Online-Spiel zur Biotechnologie

(bikl/idw) Was tun, wenn die Krankenkassenberaterin für ein viel versprechendes Pilotprojekt wirbt, bei dem auf dem Chip der Versichertenkarte auch die persönliche DNA-Sequenz gespeichert ist? Wie soll man entscheiden, wenn bei einem Verdacht auf eine Erbkrankheit nur noch ein Gentest Gewissheit verschaffen kann? Kann man ein neues, hochwirksames Medikament gegen Morbus Parkinson noch bedenkenlos nutzen, wenn es durch verbrauchende Embryonenforschung entwickelt wurde?

17.02.2005 Artikel

Mit solcherlei Fragen beschäftigt sich das neue Online-Spiel "gen.ethix". Fragen, die zum Nachdenken auffordern und nach wohlüberlegten Antworten und persönlichen Meinungen suchen.

Stichwort Gentest

Was passiert überhaupt in der Humangenomforschung? Wie funktioniert ein Gentest? Warum wird an menschlichen Stammzellen geforscht und was ist daran aus ethischer Sicht so problematisch? Wie könnte die Medizin der Zukunft aussehen? In informativen Sachfilmen werden darauf Antworten geboten, mit denen man sich einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen in der Biomedizin verschaffen kann.

Anhand der fiktiven Spiel-Szenarien können sich die Spieler in eine konkrete ethische Konfliktsituation hineinversetzen. So kann man sich mit der Möglichkeit eines individuellen Gentests, der Speicherung seiner genetischen Information und der Herstellung von Medikamenten unter Verbrauch menschlicher, embryonaler Stammzellen auseinandersetzen.

Auf diese Weise wird Ethik zur praktischen Ethik, was die Bioethik auch ist. Dieser konkrete lebendige Zugang öffnet die Diskussion für alle. Eine Form von problemorientiertem Lernen, wie es z.B. in reformierten Studiengängen zur Anwendung kommt.

Eigene Standpunkte einbringen

Mit gen.ethix können sich die Spieler über die sachlichen Fakten im Rahmen der drei Szenarien informieren und ihre eigenen Standpunkte in das System einbringen. Alle Entscheidungen und Kommentare werden in einer besonderen Form - als so genanntes "Mem" in einer Datenbank, der öffentlichen "Memothek", gespeichert und können so neben den Kommentaren von Experten aus Forschung, Politik, Religion und Ethik als Informationsquelle für andere Spieler dienen.

gen.ethix ist ein Gemeinschaftsprojekt der AG "Bioethik und Wissenschaftskommunikation" des Deutschen Humangenomprojektes und der MultiMedia-Abteilung des Fachbereichs Design der Fachhochschule Potsdam. "Unsere Grundidee war, ein interaktives Spiel als ein mögliches Medium im öffentlichen Diskussions- und Meinungsbildungsprozess über ethische Grundfragen in der Genomforschung und Biomedizin zu erproben", erklärt Markus Nachtrab, ein Absolvent der FH Potsdam, der verantwortlich für die Gesamtkonzeption und die Projektkoordination war.

Die Arbeitsgruppe "Bioethik und Wissenschaftskommunikation" und das Deutsche Humangenomprojekt (DHGP) erproben in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Potsdam neue Wege im Diskurs über die ethischen Probleme der Biomedizin. Dazu ist das gen.ethix-Spiel entwickelt worden, das erstmalig die Bioethik in einem Online-Spiel behandelt.

Das Spiel ist zugänglich über www.bioethik-diskurs.de


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