbeiteten Ausstellungen zählen ebenso dazu wie das vor einigen Jahren von der Wüstenrot Stiftung unterstützte Schulbuch "Planen und Bauen, meine Schule".

Mit dieser Aufwertung der Baukultur bei Schulbauten sind vielfältige Chancen verbunden. Dies gilt für die Schüler/innen und Lehrer/innen der Schulen ebenso wie für die Schulbauträger, die beteiligten Architekten und das Land Rheinland-Pfalz. Die Veranstaltung stellt die wichtigsten Aspekte beim Ausbau von Ganztagsschulen ebenso vor wie die Inhalte und Ziele für besagte Wettbewerbe.


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