PEN-Vertreter fordert Verschiebung der Rechtschreibreform

(bikl) Der jüngst als Vertreter des PEN in den Rat für deutsche Rechtschreibung delegierte Erlanger Sprachwissenschaftler Theodor Ickler fordert heute in einem Interview mit der Nordwestdeutschen Zeitung (NWZ) ein Moratorium des Reformwerks.

03.03.2005 Artikel

"Der 1. August (Datum für das endgültige Inkrafttreten der Reform) kann keinesfalls eingehalten werden. Die nächsten Treffen des Rates sind am 8. April, am 3. Juni und am 1. Juli. Am 31. Juli aber müsste ja schon Schluss der Debatte sein. Das ist ganz unmöglich. Da muss ein Moratorium her," äußerte Ickler gegenüber der Zeitung.

Auf fruchtbaren Boden fiel Icklers Forderung bei dem kulturpolitische Sprecher der FDP- Bundestagsfraktion, Hans-Joachim Otto. Auch er will eine Verlängerung der Übergangszeit zur Einführung der Rechtschreibreform über den 1. August 2005 hinaus um mindestens ein Jahr. Am 1. August soll das neue Regelwerk für die Schulen und die Verwaltung verbindlich werden.

In einem dpa-Gespräch warnte Otto am Dienstag vor dem "schlimmsten Szenario", dass eine Rechtschreibreform in Kraft trete, die anschließend "Stück für Stück wieder zurückgenommen wird".

Auf bildungspolitisch relevanter Ebene wird die Rechtschreibung Ende nächster Woche wieder Thema auf der Tagung der Kultusministerkonferenz (KMK). Die Kultusministerkonferenz hatte zuletzt den Zeitrahmen für das Reformwerk festgelegt und auf massiven öffentlichen Protest hin den Rat für deutsche Rechtschreibung unter dem Vorsitz des früheren bayerischen Kultusministers Hans Zehetmair (CSU) ins Leben gerufen. Von ihm erwarten die Kultusminister noch rechtzeitig vor dem 1. August Vorschläge zur Reform der Reform.

Dort hatte sich allerdings schon während der ersten Sitzung die Dimensionen der von den Gegnern angestrebten kurzfristigen Reform der Reform herumgesprochen, die vor allem die Hersteller von Schulbüchern vor kaum lösbare Aufgaben stellen würde.


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