Wer will, wer kann, wer hat noch nicht?
Für das in knapp drei Wochen beginnende neue Schuljahr will Berlin in letzter Minute noch 250 neue Lehrkräfte einstellen. Da diese i.d.R. Teilzeitverträge auf Zwei Drittel-Basis erhalten, werden dafür ca. 170 Stellen benötigt. Damit erhöht sich die Zahl der für Neueinstellungen vorgesehenen Stellen auf ca. 430, was insgesamt 640 neue Lehrerinnen und Lehrer bedeutet.
20.07.2005 Berlin Pressemeldung GEW BerlinDie Vorsitzende der GEW BERLIN, Rose-Marie Seggelke dazu: "Bildungssenator Böger hat unsere Warnungen vor einer völlig unzureichenden personellen Ausstattung zum neuen Schuljahr beharrlich ignoriert und versucht, das Problem durch Umsetzungen auszusitzen. Diese Rechnung geht nun nicht auf. Berlin muss erheblich mehr Neueinstellungen vornehmen. Offenbar hat Senator Böger kalte Füße bekommen und versucht, mit fieberhaftem Aktionismus eine Mindestausstattung der Unterrichtsversorgung zu gewährleisten.
Wir haben zusammen mit dem Landeselternausschuss immer wieder darauf hingewiesen, dass zum neuen Schuljahr mindestens 650 neue Lehrkräfte eingestellt werden müssen. Immerhin kommen Anfang August aufgrund der vorgezogenen Schulanfangsphase ca. 13.500 Schülerinnen und Schüler zusätzlich in die Grundschule."
Die bisherige Ignoranz des Senats hat allerdings gravierende Folgen. Viele Bewerberinnen und Bewerber stehen nicht mehr zur Verfügung, weil sie inzwischen Verträge in anderen Bundesländern unterschrieben haben, die mit voller Stelle, 12 % mehr Gehalt und Lebenszeitverbeamtung locken. In den Grundschulen, wo insgesamt noch einmal 125 neue Lehrkräfte eingestellt werden sollen, stehen in den Fächern Musik, Englisch und Mathematik nicht mehr ausreichend Bewerber/innen zur Verfügung. In Musik gibt es nur noch 11 Bewerber/innen für 28 Stellen, in Englisch sind es 30 für 40 Stellen und in Mathematik nur noch 15 für 26, die gesucht werden. Scharfe Kritik übt die GEW BERLIN an dem jetzigen Auswahlverfahren.
Rose-Marie Seggelke: "Die Auswahl erinnert eher an einen Basar, als an ein rechtsstaatliches Verfahren, bei dem Eignung, Leistung und Befähigung entscheidend sind. Viele Bewerberinnen und Bewerber konnten so kurzfristig gar nicht eingeladen werden. Erstens ist bekanntlich Urlaubszeit und zweitens hatte ihnen der Senat auch keine Hoffnung mehr auf eine Einstellung gemacht. Wir gehen davon aus, dass es deshalb zu Klagen von Bewerberinnen und Bewerbern kommt. Außerdem sind viele Schulleiter/innen nicht beteiligt worden. Noch vor wenigen Wochen hat Senator Böger vor dem Bundesverwaltungsgericht erklärt, dass sie die alleinige Einstellungskompetenz haben. Jetzt werden sie einfach übergangen. Berlin muss endlich eine realistische Lehrerbedarfsplanung nach den Bedürfnissen der Berliner Schule und nicht nach Kassenlage vornehmen. Nur so können rechtzeitig die notwendigen Einstellungen erfolgen."
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