Kitapersonal

DKLK-Studie 2024: Personalnot wächst – zu Lasten der Kinder

Am 27. und 28. November 2024 fand der Deutsche Kitaleitungskongress (DKLK) in München statt. Expertinnen und Experten aus Praxis, Politik und Wissenschaft kamen zusammen, um über die Zukunft der Kitas in Bayern zu diskutieren. Im Vorfeld der Veranstaltung wurden die Kitaleitungen zur aktuellen Situation an den bayerischen Kitas befragt.

28.11.2024 Bayern Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.
  • Kinder verschiedenen Alters und eine Erzieherin beschäftigen sich mit Musikinstrumenten. © Adobe Stock

Zur Veranstaltung in München lagen jetzt auch die Länderzahlen für Bayern vor. Die DKLK-Studie 2024 zeigt vor allem: Der Personalmangel hat sich weiter verschärft. Hochwertige sprachliche Bildung bleibt eines der Top-Themen und war der Schwerpunkt der diesjährigen Studie.

Insgesamt 3.055 Kitaleitungen aus Deutschland wurden im Rahmen der DKLK-Studie 2024 befragt, davon kamen 865 aus Bayern. Der Mangel an pädagogischem Fachpersonal dominiert weiterhin den beruflichen Alltag der Kitaleitungen. Rund 83 Prozent der Befragten aus Bayern geben an, dass sich der Personalmangel in den letzten zwölf Monaten weiter verschärft hat. Rund 71 Prozent gaben an, dass wegen der dramatischen Situation heute Personal eingestellt wird, das noch vor einigen Jahren mangels Qualifikation nicht eingestellt worden wäre. Die Ergebnisse der Länderauswertung zeigen die Dramatik der aktuellen Situation in Bayern.

BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann: „Schon bisher war der Personalmangel dramatisch und jetzt nimmt er weiter zu. Top-qualifiziertes pädagogisches Personal arbeitet bis zur Belastungsgrenze und darüber hinaus – und kann den Kindern trotzdem nicht gerecht werden. Die Politik muss jetzt dringend handeln, denn die Defizite werden wir noch Jahre mit uns herumschleppen. Vor allem die dringend nötige individuelle Förderung sprachlicher Kompetenzen kann später kaum noch nachgeholt werden. Dem Großteil der befragten Pädagoginnen und Pädagogen ist das Thema besonders wichtig. Sie wollen das den Kindern geben. Wie das gelingen soll, ist aber zunehmend ein Rätsel.“

Personalmangel zu Lasten der Förderung

Die Auswirkungen des Personalmangels in den bayerischen Kitas bekommt das pädagogische Fachpersonal tagtäglich zu spüren. Die Personalunterdeckung führt zu mehr Fehlzeiten sowie Krankmeldungen und verstärkt die Unzufriedenheit mit der pädagogischen Arbeit seitens der Mitarbeitenden.

Tomi Neckov, 2. Vizepräsident des BLLV und stellvertretender Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), der in München die Ergebnisse der Studie vorstellte: „Wir fordern, dass sich die Politik stärker dafür verantwortlich fühlt, den Bereich der frühkindlichen Bildung so auszustatten, dass eine erfolgreiche Bildungsbasis gelegt werden kann. Dazu gehört neben Personalgewinnungskampagnen, der angemessenen Bezahlung der Fachkräfte und einem attraktiven Arbeitsumfeld vor allem der Einsatz multiprofessioneller Teams. Dass 41 Prozent der Befragten in Bayern angeben, dass sie keine einzige pädagogische Fachkraft haben, die speziell für den Bereich der sprachlichen Bildung qualifiziert ist, ist untragbar.“

Zeitmangel (51,4 Prozent) und Personalmangel (31,4 Prozent) wurden von den Befragten in Bayern entsprechend als größte Herausforderungen im Hinblick auf das Thema „Sprachliche Bildung“ genannt.

Mangel an Personal heißt Mangel an Bildungschancen

Die Ergebnisse zeigen eindeutig: Es fehlt an Personal und an Zeit, um den Kindern die Bildungschancen zu ermöglichen, die ihnen zustehen. Das Messen von Kompetenzen und Defiziten, beispielsweise durch Sprachstandserhebungen, hilft dabei wenig, wenn es an Möglichkeiten der Förderung fehlt. „Kitas in Bayern nehmen das Thema sprachliche Bildung sehr ernst - doch leider nimmt die Politik Kitas nicht als Bildungs-, sondern weiterhin nur als Betreuungseinrichtungen wahr; wie zuletzt bei der Diskussion zum Gesetzesentwurf und nun dem unmittelbar bevorstehenden Gesetz zur Einführung und Durchsetzung verbindlicher Sprachstandserhebungen und Sprachfördermaßnahmen vor der Einschulung sichtbar wurde. Zusätzliche Maßnahmen sind nicht sinnvoll, denn qualitativ hochwertige sprachliche Bildung findet in Kitas permanent und alltagsintegriert statt. Dass diese geleistet werden kann, ist von der Politik zu gewährleisten und dazu ist im pädagogischen Alltag eine angemessene Fachkraft-Kind-Relation wichtiger denn je. Denn sprachliche Bildung funktioniert nicht ohne Beziehung!“, so Sarah Heße, Leiterin der Fachgruppe Sozial- und Erziehungsdienste im BLLV.

Dem stimmen auch die Befragten der Studie zu: 65,9 Prozent geben an, dass sie eine bessere Fachkraft-Kind-Relation benötigen, um hochwertige sprachliche Bildung im erforderlichen Umfang leisten zu können. Denn: Rund 91 Prozent der Befragten in Bayern geben an, dass die Fachkraft-Kind-Relation für Kinder unter drei Jahren in ihrer Einrichtung schlechter ist, als wissenschaftlich empfohlen.

Alle Ergebnisse für Bayern finden Sie auf der Website des BLLV.

Der Deutsche Kitaleitungskongress DKLK ist eine gemeinsame Veranstaltung von FLEET Education Events, dem VBE Bundesverband und den vier VBE Landesverbänden – Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV), VBE Baden-Württemberg, VBE Nordrhein-Westfalen und VBE Hessen.

Die DKLK-Studie 2024 wurde von FLEET EDUCATION Events in Kooperation mit dem VBE Bundesverband sowie den vier VBE Landesverbänden, dem Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV), dem VBE Baden-Württemberg, dem VBE Hessen sowie dem VBE Nordrhein-Westfalen, unter wissenschaftlicher Leitung von Dr. Andy Schieler von der Hochschule Koblenz durchgeführt. An der Umfrage haben 3.055 Kitaleitungen teilgenommen.

Weitere Informationen und das Kongress-Programm finden Sie online. Die DKLK-Studie 2024 und weitere Materialien finden Sie ebenfalls online zum Download.


Mehr zum Thema


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden