Rechtschreibreform: Neues Gerangel?
(bikl) Anders als bislang erwartet könnte die Rechtschreibreform nun doch noch weiter zurückgedreht werden. Gegenüber dem Berliner Tagesspiegel sagte der Ratsvorsitzende Hans Zehetmair am Donnerstag, dass der Rat sich voraussichtlich auch mit der Groß- und Kleinschreibung befassen werde.
28.10.2005 ArtikelUrsprünglich sollte der Rat auf seiner heutigen Sitzung lediglich Empfehlungen zur Getrennt- und Zusammenschreibung, zur Interpunktion und zur Silbentrennung abgeben.
Laut Tagesspiegel will der Reformgegner Theodor Ickler bei der heutigen Sitzung des 39-köpfigen Expertengremiums in Mainz beantragen, dass der Rat über Reformschreibweisen wie "heute Abend" (vor der Reform: heute abend) und "im Übrigen" (im übrigen) diskutiert. Auch bei der Laut-Buchstaben-Zuordnung ("Stängel" statt früher "Stengel") will der Erlanger Sprachwissenschaftler die weitgehende Rücknahme der Reform erreichen.
Diese Bereiche der Reform gehören allerdings zu dem Teil der Rechtschreibreform, die die Kultusminister der Länder als "unstrittig" erklärt hatten. Seit dem Beginn des neuen Schuljahres sind diese Rechtschreibregeln an den Schulen in 14 Bundesländern verbindlich in Kraft getreten. Lediglich Bayern und Nordrhein-Westfalen hatten sich im Juli entschieden, die Übergangsfrist bis August 2006 zu verlängern.
Auch der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU), der ungeachtet der Zustimmung seines Ministers Busemann die Reform im vergangenen Jahr grundsätzlich in Frage gestellt und damit medienwirksame Diskussionen im Sommerloch 2004 vorbestimmt hatte, hat jetzt die Hoffnung geäußert, dass sich der Rat für deutsche Rechtschreibung auch noch mit der Groß- und Kleinschreibung befassen werde.
Siehe auch Bildungs-Special Rechtschreibreform.
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