Mehr in die Zukunftschancen der Kinder und Jugendlichen investieren
(Eigenbericht) Es müsse mehr in die Bedingungen des Aufwachsens investiert werden, forderte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Jugendhilfe, Reiner Prölß, heute auf der Eröffnungspressekonferenz zum 12. Deutschen Jugendhilfetag in Osnabrück. Es gelte die Finger in die Wunden zu legen und nachzufragen, "ob wir uns ein Bildungssystem leisten können, das in keiner Weise mehr zeitgemäß ist und zu wenig berücksichtigt, dass Lernen nicht nur in der Schule stattfindet, sondern zu 70, 80 Prozent auch außerhalb von Schule. Und dass man diese Lebensbedingungen verbessern muss."
01.06.2004 ArtikelScharf kritisierte Prölß, dass "wir bei den Investitionen für den vorschulischen Bereich und für den Grundschulbereich noch immer im internationalen Vergleich mit das Schlusslicht sind"". "Das", so Prölß weiter, "sind alles Wunden, die die Zukunftschancen unserer Kinder und Jugendlichen in einer sich globalisierenden Welt erschweren und fast unmöglich machen." Deswegen sei eine radikale Reform notwendig, die den Kommunen mehr Möglichkeit gebe, die Lebensbedingungen im sozialen Nahraum zu verbessern.
Der Jugendhilfetag findet in vierjährigem Rhythmus statt. Der Treffpunkt für Organisationen und Mitarbeiter aus dem Bereich der Jugendhilfe wird er vielfältig als Chance zum Austausch zwischen Praxis, Politik und Theorie genutzt. Mit mehr als 200 Fachveranstaltungen und rund 270 Ausstellern rechnet man den Jugendhilfetag zu den größten Fachkongressen und Fachmessen auf europäischer Ebene. Etwa 20 000 Besucher werden in den nächsten drei Tagen in der Friedensstadt an der Hase erwartet.
Der 12. Jugendhilfetag steht unter dem Motto "leben lernen". In den vier Themenschwerpunkten "Kultur und Kulturen des Aufwachsens", "Bildung als Lebensaufgabe", "Jung sein in einer alternden Gesellschaft" und "Soziale Gerechtigkeit ist kein Luxus" sollen die aktuellen Lebenslagen junger Menschen bewertet und die Angebote der Jugendhilfe diskutiert werden.
Am Vorabend des Jugendhilfetags erörtern Rahmen der Osnabrücker Friedensgespräche die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Renate Schmidt, der Sänger, Komponist und Autor Heinz Rudolf Kunze und die frühere Bundestagsabgeordnete der PDS Angela Marquardt die "Zukunftsperspektiven für die Jugend".
Morgen Mittag, während der offiziellen Eröffnungsfeier, wird die Familienministerin eine jugendpolitische Grundsatzrede halten. Weitere politische Prominenz hat sich angesagt: Neben dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff ist es die CDU-Vorsitzende Angela Merkel. Sie wird am Freitag während der Abschlussveranstaltung zum Thema Generationengerechtigkeit sprechen.
Die Stadt Osnabrück war als Tagungsort gewählt worden, weil sie sich ein besonderes Konzept ausgedacht hatte: Nicht an einem Veranstaltungsort abseits des städtischen Lebens sollte der Jugendhilfetag ausgetragen werden, sondern mitten im Herzen der Stadt. Gelungen ist das durch die Errichtung einer riesigen Zeltlandschaft im Schlosspark und den umliegenden Straßen. "Die Zelte auf einer der Hauptverkehrsadern der Stadt", so erklärte Osnabrücks Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip, "symbolisieren auch, dass der Verkehr zurückstecken muss für die Zukunftsfelder der Gesellschaft."
www.friedensgespraeche.de
www.agj.de
www.jugendhilfetag.de
Aktuelle Berichterstattung vom 12. Jugendhilfetag durch bildungsklick.de
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