Sitzen bleiben oder sitzenbleiben?

(bikl) In der nächsten Woche ist es so weit: Die Reforn der Rechtschreibreform tritt in Kraft. Damit Lehrer und Schüler im neuen Schuljahr endlich auf Rechtschreibsicherheit setzen können, sind die beiden Nachschlagewerke in Sachen Rechtschreibung, Wahrig und Duden, rechtzeitig am Markt erschienen. Nun ist es aber zu erneuten Auseinandersetzungen um die Rechtschreibreform gekommen.

28.07.2006 Artikel

Der Vorsitzende des Rechtschreibrats, Hans Zehetmair, hat heute gegenüber der WELT erklärt, der Duden unterlaufe mit seinen Empfehlungen Beschlüsse des Rechtschreibrats. Als Beispiel führte er dabei die vom Duden empfohlene getrennte Schreibweise von "sitzen bleiben" an.

„Der Duden entspricht komplett dem Regelwerk“, erklärte dazu der Sprecher des Bibliographischen Instituts, Klaus Holoch, gegenüber bildungsklick.de, „auch bei dem von Zehetmair angeführten 'sitzen bleiben' “. Mit seinen Empfehlungen wolle der Duden einen Beitrag zur Vereinheitlichung der deutschen Sprache leisten, "damit wieder mit gleicher Rechtschreibung kommuniziert werden kann. Und das Feedback zeigt, dass die Leute darauf gewartet haben.“

Tatsächlich hat der neue Duden alle bisherigen Verkaufsrekorde gebrochen. Weil gleich am ersten Verkaufstag mehr als 10 000 Exemplare über den Ladentisch gingen, rutschte er am vergangenen Samstag sofort auf Platz 1 der Sachbuchliste.

Etliche Medien wollen künftig die Dudenempfehlungen nutzen. So hatte die Axel Springer AG bereits im Juni erklärt, dass alle Zeitungen, Zeitschriften und Online-Medien des Verlages den Schreibempfehlungen des Duden folgen werden, die dieser in der neuen 24. Auflage enthält. Ebenso hatte sich die Süddeutsche Zeitung geäußert. Das Magazin FOCUS wird bundesweit die neue Rechtschreibung als Spezialheft in Kooperation mit der Dudenredaktion am kommenden Montag veröffentlichen.

Übrigens: Der Streit um sitzenbleiben oder sitzen bleiben könnte rasch behoben werden, würden alle Kultusminister den Empfehlungen von Experten folgen und keinen Schüler mehr sitzen lassen.

Siehe auch Bildungs-Special 'Rechtschreibreform' bei bildungslick.de.

Hintergrundinformation


In § 34, Abs. 4 des amtlichen und vom Rat empfohlenen Regelwerks heißt es:
Verbindungen mit einem verbalen ersten Bestandteil
Verbindungen aus zwei Verben werden getrennt geschrieben, zum Beispiel:
laufen lernen, arbeiten kommen, baden gehen, lesen üben

Bei Verbindungen mit bleiben und lassen als zweitem Bestandteil ist bei übertragener Bedeutung auch Zusammenschreibung möglich. Dasselbe gilt für kennen lernen:
sitzen bleiben/sitzenbleiben (= nicht versetzt werden), stehen lassen/stehenlassen (= nicht länger beachten, sich abwenden), liegen bleiben/liegenbleiben (= unerledigt bleiben); kennen lernen/kennenlernen (= Erfahrung mit etw. oder jmdn. haben).“


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