Schulgesetz tritt in Kraft - VBE: Gesetz mit Fallstricken

"Das Schulgesetz, das am 01.08. in NRW in Kraft tritt, ist ein Gesetz mit selbst gelegten Fallstricken", erklärt Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE NRW). "Es ist die Basis für eine Schulpolitik, die einen Schritt nach vorn und dann gleich wieder zwei zurückgehen will."

31.07.2006 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Der VBE begrüßt die im Gesetz formulierte Absicht der Landesregierung, verstärkt auf individuelle Förderung setzen und die Durchlässigkeit nach oben erhöhen zu wollen. Allerdings hätten auch die entsprechenden gesetzlichen Grundlagen geschaffen werden und damit den Absichtserklärungen auch die Voraussetzungen für die praktische Umsetzung folgen müssen.

"Dass das Gesetz beispielsweise von Hauptschullehrern verlangt, am Ende jedes Schuljahres zu überprüfen, welche Schülerinnen und Schüler zur Realschule oder zum Gymnasium wechseln könnten, ist grundsätzlich eine gute Sache", so Beckmann weiter. "Dumm ist nur, dass der Wechsel von der Hauptschule zum Gymnasium mit Beginn der Klasse 7 nicht mehr möglich ist. Hier weckt das Gesetz bei den Eltern Erwartungen, die die Schule dann nicht einhalten kann."

Auch den Paragraphen 10 des neuen Schulgesetzes hält der VBE für eine gute Sache. Dieser sieht vor, dass die Bildungsgänge so aufeinander abgestimmt werden müssen, dass auch der Wechsel in einen anspruchsvolleren Bildungsgang problemlos möglich sein muss.

"Leider sehen wir aber, dass genau das Gegenteil geschieht", so Beckmann weiter. "Das Gymnasium wird durch das 9+3-Modell völlig von den anderen Schulformen abgekoppelt. Noch nicht einmal in der Erprobungsstufe ist ein problemloser Wechsel von der Hauptschule zum Gymnasium noch möglich, weil im Gymnasium das Erlernen der zweiten Fremdsprache in Klasse 6 beginnt. Schüler, die nach der 6. Klasse von der Hauptschule zum Gymnasium wechseln, werden also dort die 6. Klasse wiederholen müssen. Das kann eigentlich nicht im Sinne der Landesregierung sein, deren erklärte Absicht doch die Verkürzung der Schulzeit ist."

Kürzlich haben sich der Ministerpräsident und die Schulministerin in einem persönlichen Brief an alle Lehrerinnen und Lehrer in NRW gewandt und sie um Unterstützung für "diese umfassende Schulreform" gebeten.

"Der VBE sieht in diesem Gesetz keine Basis für eine umfassende Schulform", so Beckmann abschließend. "Das ist aber nur der eine Punkt. Der zweite ist, dass es dem Wortlaut dieses Briefes folgend vor allem in der Hand der Lehrerinnen und Lehrer liegen soll, ob die Kinder in NRW mehr Chancen bekommen. Das ist mitnichten so. Es wäre die vornehmste Aufgabe des Gesetzgebers gewesen, erst einmal die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Lehrerinnen und Lehrer diese Aufgabe auch wirklich erfüllen können. Das ist mit diesem Gesetz aber nicht geschehen. Die Landesregierung verhält sich vielmehr wie eine Autofirma, die dem Autofahrer Vorhaltungen macht, wenn ein Auto aufgrund von Konstruktionsfehlern Probleme macht."


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