Kultusminister einig: Rat für deutsche Rechtschreibung
(bikl) Einstimmig hat die Kultusministerkonferenz gestern Abend einen "Rat für deutsche Rechtschreibung" beschlossen. Das neue Gremium soll die Entwicklung der Rechtschreibung nach der Reform weiter beobachten und Änderungsvorschläge machen.
15.10.2004 ArtikelAm 1. August wird die Rechtschreibreform in Schulen und Behörden offiziell verbindlich. Lehrer müssen dann die alten Schreibweisen als Fehler werten. Bisher werden sie nur als überholt gekennzeichnet. Die neue Rechtschreibung wird an den Schulen bereits seit 1998 unterrichtet.
Dem Rat sollen 36 Mitglieder aus Deutschland, Österreich und der Schweiz angehören, die Hälfte von ihnen kommt aus Deutschland. Sie sei zuversichtlich, dass der Rat zur Lösung der besonders strittigen Problemfälle alsbald Vorschläge machen werde erklärte die KMK-Präsidentin und rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen. Sie setze jetzt auf eine Versachlichung der Debatte. Es gebe in der Bildungspolitik wie in der gesamten Gesellschaft "wichtigere Probleme."
Das Gremium soll möglichst noch vor dem dem 1. August 2005 Änderungen bei der umstrittenen Getrennt- und Zusammenschreibung, der Eindeutschung bestimmter Fremdwörter sowie der Zeichensetzung und Silbentrennung prüfen. An diesem Tag wird die Rechtschreibreform in Schulen und Behörden offiziell verbindlich. Lehrer müssen dann die alten Schreibweisen als Fehler werten. Bisher werden sie nur als überholt gekennzeichnet. Die neue Rechtschreibung wird an den Schulen bereits seit 1998 unterrichtet.
Der Streit um die Rechtschreibreform war im Sommer durch die Ankündigung verschiedener Verlage, zur alten Rechtschreibung zurückzukehren, neu entfacht worden. Als einziger hat diese Rückkehr bisher nur der Axel-Springer-Verlag in seinen Zeitungen vollzogen. Die "Süddeutsche Zeitung" erklärte kürzlich, sie prüfe, welche Änderungen beibehalten werden sollen. Bei einer Umfrage unter den Redakteuren des Hauses hatte sich nur eine Minderheit von fünf Prozent für die Rückkehr zur alten Rechtschreibung ausgesprochen. "Der Spiegel", der im August gemeinsam mit dem Axel-Springer-Verlag die Rückkehr angekündigt hatte, will nun auch abwarten. Er werde sein weiteres Vorgehen von der Besetzung des Gremiums sowie vom Ablauf und vom Ergebnis der Beratungen abhängig machen, heißt es in einer Hausmitteilung.
In der geschlossenen Sitzung hätten die Minister darüber hinaus betont, dass es weiter einer Kultusministerkonferenz bedürfe, erklärte eine Sprecherin der KMK. Die Konferenz sei wichtig, um in Deutschland unter anderem die Weiterentwicklung des Schulsystems voranzutreiben. Das gelte auch für die Qualitätssicherung und die Vergleichbarkeit der Schulabschlüsse in den verschiedenen Bundesländern.
Quelle: dpa
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