Revison des KiBiz

Die Diskussion um eine Kindergartenpflicht verschiebt das eigentliche Problem

06.11.2010 Artikel

Mit der im Leitantrag der CDU-NRW enthaltenen Forderung nach einem "Lernjahr" vor dem Besuch der Grundschule dürfte die Diskussion um die Realisierung der Kindergartenpflicht wieder aktueller zu werden.

Grundlage für die Diskussion können nicht nur die Ergebnisse der Modellmaßnahme aus den Jahren 1970-75 sein, die u.a. der Frage nachgegangen ist, wo der passende Förderort von Kindern ist und welche Bedingungen für eine bessere Förderung auch für benachteiligte Kinder gelten sollten. Damals ist als Konsequenz einerseits eine Verbesserung der Qualität des Angebotes als notwendig und andererseits der Abbau von Zugangshindernissen durch die Abschaffung des Elternbeitrages als erforderlich worden. Konkret hat die Landtagsmehrheit beschlossen, die Elternbeiträge zum 1.1.1982 abzuschaffen. Aus finanziellen Erwägungen wurde dieser Beschluss am 13.12.1981 wieder gekippt.

Eine aktuelle Forschungsarbeit bestätigt in der Tendenz die damaligen Ergebnisse. Katrin Hüsken, Katharina Seitz, Petra Tautorat, Michael Walter und Karin Wolf haben als Beteiligte des Forschungsverbundes der TU Dortmund und des DJI im Abschlussbericht des Forschungsprojektes

"Kinderbetreuung in der Familie"

damit befasst, aus welchen Gründen Eltern sich dafür entscheiden, ihr Kind in der Familie zu betreuen und es nicht in eine Kindertageseinrichtung zu geben. Das Projekt wurde durch das Bundesfamilienministerium und das Jugendministerium NRW gefördert.

Darin wurde auch auf die Frage einer Kindergartenpflicht eingegangen.

In einem weiteren Beitrag stellen die Autorinnen und der Autor abschließend fest:

"Im Lichte unserer Ergebnisse erscheint die Diskussion um das Thema Kindergartenpflicht, die sich öffentlichkeitswirksam auf die Erreichbarkeit von Familien, deren Kinder besondere Förderbedarfe zu haben scheinen, konzentriert, zu vereinfachend und der Komplexität des Themas nicht ausreichend angemessen. Die bei einer Einführung einer Kindergartenpflicht ohnehin notwendigen Investitionen in die Betreuung alleine versprechen auch ohne Zwang eine deutliche Erhöhung der Betreuungsquote."

In Anmerkungen wird ausführlicher auf Ergebnisse der Forschungsarbeit eingegangen.

Der Abschlussbericht des Projektes steht hier zur Verfügung: www.dji.de/bibs/KiBeFa_Abschlussbericht.pdf


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