HafenCity-Schule: Senat beschließt wegweisendes Bildungs-Projekt mit Kita, Hort und Grundschule für rund 17 Millionen Euro

Auf Vorschlag von Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig hat der Senat beschlossen, zur Versorgung der in der HafenCity lebenden und arbeitenden Menschen eine dreizügige Grundschule und eine Kindertagesstätte mit den Betreuungsformen Krippe, Elementar- und Hortbetreuung zu errichten.

30.05.2007 Hamburg Pressemeldung Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB)

Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig: "Der Bau einer Grundschule und Kita in der HafenCity erhöht die Attraktivität des Standorts für Familien mit Kindern und ist ein Beitrag zur zukunftsweisenden Infrastruktur dieses neuen Hamburger Stadtteils. Das Projekt ist als modernes Bildungshaus der Zukunft geplant und architektonisch wie konzeptionell ein Markstein in der Entwicklung des Schulbaus in Hamburg."

Das städtebauliche Konzept erfordert auf dem gewählten Grundstück eine Ergänzung der Bildungseinrichtungen in Form von 30 Wohnungen. Das insgesamt rund 17,4 Millionen Euro teure Projekt wird nach einem europaweiten Vergabeverfahren durch den privaten Investor Otto Wulff Bauunternehmung GmbH & Co. KG nach Plänen der Architekten Spengler und Wiescholek auf einem im Eigentum der Stadt verbleibenden Grundstück im Rahmen einer Öffentlich Privaten Partnerschaft (ÖPP) realisiert werden. Die Schule bei der Katharinenkirche soll nach Fertigstellung in die neue HafenCity-Schule ziehen.

1. Das Konzept Erziehungs- und Betreuungspartnerschaft zwischen Schule und Kindertagesstätte

Die Kita-Träger Hamburgs haben sich in einem Wettbewerb für den Betrieb der Kita in der HafenCity-Schule beworben. Gegenstand des Verfahrens war das pädagogische Konzept und der Umfang des Betreuungsangebotes an diesem besonderen Standort. Im Ergebnis hat sich das Konzept des Diakonischen Werkes durchgesetzt, das eine enge Kooperation sowohl in Fragen der Bildungsarbeit in Kita und Schule als auch der Abstimmung von Betreuungszeiten sicherstellt. Die Eltern können sicher sein, dass ihr Kind in einem vereinbarten Zeitrahmen (auch in den Schulferien, unabhängig von der zwischen den Wochentagen unterschiedlich langen Unterrichtszeit an der Ganztagsschule) hochwertig betreut ist. Dies wird ergänzt durch besondere Angebote wie Bring- und Holdienste oder ein "Kinderhotel" für den Fall einer überraschenden Ortsabwesenheit oder Erkrankung der Sorgeberechtigten. Öffentliche Mittel für den Betrieb der Kita fließen dabei ausschließlich im Rahmen des Kita-Gutscheinsystems, das Risiko der Vermietung der Kita trägt der Investor, das Risiko der Auslastung der Kita der Träger der Kita.

2. Bedarf

In der HafenCity sollen mit dem nächsten Bauabschnitten ca. 1.100 Wohnungen erstellt werden. Dies macht eine deutlich verbesserte wohnortnahe grundschulische Versorgung und ein attraktives Angebot von Krippen-, Elementar- und Hortplätzen der Kindertagesbetreuung erforderlich. Die Erfahrungen der Schule bei der Katharinenkirche zeigen, dass ein Teil der Elternschaft eine Grundschule in der Nähe des Arbeitsortes wählt, insbesondere, wenn diese Schule mit einer Kita kooperiert, weil so der Arbeitsalltag der Eltern besser organisiert werden kann. Diesen Trend hat auch eine Untersuchung der HafenCity Universität zu den regionalen Einzugsgebieten der Kindertagesstätten in der Hamburger Innenstadt bestätigt.

3. Standortwahl

Als Standort der neuen Schule wurde ein Grundstück zwischen dem zukünftigen Sandtorpark und dem Dalmankai gewählt. Dieses Grundstück bietet folgende Vorteile:

  • Es befindet sich in zentraler Lage der HafenCity;
  • Grundschule und Kita sind für viele Kinder zu Fuß über den Park erreichbar, ohne dass Straßenverkehr zu kreuzen ist;
  • der Park kann ergänzend zu den vollständig auf dem Schulgrundstück realisierten Teilflächen für schulische Aktivitäten genutzt werden;
  • die Klassenräume sind zum Park hin orientiert, das Grundstück hat lediglich eine Front zum Straßenverkehr.

4. Investorenauswahlverfahren

Die durch den Fuß- und Radweg am Rande des Parks und die Straße Dalmannkai gesetzte Grundstückstiefe und die städtebaulich geforderte Kubatur (Mindesthöhe des Gebäudes zur Sicherung einer einheitlichen Fassadenabwicklung mit der Nachbarbebauung) verlangen ein Gebäude, das insgesamt eine deutlich höhere Baumasse aufweist, als für eine dreizügige Grundschule erforderlich ist.

Aufgrund der besonderen Rahmenbedingungen wurde in einem europaweit ausgelobten Investorenauswahlverfahren nach einem bonitätsstarken und leistungsfähigen Investor bzw. ein Investoren-Konsortium gesucht, der bzw. das bereit und in der Lage ist, das betroffene Baufeld zu entwickeln, mit einer gemischt genutzten Immobilie in hochwertiger Architekturqualität zu bebauen und auf eigenes Risiko 25 Jahre zu bewirtschaften.

