Lehrer sollen am Computer spielen

(bikl) Vom 18. bis 21. August findet in Leipzig Europas größte Messe für Computer- und Videospiele, die "GC Games Convention", statt. Mehr als 100.000 Besucher werden erwartet. In erster Linie wohl Gamer. Aber nicht nur. Denn ein Spezialbereich der Messe, die "GC family" gilt offiziell als Fortbildungsmaßnahme für Lehrer in Sachsen. Betreut wird "GC family" von Professor Dr. Hartmut Warkus und Studenten des Instituts für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig. bildungsklick.de fragte den Medienpädagogen, was Lehrer dort lernen können.

16.08.2005 Artikel
  • © Universität Leipzig

Warum wollen Sie die Lehrer auf die Messe für Computerspiele locken?

Warkus: Weil die Lehrer etwas zu sehen und zu erleben bekommen, was sie sonst nicht sehen. Auf der Games Convention gibt es einen Bereich, wo wirklich die Gamer ihr Mekka finden. Der andere Bereich ist der, wo wir tätig sind, wo man sich auch in Ruhe mit einem PC Spiel auseinandersetzen kann und wo Lehrer oder Eltern mit Kindern gemeinsam spielen können. Solche Möglichkeiten gibt es im anderen Hallen eigentlich nicht, der Eventcharakter ist dort viel größer.

Aber warum sollen sich Lehrer ausgerechnet mit PC-Spielen fortbilden?

Warkus: Man tut das, was Kinder und Jugendliche im Fernsehen sehen oder am PC spielen als Mist ab, ohne sich konkret damit zu beschäftigen. Man muss sich aber fragen: Was bewegt die Kinder eigentlich, was sehen sie da? Die gehen anders mit den Medien um als Erwachsene. Das muss man einfach zur Kenntnis nehmen. Da gibt es noch sehr viel Nachholbedarf - auch für die Lehrer. Ich bin schon sehr froh, dass jetzt in Sachsen Medienerziehung als durchgängiges Unterrichtsprinzip in Lehrplänen stattfindet. Aber das heißt auch: Wir müssen die Lehrer ganz schnell schulen.

Es reicht also nicht, wenn Lehrer sich mit Word, Excel oder dem Internet auskennen?

Warkus: Genau. Lehrer trauen sich nicht, etwas Definitives zu Computerspielen zu sagen, weil sie einfach kein Wissen haben und weil sie die Dinge nicht beherrschen. Also gucken sie weg oder machen dumme Bemerkungen. Wenn man sie mit Wissen ausstattet, so meinen wir, dann erreichen sie auch die Eltern und können zum Beispiel an einem Elternabend Computerspiele zum Thema machen.

Und warum sollten sie das tun?

Warkus: Wenn wir wollen, dass der Spielemarkt nicht mehr nur den letzten Dreck anbietet, wie viele Menschen behaupten, dann müssen wir etwas unternehmen. Dafür müssen wir zunächst lernen, was die Spieler eigentlich können. Davor die Augen zu verschließen halte ich für den falschen Weg. Denn Spielen ist ja nichts Verwerfliches. Die Frage ist bloß, was man spielt.

Und wo, außer jetzt auf der Games Convention, können Lehrer das Computerspielen lernen?

Warkus: Ich werde mit Studenten im November eine Computerspielenacht für Lehrer anbieten. Das ist zwar ein Tropfen auf einen heißen Stein, weil wir nicht mehr als fünfzehn Teilnehmer aufnehmen können, aber diese fünfzehn Lehrer werden lernen, wie man bestimmte Spiele, bestimmte Genres spielen muss. Sie werden erfahren, welche Anforderungen an den Spieler gestellt werden. Ich glaube zwar, mit 50 beherrscht man Ego Shooter nur noch, wenn man mit zehn angefangen hat zu spielen, aber das heißt doch nicht, dass ich mich nicht mit der Spielidee beschäftigen sollte. Dann kann ich nämlich erst darüber reden.

Und Ego Shooter im Unterricht spielen?

Warkus: Nein, nein, das nicht. Aber ich muss mich mit den Schülern darüber auseinandersetzen. Die Reflexion ist wichtig, wenn ich sie aufmerksam mache auf das, was sie dort eigentlich tun. Man muss ihnen zum Beispiel diesen Irrglauben nehmen, sie spielten Geschichte nach. Und über dieses Nachdenken kann man nach und nach erreichen, dass die Jugendlichen verschiedene Angebote einfach nicht mehr so spannend finden, wie sie es jetzt tun. Aber dafür muss man einiges über Computerspiele wissen.

Wie viele fortbildungswillige Lehrer nehmen denn dieses Messeangebot wahr?

Warkus: Im vergangenen Jahr waren 300 Lehrer auf der Messe. Das war für mich sehr überraschend, denn damals haben wir bei weitem nicht so dafür geworben wie heute. Außerdem machen wir nicht nur Spieleangebote, sondern wir bieten den Lehrern weitestgehende Hilfen zur Medienerziehung an.


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