Novelle

Die fünf wichtigsten BAföG-Verbesserungen

Mehr BAföG für mehr Studierende ab dem Wintersemester 2019/2020: Das verspricht die 26. BAföG-Novelle der Bundesregierung, die heute in Kraft tritt. Das Deutsche Studentenwerk (DSW) fasst die fünf wichtigsten Änderungen zusammen.

01.08.2019 Bundesweit Pressemeldung Deutsches Studentenwerk
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Sie gelten für Schülerinnen und Schüler in berufsbildenden Schulen ab Schuljahresbeginn August 2019, für Studierende ab dem Wintersemester 2019/2020.

Die wichtigsten Änderungen für Studierende:

  • Mehr Geld: Die Bedarfssätze steigen, überproportional der Wohnbedarf. Dieser angesetzte Bedarf setzt sich aus dem BAföG-Grundbedarf, dem Bedarf für die Unterkunft sowie den Zuschlägen für Kranken- und Pflegeversicherung zusammen. Erstmals können Studierende, die älter als 30 Jahre sind, einen Kranken- und Pflegeversicherungszuschlag erhalten, der der zu zahlenden Beitragshöhe entspricht. Der Wohnzuschlag für Studierende, die nicht bei ihren Eltern wohnen, steigt von 250 auf 325 Euro im Monat.
     
  • Mehr Geförderte: Durch die Anhebung der Freibeträge für die Elterneinkommen sollen mehr Studierende BAföG erhalten. Diese Freibeträge bestimmen, wie viel die Eltern der Studierenden verdienen dürfen, damit ihre Kinder BAföG-Leistungen erhalten. Die Freibeträge fallen je nach Familienkonstellation unterschiedlich aus, steigen aber zum Wintersemester 2019/2020 um sieben Prozent an.

    Ein Beispiel: Eine Studentin von miteinander verheirateten und zusammenlebenden Eltern, die nicht bei diesen wohnt, erhält die BAföG-Vollförderung, wenn beide Eltern zusammen nicht über ein Monatsnettoeinkommen von etwa 1.835 Euro kommen. Eine Teilförderung ist bis zu einem gemeinsamen Eltern-Nettoeinkommen von 3.304 Euro im Monat wahrscheinlich.
     
  • Noch sozialere Rückzahlung: Die neuen Rückzahlungs¬modalitäten sehen vor, dass Studierende maximal 10.010 Euro von der erhaltenen BAföG-Förderung zurückzahlen müssen, mit 77 Monatsraten zu 130 Euro. Erhalten Studierende also beispielsweise für sechs Semester Bachelor- und vier Semester Master-Studium rund 51.660 Euro BAföG, müssen sie mit maximal 10.010 Euro nur ein Fünftel zurückzahlen! Und die Rückzahlung beginnt erst fünf Jahre nach der letzten Förderung.
     
  • Mehr Familienfreundlichkeit: Kinderbetreuung und -pflege wird statt bis zum 10. neu bis zum 14. Lebensjahr der Kinder berücksichtigt. Der Kinderbetreuungszuschlag wird auf 140 Euro im Monat erhöht. Treten bei häuslicher Pflege von nahen Angehörigen Studienverzögerungen ein, ist über die Regelstudienzeit hinaus eine BAföG-Förderung möglich. 
     
  • Weniger Verschuldung: Das in Ausnahmefällen verzinsliche BAföG-Bankdarlehen – für Studienphasen nach der Regelstudienzeit – wird durch ein zinsloses BAföG-Volldarlehen ersetzt. Die Zinsfreiheit bietet Studierenden neue Sicherheit.

Das erklärte Ziel der Bundesregierung ist es, mit der 26. BAföG-Novelle eine Trendwende bei der Zahl der Geförderten zu erreichen. Bis Herbst 2021 sollen wieder 100.000 Studierende, Schülerinnen und Schüler mehr gefördert werden.

Die im Deutschen Studentenwerk (DSW) organisierten Studenten- und Studierendenwerke werben mit ihrer aktuellen Kampagne „Einfacher ans Geld“ bei den Studierenden dafür, einen BAföG-Antrag zu stellen, damit eine mögliche Förderung nicht verfällt. Mit einem BAföG-Bescheid werde überdies auch schnell klar, ob und welche Teilleistung der Staat von den Eltern der Studierenden erwartet.

Die wichtigsten BAföG-Änderungen auf einen Blick

BAföG-Kampagne „Einfacher ans Geld. Jetzt BAföG beantragen"


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Ein Kommentar vorhanden

  • 02.08.2019 10:36 Uhr
    Ich würde es sehr viel innovativer finden, wenn man die Altersgrenzen für den Bezug von BAföG auf zeitgemäße 50 Jahre heraufsetzte oder aber - alternativ - ein Vollzeitstudium auch beim Bezug von Arbeitslosengeld 2 ermöglichte.

    Wenn Menschen älter als 30 Jahre sind und ungünstige bis schlechte Voraussetzungen aufweisen, weil sie zum Beispiel bisher keine Berufsausbildung und auch kein Studium absolviert haben, dann ist eine Lebensführung unter prekären (Arbeits)Verhältnissen vorgezeichnet, denn ihnen werden unter solchen Voraussetzungen entweder beschissene Jobs von der Agentur für Arbeit (in diesem Fall als Jobcenter bezeichnet) vermittelt oder sie sind gezwungen, bei der Aufnahme eines Teilzeitstudiums MINDESTENS SIEBEN JAHRE eine akademische Ausbildung wahrzunehmen, bis ein Bachelor-Abschluss überhaupt in greifbare Nähe rückt.
    Zumindest verhält sich das dann so, wenn der Studierende zum Bestreiten seines Lebensunterhaltes einer beruflichen Tätigkeit nachgehen muss.

    Das Jobcenter seinerseits unterstützt den Studierenden nicht bei der Beschleunigung seines Studiums, sondern behindert einen erfolgreichen Abschluss durch die permanente Vermittlung von Aushilfstätigkeiten.

    Es ist nicht nachvollziehbar, dass für Erwachsene bis heute nicht die Möglichkeit besteht, bei der Absolvierung eines Vollzeitstudiums finanziell gefördert zu werden.
    Studienkredite bieten hier oft keine Ausweichmöglichkeit, weil sie zum Einen zu gering sind (die KfW stellt monatlich maximal 600,- € zur Verfügung, von denen man nicht ernsthaft seinen Lebensunterhalt bestreiten kann, ohne mit Arbeitseinkommen aufzustocken) und dem erwachsenen Antragsteller zum anderen in der Regel dann verweigert werden, wenn diesem Einträge im Schuldnerregister zugewiesen worden sind.

    Die Situation ist für erwachsene Studierende ziemlich ausweglos und absurd und die Exekutive hat bisher keinerlei Bemühungen aufgezeigt, dieses Dilemma aufzulösen.
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