Bei der Vergabeentscheidung sollten die Kriterien schulische Funktionalität und Wirtschaftlichkeit und architektonische und städtebauliche Qualitäten gleichwertig herangezogen werden. Die eingegangenen Bewerbungsunterlagen wurden von den zuständigen Behörden mit Unterstützung durch ein Beratungsunternehmen geprüft. Darüber hinaus wurde zur Beurteilung der städtebaulichen und architektonischen Qualität eine Jury, der neben Vertretern der zuständigen Behörden, der HafenCity Hamburg GmbH auch Mitglieder der Deputation der Behörde für Bildung und Sport und der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte angehörten, beteiligt. Die Aufbereitung vergleichbarer wirtschaftlicher Daten erfolgte im Nachgang zur Jurysitzung. Für die endgültige Vergabeentscheidung zugunsten der mittelständischen in Hamburg ansässigen Firmengruppe Otto Wulff war entsprechend der gesetzlichen Vorgaben die Gesamtwirtschaftlichkeit (Gesamtschau qualitativer und fiskalischer Effekte) ausschlaggebend. Ein entsprechender Vertrag mit einem Vorbehalt der Zustimmung der Bürgerschaft wurde zwischenzeitlich abgeschlossen.

5. Bauliche Realisierung

Der 5 – geschossige Baukörper der 3-zügigen Grundschule orientiert sich nach Norden hin zum Sandtorpark. Im Erdgeschoß befinden sich eine 2-geschossige Pausenmehrzweckhalle sowie die Cafeteria und die dazu gehörende Küche, die durch den Kitaträger für Schüler und Kita Kinder bewirtschaftet werden soll. Des Weiteren sind zwei Unterrichtsräume im Erdgeschoss untergebracht. Über die beiden Treppenhäuser und den Fahrstuhl werden in den Obergeschossen die weiteren Unterrichtsräume und Lernzonen sowie die Lehrerzimmer und die Turnhalle erschlossen, welche sich über das 3. und 4. Obergeschoß erstreckt. Die natürliche Belichtung und Belüftung der innenliegenden Räume der Schule wird über einen offenen, zentralen Lichthof gewährleistet.

Auf dem Dach des Schulgebäudes befindet sich der Pausenhof. Dieser ist als offener Hof mit einer berankten Umwehrung geplant und verfügt über ein Schutzdach, das eine Nutzung auch bei Regen erlaubt. Die Schule verfügt über weitere ebenerdige Freiflächen von 835 qm, die z.T. ebenfalls vor Niederschlag geschützt sind. Die Kita verfügt über eigene Freiflächen von 310 qm. In den Warmwasserkreislauf der Wohnungen, der Kita und der Schulküche wird Solarenergie aus Kollektoren auf dem Dach des Wohnteils eingespeist, für das Brauchwasser der Schule wird Regenwasser mit genutzt.

Die Kindertagesstätte befindet sich im EG und 1.OG des Südteils. Die Bereiche werden über eine offene Treppe miteinander verbunden. Die gefundene Gebäudestruktur bietet mit einer im Gebäude integrierten Kindertagesstätte und einer vergrößerten Cafeteria, der Nutzung der Schulturnhalle, der Anordnung der ebenerdigen Pausenhalle und weiterer Gemeinschaftsräume mit direkter Zugänglichkeit vom Sandtorpark die Chance, zusätzliche Synergieeffekte durch die Nutzung der Räume für außerschulische Aktivitäten nach Unterrichtsschluss zu erreichen und eine organisatorische Grundlage für kommunale Aktivitäten in der HafenCity zu schaffen. Im Zuge der aktiven Klimaschutzpolitik der Stadt soll das Gebäude über die bestehenden baufachlichen Anforderungen hinaus an den "KfW 60 Standard" angepasst werden.

6. Verantwortungs- und Finanzierungsmodell ÖPP

Bei der vorgesehenen Kombination einer Grundschule mit einer Zweitnutzung handelt es sich um ein Projekt im Hamburger Schulbau, das im Rahmen einer Öffentlich Privaten Partnerschaft (ÖPP) mit Lebenszyklusansatz realisiert werden soll. Das Modell ist unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Bürgerschaft mit folgenden Kernpunkten vertraglich vereinbart worden:

  • Der Investor verpflichtet sich, auf dem Grundstück den vereinbarten Gebäudekomplex zu errichten (Schule sowie Zweitnutzung) und über 25 Jahre ab Fertigstellung werterhaltend instand zu halten sowie nach festen Maßgaben zu bewirtschaften.
  • Der Stadt verbleibt das Eigentum an dem gesamten Grundstück, sie nutzt zudem den schulischen Teil des Gebäudes.
  • Der Investor ist für 25 Jahre Hausherr der Zweitnutzung, ihm stehen die Erträge aus der Zweitnutzung zu, er trägt das entsprechende Risiko und die Kosten für die laufende Bauunterhaltung und Bewirtschaftung dieses Gebäudeteiles.

7. Kosten und Finanzierung

Für das aus städtebaulichen Gründen und zur dauerhaften Sicherung der Nutzung als Schule nur als ein Bauvorhaben zu realisierende Gebäude betragen die Errichtungskosten (ohne Grundstückskosten) rd. 17,4 Mio. Euro. Davon entfallen auf den Bau einer Grundschule rund 12,9 Mio. Euro, auf die Zweitnutzung rund 4,5 Mio. Euro.

Mit der heute durch den Senat beschlossenen Drucksache wird die Bürgerschaft um Zustimmung zu der erforderlichen langjährigen vertraglichen Bindung und den sich daraus ergebenden finanziellen Auswirkungen gebeten. Der Baubeginn wäre im dritten Quartal 2007 möglich, eine Fertigstellung dann Ende 2008.


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