Globaler Bildungskonsum wider die digitale Spaltung

(bikl) Im Zeitalter der Digitalisierungen wird die Problemliste der Entwicklungsländer um die zügig voranschreitende digitale Spaltung verlängert: Die Industriestaaten organisieren immer mehr Bereiche des täglichen Lebens mittels digitaler Strukturen und die armen Länder dürfen zuschauen. Die Schlüsselwörter, um den Teufelskreis zu durchbrechen, heißen Wissen und Bildung, darüber wird auf den Wirtschaftsforen jedweder Couleur längst nicht mehr gestritten.

31.01.2005 Artikel

Aber wer eine solche globale Aufholjagd mit welchen Mitteln bezahlen könnte, darüber wurde bisher wenig Praktikables verlautet. Bekanntlich sind Investoren in der Regel immer dann schnell bei der Hand, wenn der Absatz von Produkten in attraktiver Stückzahl zu profitablen Bedingungen in Aussicht steht. Deshalb hat der Chipkonzern AMD jetzt die Massenproduktion eines Billig-Laptops zum Stückpreis von 100 $ angepeilt. Ein solch wundersamer Preis kommt vor allem durch Verzicht auf den anspruchsvollen Flachbildschirm mit Flüssigkristalltechnologie zustande.

Massenweise Laptops für Entwicklungsländer

Dass ein derart abgespeckter Rechner gleichwohl als idealer PC zum Lernen taugen kann, will der Gründer und Chef des renommierten Media Lab an der US-Eliteuniversität MIT, Nicholas Negroponte, beweisen: mit einem solchen Billig-Laptop, den er jetzt in Davos der Financial Times Deutschland vorstellte, will er die Schulbildung in den Entwicklungsländern revolutionieren. Er hat speziell für diesen Bedarf eine spiegelähnliche Projektionsfläche entwicklen lassen, die den Anforderungen an einen Bildschirm für diesen Anwendungsbereich voll und ganz genügen soll. Klar auch, dass Negroponte diesen Rechner mit dem kostenlosen Betriebssystem Linux antreiben lässt. Und schließlich soll die Leistung des AMD-Chips dem tatsächlichen Bedarf angepasst werden. Dazu Nekroponte: "Die Laptops haben heute zu viel Fett angesetzt. Viele der Anwendungen brauchen wir gar nicht."

Auf eines allerdings wird auch bei Nekropontes Schmalspur-Laptop nicht verzichtet: seine Vernetzungs- und Internettauglichkeit. Denn via World Wide Web können sich die Schüler die jeweilige Lernsoftware auf die Rechner laden und zusammengeschlossen können die Geräte kleine, aber feine Lernverbünde bilden.

Dieser PC, so Negropontes Vision, könne als Standardlernmittel für Schüler in Entwicklungsländern eingesetzt werden. Und Interesse an den Geräten hat er schon ausmachen können, etwa in China, Kombodscha und Kolumbien: bisher an 50 bis 100 Millionen Stück.


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