Kinderschutz-ABC startet

29.03.2007 Brandenburg Pressemeldung Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg

"Kinder besser schützen! Eltern helfen!" – Unter diesem Motto startet die Fachstelle Kinderschutz im Land Brandenburg eine 26-teilige Ratgeberserie. Im Kinderschutz-ABC informieren Fachleute von A bis Z über den Umgang mit Gewalt gegen Kinder. "Mit der Serie wollen wir auf nachhaltige Weise gegen das Wegschauen mobilisieren und auf Beratungs- und Betreuungsmöglichkeiten aufmerksam machen", sagt Hans Leitner, Leiter der Fachstelle. Die Serie startet heute auf der Webseite der Fachstelle www.fachstelle-kinderschutz.de und wird danach im wöchentlichen Rhythmus fortgesetzt.

"Alltägliche Gewalt an Kindern geschieht zumeist nicht durch Kriminelle, sondern durch hilflose und überforderte Eltern oder Erwachsene, die mit den Anforderungen der Erziehung und Betreuung von Kindern alleingelassen werden oder sich zumindest so fühlen", so Fachstellenleiter Leitner. Doch wo beginnt Gewalt gegen Kinder? Woran sind Anzeichen für Vernachlässigung und Misshandlung zu erkennen? Und wohin kann man sich mit seiner Beobachtung oder Befürchtung wenden? Diese Fragen beantworten Fachleute im Kinderschutz-ABC. In alphabetischer Reihenfolge – von A wie Anwalt des Kindes über R wie Rechte und Pflichten der Eltern bis Z wie Zwangsmaßnahmen – wird wöchentlich ein anderer Aspekt erörtert. "Das Kinderschutz-ABC skandalisiert das Thema nicht, sondern versucht, konkrete Hilfsangebote und Handlungsalternativen aufzuzeigen", so Leitner. Die Ratgeberserie richtet sich an Eltern, Großeltern, Nachbarn, Verwandte und andere Erwachsene, kurz: an alle, denen im Alltag Kinder begegnen. Ziel ist es, Betroffene zu ermutigen, rechtzeitig Unterstützung in Anspruch zu nehmen oder eine solche für das Kind zu organisieren. Jeder Artikel enthält einen Informationsblock mit Internetadressen und Telefonnummern von Beratungs- und Hilfsangeboten, an die sich Betroffene wenden können.

Weitere Informationen zur Fachstelle Kinderschutz gibt es bei Hans Leitner unter 03301 – 5 62 13 oder unter .

1. Teil des Kinderschutz-ABC

A – Anwalt des Kindes

Es gibt Kinder, die leben in ständiger Angst, weil ihre Eltern sie schlagen, anbrüllen oder mit Gleichgültigkeit behandeln, sie manchmal sogar für Tage allein in der Wohnung zurücklassen. Andere Kinder haben Angst und trauen sich nicht mehr in die Schule, weil Klassenkameraden sie mit Gehässigkeiten und gemeinen Lügen bloßstellen und zum Außenseiter machen. Ob häusliche Gewalt oder Mobbing auf dem Schulhof – Kinder fühlen sich oft ohnmächtig und allein gelassen. Meist ist ihnen nicht bewusst, dass ihnen Unrecht geschieht. Eher geben sie sich selbst die Schuld und schweigen aus Scham oder Angst, dass alles noch schlimmer wird, wenn sie über die ihnen angetane Gewalt sprechen. "Die Botschaft, die wir als Erwachsene den Kindern mit auf den Weg geben müssen, heißt: Du bist nicht allein, wenn du Kummer hast", so Hans Leitner von der Fachstelle Kinderschutz.

Jedes Kind hat das Recht, in Not- oder Konfliktsituationen Beratung, Hilfe und Schutz bei einem so genannten "Anwalt des Kindes" zu suchen. Mit der Bezeichnung "Anwalt des Kindes" ist im landläufigen Sinne unter anderem ein Verfahrens-pfleger gemeint, der jedem Kind seit 1998 – gemäß Gesetz über die Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit FGG, Paragraf 50 – bei Gericht zusteht, zum Beispiel bei einem schwierigen Scheidungsverfahren seiner Eltern. Doch auch in anderen Lebensbereichen haben Kinder das Recht auf professionellen Beistand. "Anwälte des Kindes" sind zum Beispiel Sozialarbeiter in der Schule und im Jugendclub oder die Berater in Kinderschutzzentren oder bei den Familienberatungsstellen. Bei ihnen finden Kinder und Jugendliche Gehör, Verständnis für ihre Probleme, professionelle Unterstützung und Hilfe sowie Schutz. Alle "Anwälte des Kindes" sind verpflichtet, das Vertrauen der Mädchen und Jungen zu achten: Sie müssen die Gespräche vertraulich behandeln und sollten nicht über den Willen des Kindes hinweg Entscheidungen treffen. Kinder und Jugendliche, die von ihren Eltern misshandelt, missbraucht oder vernachlässigt werden, haben außerdem die Möglichkeit, sich direkt an das Jugendamt zu wenden. Dieses Recht auf Beratung steht ihnen nach dem Kinder- und Jugendgesetz, SGB VIII, Paragraf 8, zu. Betroffene Kinder oder Jugendliche, die den Kontakt mit einer Beratungsstelle oder dem Jugendamt an ihrem Wohnort scheuen, können sich telefonisch – auch ohne ihren Namen zu nennen – zum Beispiel unter der gebührenfreien "Nummer gegen Kummer" des Kinderschutzbunds beraten lassen.

Adressen:

"Nummer gegen Kummer": 0800 – 111 03 33 (kostenfreies Kinder- und Jugendtelefon des Kinderschutzbundes, Montag bis Freitag von 15 bis 19 Uhr)

Anwalt des Kindes Bundesverband e.V.: Pappelallee 44, 14469 Potsdam, Telefon: 0331 – 740 07 21, E-Mail: , Internet: www.v-a-k.de

Adressen von Kinder- und Jugendnotdiensten und Erziehungs- und Familienberatungsstellen sowie die Ansprechpartner in den Brandenburger Jugendämtern sind auf der Internetseite der Fachstelle Kinderschutz unter www.fachstelle-kinderschutz.de veröffentlicht.


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden