DHV will Vorlesungen von Präsenzregelungen befreien
Der Deutsche Hochschulverband (DHV) legt den Fakultäten und Fachbereichen nahe, bei Vorlesungen von einer Anwesenheitspflicht abzusehen. "Das universitäre Studium lebt von Eigeninitiative, eigenständigem Denken und Selbstverantwortung", erläuterte der Präsident des DHV, Professor Dr. Bernhard Kempen, diese Empfehlung. "Durch eine Abschaffung der Anwesenheitspflicht bei Vorlesungen geben die Universitäten den Lernenden ein Stück jener akademischen Freiheit zurück, die ein Charakteristikum des wissenschaftlichen Studiums ist."
18.03.2013 Pressemeldung Deutscher Hochschulverband (DHV)Die Handhabung von Anwesenheitspflichten bei Lehrveranstaltungen sei in der universitären Praxis bundesweit unübersichtlich und werde weiterhin kontrovers diskutiert, seit die Studierenden bei den Studentenprotesten des Jahres 2009 die rigiden Präsenzregelungen als Eingriff in ihre Studierfreiheit kritisiert hätten.
Einschränkungen der Freiheit des Studiums durch Studien- und Prüfungsordnungen müssen nach Auffassung des DHV begründet werden. Anwesenheit in einer Lehrveranstaltung könne nur gefordert werden, wenn Präsenz aus inhaltlichen, didaktischen, vor allem aber prüfungsbedingten Gesichtspunkten für notwendig erachtet werde. Veranstaltungsformate wie Übungen und Praktika setzten für den Lernerfolg eine regelmäßige Teilnahme ebenso voraus wie das Seminar, das auf dem wissenschaftlichen Gespräch zwischen Lernenden und Lehrenden beruhe. Dies gelte für die Vorlesung im Regelfall aber nicht.
"Über 800 Jahre sind sich in den Universitäten Dozenten und Studierende als freie Individuen begegnet. An diesem Grundprinzip akademischer Kultur ist festzuhalten", so Kempen weiter. Daher sollten die Fakultäten und Fachbereiche die Anwesenheitspflichten bei Lehrveranstaltungen in ihren Prüfungs- und Studienordnungen mit Augenmaß regeln. Bei anderen Veranstaltungsformen als Vorlesungen rate der DHV zu einer vorsichtigen und zurückhaltenden Handhabung der Anwesenheitspflicht." Sie sollte die zu begründende Ausnahme, nicht jedoch die Regel sein", betonte Kempen abschließend.
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