Ministerpräsidenten halten nicht viel vom Beschluss ihrer Kultusminister
(bikl) Die Ministerpräsidenten der unionsgeführten Länder sollen sich nach Meldung der Nachrichtenagentur dpa darüber einig sein, dass es keinen Sinn mache, die Rechtschreibreform teilweise für verbindlich zu erklären und wollen daher den jetzigen Status um ein Jahr verlängern.
23.06.2005 ArtikelDieses Vorgehen würde umso mehr verwundern, als die Kultusminister erst am 3. Juni einstimmig beschlossen hatten, zumindest die unstrittigen Teile der Reform vom 1. August an in Schulen und Behörden für verbindlich zu erklären. Die noch strittigen Teile, vor allem die Getrennt- und Zusammenschreibung, Zeichensetzung und Silbentrennung, sollten derweil durch den Rat für deutsche Rechtschreibung und Anhörung der Verbände ohne Zeitdruck zu einer einvernehmlichen Lösung geführt werden.
Eine solche Aufteilung der Reform mache nach Auffassung der Unions-Ministerpräsidenten keinen Sinn, verlautete jetzt aus Teilnehmerkreisen der Runde. Um die verbindliche Einführung der Rechtschreibreform allerdings komplett zu verschieben, müssten die Ministerpräsidenten aller Bundesländer einstimmig entscheiden. Aus dem Kreis der SPD-Regierungschefs gab es dazu noch keine Stellungnahme.
Das Inkrafttreten der Rechtschreibreform zum 1. August 2005 war von den Länder-Regierungschefs 1997 einstimmig beschlossen worden, nachdem auch das Bundesverfassungsgericht den neuen Schreibweisen den Segen gegeben hatte. Ab diesem Zeitpunkt sollten die Lehrer Abweichungen von den neuen Schreibweisen in Schülerarbeiten nicht nur kenntlich machen, sondern auch als Fehler werten. Seitdem wurde die neue Schreibweise auch Schritt für Schritt in Unterricht und Medien eingeführt.
Erstmals der niedersächsische CDU-Ministerpräsident Wulff hatte ungeachtet der Zustimmung seines Ministers Busemann die Reform grundsätzlich in Frage gestellt und damit medienwirksame Diskussionen im Sommerloch 2004 vorbestimmt. Inzwischen scheinen alle Unions-Ministerpräsidenten seine Zweifel an der Kompetenz der Kultusminister in Sachen Rechtschreibreform zu teilen.
Dokumentation der Diskussion um die Reform unter bildungsklick.de/special.html?specialId=760.
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