Deutscher Hochschulverband will die seit 1995 eingesparten 1.500 Professuren zurück

Der Deutsche Hochschulverband (DHV) sieht das Hochschulsystem in Deutschland an einem historischen Wendepunkt. "Aus dem ursprünglich angekündigten Hochschulpakt 2020 ist nur ein Hochschulpakt 2010 geworden", erklärte DHV-Präsident Professor Dr. Bernhard Kempen. "Unklar bleibt, wie mit dem bislang präsentierten Tableau der insbesondere ab 2011 einsetzende und bis 2020 anhaltende Anstieg der Studierendenzahlen von 2,0 auf bis zu 2,7 Millionen aufgefangen werden kann. Mit den im Hochschulpakt veranschlagten Kosten lassen sich insbesondere keine Studienplätze in den Fächern finanzieren, für deren Absolventen auf dem Arbeitsmarkt eine besonders große Nachfrage besteht."

21.03.2007 Pressemeldung Deutscher Hochschulverband (DHV)

Kempen wies darauf hin, dass Studierende einen Anspruch auf eine hochwertige akademische Ausbildung haben, mit der sie sich im internationalen Wettbewerb behaupten können. Der DHV fordere daher eine Prioritätensetzung zugunsten neuer Professuren. Die seit 1995 eingesparten 1.500 Professuren müssten den Universitäten zurückgegeben werden. "Der Verlockung, den angesichts des Studierendenzuwachses notwendigen Ausbau an Lehrkapazitäten auf Kosten der Qualität mit kleiner Münze zu bestreiten, muss widerstanden werden", betonte Kempen. "Deutschland braucht vor allem mehr Professoren, um das zahlenmäßige Verhältnis von Studierenden pro Professur von 60 : 1 zu verbessern. Die derzeitige Relation ist international nicht konkurrenzfähig."

Um den Studierendenandrang zu bewältigen, hält der DHV, vornehmlich in den besonders nachgefragten Studiengängen, den Einsatz von Lecturern in der Gestalt von befristeten Qualifikationsstellen für geboten. (vgl. Pressemitteilung Nr. 15/2006 vom 4. September 2006). Mit großer Sorge erfüllt den Verband, dass bereits Stellen als "Lecturer" für habilitierte Nachwuchswissenschaftler ausgeschrieben werden, die sich für einen Lohn unter dem von wissenschaftlichen Mitarbeitern ausschließlich der Lehre widmen sollen. Eine hochwertige und sich ständig aus der Forschung erneuernde Lehre können diese kostengünstigen Lehrkräfte laut Kempen nicht bieten: "Die Einführung der neuen Personalkategorie ´Lecturer´ kann die Schaffung zusätzlicher Professuren nicht ersetzen."


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