Kinderärzte empfehlen Kita-Pflichtjahr

(bikl.de) Kinder- und Jugendärzte haben sich jetzt dafür ausgesprochen, das letzte Jahr vor der Einschulung zum Pflichtjahr zu machen. Dazu müssten allerdings die Qualität der Betreuungseinrichtungen stimmen und die Kinder optimal gefördert werden.

14.11.2007 Artikel
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Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. erklärte heute außerdem, dass er die Forderung der Bundesfamilienministerin nach einem Ausbau des Angebots an qualifizierten Betreuungsplätzen auch für Kinder vor vollendetem 3. Lebensjahr nachdrücklich unterstütze. "Als Kinder- und Jugendärzte sind wir nicht der Meinung, dass eine frühe Betreuung von Kleinkindern außerhalb des familiären Umfeldes unweigerlich zu seelischen Schäden und frühen Bindungsstörungen bei Kleinkindern führt, verkennen dabei aber nicht den hohen Stellenwert einer stabilen Bindung an Mutter und Vater für ein Kind", heißt es in der Erklärung des Verbands.

Personell und räumlich gut ausgestattete Kitas seien aber eine große, teilweise sogar die einzige Chance für junge Kinder, vorschulisch eine optimale Entwicklungsförderung zu erhalten. "Wir sehen in unseren Praxen täglich Kinder, denen in der Familie keine adäquate Förderung zuteil wird, die vernachlässigt und misshandelt werden. Konservative Politikerinnen und Politiker müssen endlich erkennen, dass ihr Bild von der heilen Familienwelt für ca. 25 % aller Kinder in Deutschland nicht mehr zutrifft. Jedes 6. Kind lebt in Armut und ist dadurch in seinen Lebenschancen massiv benachteiligt. Diese Kinder brauchen die Hilfe des Staates, wie es auch in der UN-Kinderrechtskonvention von 1990, von Deutschland 1992 ratifiziert, vereinbart wurde", so die Ärzte.

Diese benachteiligten Kinder benötigten adäquate frühe Betreuung in Kitas ganz besonders, damit ihnen zu einem guten Start ins Leben verholfen werden könne. Aber auch für Kinder aus geordneten und sicheren Verhältnissen könne eine Kita gut sein, wenn sie ihre kognitiven und kreativen Fähigkeiten fördere und – für Einzelkinder besonders wichtig – soziale Kompetenzen schule.

Weiter heißt es in der Erklärung: "Dass durch den frühen Kita-Start die Eltern-Kind-Beziehung dauerhaft leidet, halten wir für wissenschaftlich nicht belegt. In der Eltern-Kind-Interaktion kommt es nicht in erster Linie auf die Quantität der Beziehung sondern auf die Qualität an. Zwei Stunden mit einer ausgeglichenen Mutter oder Vater sind für ein Kind wertvoller als 12 Stunden mit einem unausgeglichenen frustrierten Elternteil. Genau dies erleben wir aber häufig an unseren Patienteneltern: Durch die schlechte Betreuungssituation in Deutschland stehen sie ständig unter Druck, sie haben keine Planungssicherheit für ihren Alltag und geben manchmal auch entnervt von den großen Schwierigkeiten ihren Beruf auf und bleiben resigniert zu Hause. Darunter leidet auch das Familienleben."

Die Kinderärzte fordern eine gute Qualifizierung der Erzieherinnen und eine sehr gute Relation von Erziehern und Kindern in den Einrichtungen. Ideal wäre nach Meinung der Ärzte die Relation 1:3.

Mütter, die bewusst ihre Kinder zu Hause betreuen und fördern, sollten einen eigenen Rentenanspruch erwerben und steuerlich so entlastet werden, dass die Entscheidung für ein Kind nicht mit einem Armutsrisiko behaftet ist. Die Zahlung eines Erziehungsgeldes besonders bei sozialen Randgruppen stellt der Berufsverband allerdings infrage. "Uns erscheinen kostenlose gesunde Mahlzeiten in allen Betreuungseinrichtungen und freier Zugang zu Bildungseinrichtungen, Sport- und Musikangeboten mehr im Sinne des Kindeswohls zu sein als eine ständige Erhöhung finanzieller Zuwendungen an die Familien", heißt es in der Erklärung der Kinder- und Jugendärzte.


Weiterführende Links

  • Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte

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