"12 Millionen Schüler sind keine vernachlässigbare Größe"

(bikl / spiegel-online) "Wir brauchen den Rat. Er ist vernünftig konstruiert." So äußerte sich Doris Ahnen, Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), jetzt in einem Gespräch mit dem "Spiegel". Es gehe dabei um die Weiterentwicklung der Rechtschreibung auch in Zukunft. Ahnen, die als Kultusministerin von Rheinland-Pfalz der KMK noch bis Januar 2005 präsidiert, [sprach mit dem "Spiegel"](http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,328822,00.html) über den Widerstand in der Bevölkerung gegen die reformierte Rechtschreibung, über die Fehler des Regelwerks und die Hoffnung, den orthografischen Frieden wiederherzustellen.

24.11.2004 Artikel

Bei der Rechtschreibung handele es sich immer um Entwicklungsprozesse, deren Ausgang ein Stück offen sei, so die Ministerin weiter. Deswegen habe es ja Übergangsfristen gegeben und einen kontinuierlichen Prozess der Umstellung in den Schulen. Man habe darum geworben und darauf gehofft, dass sich möglichst viele Privatpersonen anschließen würden, weil das insbesondere mit Blick auf Eltern und Kinder wünschenswert sei. Die Umsetzung der Reform sei in den Schulen weitestgehend unproblematisch gelaufen und die Schulen wollten auch nicht zurück zum alten Regelwerk. Deshalb könne man auch nicht so tun, als wären zwölf Millionen Schüler seit 1998 eine vernachlässigbare Größe.

Einen Verlust von sprachlicher Differenzierungsvielfalt durch die Reform sieht Ahnen nicht: "Es gibt Schriftsteller, die sich vor der Reform das Recht genommen haben, nach eigenen Regeln zu schreiben, und das tun sie nach der Reform auch. Das kritisiert niemand von uns." Und weiter: "Dass Schriftsteller ein ganz besonderes Verhältnis zu Sprache haben, fasziniert uns doch alle. Diese Perfektion im Umgang mit der Sprache werden aber die allermeisten von uns nicht erreichen." Deshalb sei es darauf angekommen, die vielen Einzelregelungen so zu vereinfachen, dass mehr Menschen in die Lage versetzt würden, diese sicher zu handhaben. Ihnen zu helfen, ohne der Schriftsprache Substanz zu nehmen, sei das Ziel gewesen.

Diese Reform habe viele Veränderungen in der Schreibentwicklung aufgenommen. Das sei auch das einzig vernünftige Verfahren für die Zukunft. Der neue "Rat für deutsche Rechtschreibung": habe zu beobachten, wie sich die Schriftsprache entwickle, daraus Konsequenzen zu ziehen und Veränderungen ins Regelwerk einzuarbeiten. Was bisher mit der Reform geleistet worden sei, sei eine einmalige systematische Veränderung gewesen, die nach einer jahrzehntelangen Diskussion zu einem Ergebnis geführt habe. "Und jetzt ist der Rat am Zuge", sagte Ahnen.

Das vollständige Interview:

www.spiegel.de/

Beschluss der KMK zum "Rat für deutsche Sprache":

bildungsklick.de/


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