Sprachstandserhebung mit „Sprache im Alltag beobachten“
Es ist eines der zentralen politischen Vorhaben: Die Sprachkenntnisse von Kindern von klein auf zu verbessern, damit alle Kinder gut lernen, sich entwickeln und teilhaben können. Mit „Sprache im Alltag beobachten“ (SiAb) entwickelt das Land deshalb ein Verfahren, mit dem der Sprachstand der Kinder in den Kitas verpflichtend erhoben werden kann.
20.10.2026 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Bildung Rheinland-PfalzDarauf aufbauend kann der Sprachstand zielgerichtet gefördert werden.
„Wir wollen wissen, ob es hakt, wo es hakt, das so früh wie möglich, und bei allen Kindern – deshalb werden wir den Sprachstand aller Kinder eineinhalb Jahre vor Schulbeginn erheben. Das passiert aktuell mit sehr unterschiedlichen Verfahren, orientiert an unterschiedlichen Standards – mit „Sprache im Alltag beobachten“ gibt es in Zukunft einheitliche Standards, ein einheitliches Verfahren und mehr Verbindlichkeit, damit alle Kinder gut Deutsch lernen“, so Bildungsministerin Dr. Ute Eiling-Hütig beim Besuch der Evangelischen Maria-Magdalena Kita in Mainz, wo sie sich das Instrument in und von der Kitapraxis anschaute. Die Kita ist eine der mehr als 100 Kitas in Rheinland-Pfalz, mit denen gemeinsam das Verfahren entwickelt wird.
Für die Fachkräfte gibt es sogenannte Aufgabenkarten, anhand derer mit den Kindern verschiedene, aus dem Kita-Alltag bekannte Situationen gestaltet werden sollen. Dabei stehen Situationen wie Rollenspiele, etwa der Arztbesuch oder das Einkaufen im Kaufladen, Bewegungsrätsel, Kärtchenspiele und das Silbenklatschen im Fokus. Bei jeder Aufgabe wird spielerisch geschaut, wie wichtige Bereiche der sprachlichen Entwicklung ausgeprägt sind, beispielsweise die phonologische Bewusstheit, das Verstehen und Sprechen von Substantiven und Verben sowie das Bilden von Nebensätzen. Ihre Beobachtungen tragen die Fachkräfte jeweils in die Karten ein. Je nach Bereich, d.h. Sprechen oder Verstehen, gibt es Punkte. Zum Schluss steht eine Gesamtpunktzahl, anhand derer eingeordnet werden kann, ob und in welchem Bereich das Kind einen Förderbedarf hat. So werden die Sprachfähigkeiten umfassend getestet.
„Mit dem Verfahren SiAb können die Sprachkompetenzen von Kindern eineinhalb Jahre vor der Einschulung gezielt überprüft werden. So lässt sich frühzeitig erkennen, welche Kinder noch Förderung benötigen. Das Verfahren bietet zwei große Vorteile: Es wird alltagsintegriert von den Kindern vertrauten Fachkräften in den Kitas durchgeführt. Außerdem kann die Sprachförderung unmittelbar im Anschluss beginnen. SiAb knüpft an das Landescurriculum „Mit Kindern im Gespräch“ an und sorgt damit für eine optimale Passung zwischen Sprachdiagnose und Sprachförderung für alle Kinder im Land“, so Prof. Anja Wildemann von der RPTU Kaiserslautern-Landau, die das Projekt wissenschaftlich leitet. Mit SiAb wird damit ein Lückenschluss vollzogen, der eine auf einer Einschätzung basierende Förderung ermöglicht.
Aktuell werden die ersten Karten in den Projekt-Kitas erprobt. Insgesamt werden bis zu 300 Kitas in die Entwicklung einbezogen, der Bewerbungsaufruf für die nächsten Kitas läuft aktuell. Mit der Novellierung des Kita-Gesetzes wird die Sprachstandserhebung für alle Kinder verpflichtend und SiAb als Instrument festgelegt. Zusätzlich zu verpflichtenden Sprachstandserhebungen weitet die Landesregierung für bessere Sprachbildung in den Kitas u.a. die Extrastunden für Sprachbeauftragte auf 1.000 Kitas aus und schafft mehr Verbindlichkeit im letzten Kita-Jahr. „So werden wir umfassend dafür sorgen, dass die Kinder frühzeitig gefördert werden und mit guten Voraussetzungen in die Schule kommen können“, sagte die Ministerin abschließend.
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