Paradebeispiel für Kinderland
Als Paradebeispiel für die Unterschätzung der Wichtigkeit der Bildung bezeichnet der Geschäftsführer des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) in Südbaden, Meinrad Seebacher, den Streit zwischen Kultusminister Helmut Rau und seiner Vorgängerin, der jetzigen Bildungsministerin Dr. Annette Schavan. Schon zu deren Zeiten hatte der VBE ein verpflichtendes, beitragsfreies letztes Kindergartenjahr gefordert, um Schulanfänger auf ein günstigeres Schuleingangsniveau zu heben. Allerdings war die Ministerin zu Zeiten, als dies in ihren Verantwortungsbereich entfiel, ebenso wenig bereit wie jetzt ihr Nachfolger Helmut Rau, dieses Basisjahr einzuführen.
22.12.2008 Baden-Württemberg Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-WürttembergMeinrad Seebacher äußert sich zudem erbost über den zusätzlichen Hinweis des Kultusministers, dass unter anderem finanzielle Gründe gegen die Verpflichtung zum Besuch des Kindergartens sprechen. Wenn Banken in die Krise geraten, stehen fast über Nacht Millionen und Milliarden Euro zur Verfügung. Für eine bessere Ausbildung der Kinder hingegen muss stets das Argument herhalten, dass kein Geld da sei. Dies sei, so Seebacher, der beste Beweis, dass das goldene Kalb Geld deutlichen Vorrang vor dem Menschen habe. Und dies, obwohl der Ministerpräsident Günter Oettinger, Baden-Württemberg zum so genannten Kinderland ausgerufen habe. Der VBE Südbaden hätte sich durchaus eine günstigere Weihnachtsbotschaft des Kultusministers vorstellen können.
Auch einige pädagogische Gründe, die Rau angebe, könne der VBE nicht nachvollziehen. Wenn 3 Prozent aller Kinder nicht den Kindergarten besuchen, sind es eben mit hoher Wahrscheinlichkeit auch 3 Prozent der Eltern, die sich schon im Kindergartenalter bildungsfern verhalten. Damit werde den Kindern eine Chance genommen. Nach dem Grundgesetz und der Landesverfassung habe dann der Staat den Auftrag, die Eltern bei der Erziehung zu unterstützen.
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