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Alternativen zur Abiturnote? Eignungs­tests an deutschen Hochschulen

Angesichts möglicher Absagen von Abiturprüfungen wegen der Corona-Krise wird auch das Thema Eignungsprüfungen an Hochschulen diskutiert. An Kunst- oder Musikhochschulen sind solche Aufnahmeverfahren bereits Standard.

08.04.2020 Bundesweit Pressemeldung CHE Gemeinnütziges Centrum für Hochschulentwicklung GmbH
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Eine Analyse des CHE Centrum für Hochschulentwicklung zeigt für die übrigen Fächer: Rund jeder fünfte Fachbereich in Deutschland nutzt bereits Eignungs- oder Auswahltests bei der Vergabe von Studienplätzen. Ein Drittel nutzt die Möglichkeiten von digitalen Selbst-Tests für Studienbewerber(innen). Eine aktuelle Publikation zeigt die Verbreitung sowie Vor- und Nachteile solcher Testverfahren bei der Studienplatzvergabe auf.  

Der Hochschulzugang sowie ein gerechteres Auswahlverfahren für Studienplätze sind ein wiederkehrendes Diskussionsthema im Bildungsbereich. So gelten etwa ab diesem Jahr neue Zulassungsregeln im Medizinstudium. In vielen Auswahlverfahren bei zulassungsbeschränkten Studienplätzen spielt in Deutschland die Abiturnote noch eine zentrale Rolle. Vor dem Hintergrund der Corona-Krise und der Unsicherheit, ob reguläre Abiturprüfungen durchführbar sind, diskutieren Bildungsexperten nun den stärkeren Einsatz anderer Bewertungsverfahren, wie etwa Eignungsprüfungen.

Das CHE Format CHECK zum Hochschulzugang in Deutschland zeigt, dass aktuell rund 40 Prozent aller Bachelor-Studiengänge zulassungsbeschränkt sind, und daher unter anderem die Abiturnote bei der Studienplatzvergabe berücksichtigen.

Kunst- oder Musikhochschulen setzen fast flächendeckend Eignungsprüfungen zur Feststellung der speziellen Eignung für die künstlerischen Fächer ein. Für ein Sportstudium muss man seine sportliche Eignung ebenfalls in einem speziellen Test nachweisen. Hier geht es um Eignung im Sinne von „ja oder nein“.

Mit Auswahltests werden hingegen knappe Studienplätze an die geeignetsten Bewerberinnen und Bewerber vergeben. Prominentestes Beispiel ist der Test für medizinische Studiengänge (TMS), der mittlerweile von nahezu allen medizinischen Fakultäten bei der Bewerber(innen)auswahl berücksichtigt wird.

Bei den übrigen Fächern spielt das Thema Tests nur eine untergeordnete Rolle. So nutzen nur 18 Prozent aller Fachbereiche obligatorische Auswahl- oder Eignungstests bei der Studienplatzvergabe, wie eine Auswertung des CHE aus dem Jahr 2018 zeigt. Tests kommen beispielweise in den Bereichen Architektur (45 %), Anglistik / Amerikanistik (35 %), BWL (33 %) und Soziale Arbeit (31 %) vergleichsweise häufig zum Einsatz.

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Eine digitale Variante der Eignungstests, sogenannte Self-Assessments, nutzen bereits mehr als ein Drittel (35 %) aller Fachbereiche.. Hierbei können Studieninteressierte durch Online-Selbsttests herausfinden, ob sie die Anforderungen für ein Studium im gewünschten Fach mitbringen. Das Ergebnis des Self-Assessments wird aber nur den Studieninteressierten bekannt und fließt nicht in die Auswahlentscheidung ein.

Beim Einsatz von Self-Assessments zeigt der CHECK auch regionale Unterschiede. Während etwa in Baden-Württemberg knapp die Hälfte der Fachbereiche angab, eigene obligatorische oder freiwillige Self-Assessments einzusetzen, waren es in Brandenburg nur 4 Prozent.

Cort-Denis Hachmeister verdeutlicht die Vor- und Nachteile beim Einsatz solcher Tests: „Einerseits bieten Eignungstests die von vielen gewünschte bundesweite Vergleichbarkeit über Wissen und Kompetenzen von Bewerberinnen und Bewerbern. Andererseits sind gut gemachte Eignungsprüfungen zeitlich und finanziell aufwändig und somit kaum flächendeckend in allen Fächern durchführbar. Auch können solche Verfahren - anders als die Abiturnote - nur einen stichprobenartigen Ausschnitt des Wissens und der Fähigkeiten abprüfen und sind dadurch auch nicht aussagekräftiger als die Abiturnote“.

Letztlich erlaube sowohl die Abiturnote als auch eine gute Eignungsprüfung nur eine begrenzte Vorhersage des Studienerfolgs, so der Experte für Hochschulzulassung beim CHE Centrum für Hochschulentwicklung. Zu vielfältig seien Studienerfolgsfaktoren wie Motivation, Betreuung durch die Hochschule und nicht zuletzt finanzielle Aspekte wie eine auskömmliche Studienfinanzierung.

Der Autor des „CHECK Hochschulzugang in Deutschland“, plädiert deshalb für ein stärkeres Zusammenspiel der bisher verfügbaren Auswahlelemente von der Abiturnote, über Eignungstests bis zur Berücksichtigung von Praxiserfahrung, wie es etwa beim Medizinstudium der Fall ist. „Auch eine Studieneingangs- und Orientierungsphase, die man zunächst ‚bestehen‘ muss, um weiterstudieren zu können, könnte für deutsche Hochschulen ein interessanter Weg für die Zukunft sein“, so Cort-Denis Hachmeister.

Ansprechpartner

CHE Gemeinnütziges Centrum für Hochschulentwicklung GmbH

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