Schreiben lernen

(bikl) Der Welttag der Alphabetisierung am 8. September erinnert jedes Jahr daran, dass es in vielen Ländern immer noch ein Privileg ist, lesen und schreiben zu können. Über 100 Millionen Kinder wachsen ohne Schulbildung auf. Weitere 150 Millionen Kinder brechen ihre Schulbildung vorzeitig ab. Etwa 800 Millionen Erwachsene sind Analphabeten, vorwiegend in den Entwicklungsländern. Zwei Drittel von ihnen sind Frauen. Süd- und Westasien, die arabischen Staaten und die Länder Afrikas südlich der Sahara sind die Hauptproblemregionen.

08.09.2005 Artikel

Aber Analphabetismus ist nicht nur ein Problem der Entwicklungsländer. In Deutschland gibt es ca. 4 Millionen Erwachsene, die trotz Schulbesuch über so wenig Schriftsprachkompetenz verfügen, dass sie nicht in der Lage sind, eine Zeitung zu lesen, ein Formular auszufüllen oder einen Brief zu schreiben. Sie gelten als funktionale Analphabeten. Derzeit lernen mehr als 20.000 Erwachsene in Alphabetisierungskursen, die vor allem von Volkshochschulen angeboten werden.

Spezielles Lernportal

Um funktionalen Analphabeten ein anonymes Lernangebot zu machen und der immer größer werdenden Bedeutung der Neuen Medien im Alltag zu entsprechen, starteten der Deutsche Volkshochschul-Verband e.V., der Bundesverband Alphabetisierung e.V. und das Bundesministerium für Bildung und Forschung vor einem Jahr das weltweit erste, eigens für erwachsene funktionale Analphabeten entwickelte Internet-Lernportal ich-will-schreiben-lernen.de. Mittlerweile lernen hier regelmäßig rund 7.500 Erwachsene.

Literaturwettbewerb

Im Jahr 2005 wurde zum zweiten Mal der Literaturwettbewerb "wir schreiben" für erwachsene funktionale Analphabeten veranstaltet. Über 350 Texte von Kursteilnehmern und Online-Lernern wurden eingereicht. Drei Haupt- und zwei Sonderpreise werden heute in Berlin überreicht. Die Grimme-Preisträger Andrea Sawatzki und Sebastian Koch werden die prämierten Texte vortragen.


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