Gut gemeint ist noch nicht gut

"Die vom VBE geäußerte Kritik an dem Verfahren zur Sprachstandsfeststellung bei Vierjährigen hat sich bestätigt", erklärt Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE NRW) anlässlich der Veröffentlichung der Ergebnisse des ersten Durchlaufs. "Vieles an diesem Verfahren war nicht zu Ende gedacht."

23.04.2007 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Beispielsweise besteht jetzt das Problem, dass die Schulämter die erhobenen Daten zum Sprachstand der Kinder aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht ohne weiteres an die Kindertagesstätten weitergeben dürfen. Es muss stattdessen ein Zwischenschritt gewählt werden. Die Eltern erhalten einen Ergebnisbogen in zweifacher Ausführung und müssen einen an die Kindertageseinrichtung weiterleiten. Dieser Ergebnisbogen enthält aber keine differenzierten Förderempfehlungen. Die Kindertagesstätten bekommen auf diesem Weg nicht alle Informationen, die sie brauchen, um gezielt zu fördern.

"Die Landesregierung hat sich dieses Problem selbst eingebrockt, indem sie die Überwachung des Verfahrens in die Hand der Schulämter gelegt hat", so Beckmann weiter. "Sie hätte stattdessen alles daran setzen müssen, Tests und Förderung in die Hand der Kindertagesstätten zu legen und die Träger mit ins Boot zu holen."

Die Zahl der Kinder, die in die zweite Testrunde geht, ist erheblich höher als vom Ministerium ursprünglich angenommen. Das kann nach Ansicht des VBE auch mit dem Ablauf der ersten Testrunde zu tun haben.

"Dass vierjährige Kinder in Testsituationen blockieren, ist bekannt", so Beckmann weiter. "Allerdings muss man sich dann nach der tatsächlichen Aussagekraft des Tests fragen."

Das Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration ist jetzt aufgefordert, den Elementarbereich auch so auszustatten, dass er die nötige Förderung der Kinder qualitativ gut leisten kann, und dafür Sorge zu tragen, dass die festgestellten Defizite auch behoben werden.

"Mit den Kürzungen der letzten Zeit wird das allerdings nicht zu bewerkstelligen sein", so Beckmann abschließend. "Stattdessen sind eine gute personelle Ausstattung und weitere Qualifizierungsmaßnahmen gefragt."


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