"Als Chef würden Sie verzweifeln"
(bikl/ots) "Es gibt in Deutschland wunderbare Kindergärten. Aber wir leisten uns eine unglaubliche Bandbreite, mit hervorragenden aber auch mit vielen mittelmäßigen Einrichtungen. Stellen Sie sich vor, Sie hätten ein Unternehmen mit Filialen, und diese Filialen wären wie unsere Kindergärten. Als Chef würden Sie verzweifeln." Im Interview mit DER ZEIT vom 27.10.2005 erklärt der Deutschland-Chef der Unternehmensberatung McKinsey, Jürgen Kluge, wie er die deutschen Kindergärten umkrempeln würde.
26.10.2005 ArtikelAm Anfang steht das Geld: Deswegen fordert Kluge von der neuen Bundesregierung 6,5 Milliarden Euro pro Jahr zusätzlich für den Ausbau der deutschen Kindergärten und schlägt vor, im Gegenzug das Kindergeld zu kürzen. "Alle Analysen zeigen, dass eine Erhöhung des Kindergeldes keinen Einfluss auf die Kinderzahl hat", sagt der Manager. "Ich bin sicher, dass es besser ist, das Geld in die Infrastruktur zu stecken, statt es den Eltern in die Hand zu geben." Vor allem Familien, denen es sozial nicht so gut gehe, legten einen Teil des Geldes im Konsum an, statt damit ihre Kinder zu fördern.
Agentur für Qualitätsstandards
McKinsey will in dieser Woche in Berlin ein durchgerechnetes Konzept vorlegen, wie die Frühförderung in Deutschland aufgewertet werden könnte. Kernbestandteile des Konzepts sind neben einer Akademisierung der Ausbildung eine Ausweitung des Angebots vor allem im Westen und in sozialen Brennpunkten. Eine zentrale, vom Bund finanzierte Agentur soll Qualitätsstandards setzen.
Kita-TÜV
"Wir brauchen den Kita-TÜV. Man muss verlässliche Fakten zur Verfügung stellen und die Ideologie allmählich aus der Diskussion herausholen", so Jürgen Kluge gegenüber der ZEIT. "Pisa hat bewiesen: Sobald Sie etwas messen, wird es besser. Man muss verlässliche Fakten zur Verfügung stellen und die Ideologie allmählich aus der Diskussion herausholen."
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