Interview

„Die Hetze wird stärker“

Die Genderforschung sieht sich im öffentlichen Kreuzfeuer. Deshalb hat die Arbeitsgemeinschaft der Frauen- und Geschlechterforschungseinrichtungen Berliner Hochschulen (afg) Ende Mai zum Dialog mit Politikern und Bürgern ins Berliner Abgeordnetenhaus geladen. Von Kristina Moorehead

03.08.2016 Bundesweit Artikel DUZ - Magazin für Wissenschaft und Gesellschaft
  • © www.pixabay.de Bundesbildungsministerin Johanna Wanka / Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Gastbeitrag aus der aktuellen Ausgabe der Deutschen Universitätszeitung (duz).

Ihre Sprecherin ist Professorin Dr. Sabine Hark, Leiterin des Zentrums für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung der Technischen Universität Berlin.

Frau Hark, warum war es der afg wichtig, die Geschlechterforschung im Landesparlament zu diskutieren?

Es war eine Kooperationsveranstaltung, die wir mit der Überparteilichen Fraueninitiative e. V. auf die Beine gestellt haben, um die Öffentlichkeit und die relevanten politischen Akteure und Akteurinnen in Berlin auf die in unserer Wahrnehmung stärker werdende Hetze gegen die Geschlechterforschung aufmerksam zu machen. Das Spektrum reicht von schleichender Stimmungsmache bis hin zu konkreten Drohungen und öffentlichen Diffamierungen von Kolleginnen und Kollegen.

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Ausgabe 07/2016

Was sind das für Anfeindungen und woher kommen die?

„Unwissenschaftlich“, „Ideologie“, „Hokuspokus“, „viel zu massiv gefördert“ – das sind sich wiederholende Vorwürfe, mit denen wir uns in der Geschlechterforschung konfrontiert sehen. Das kommt stark aus rechtspopulistischer Richtung. Die Alternative für Deutschland und Pegida stellen sich gegen den „Genderwahn“ und möchten die Geschlechterforschung abschaffen. Aber auch einige Kollegen aus der Evolutions­biologie attackieren uns massiv.

Sie sehen also die Daseinsberechtigung Ihrer Forschung infrage gestellt?

Wir wollen der Öffentlichkeit gerne noch deutlicher vermitteln, was wir eigentlich machen, und zeigen, dass es sich um seriöse Wissenschaft handelt. Wir möchten aber nicht in die Position kommen, das Existenzrecht unserer Wissenschaft verteidigen zu müssen. Niemand würde sich erlauben, die Chemie oder die Physik infrage zu stellen, und so sollte es mit den Geschlechterwissenschaften auch sein. Auch muss man sich vor Augen führen, dass mit den Forderungen der Abschaffung der Geschlechterstudien ein für unsere Demokratie zentrales Rechtsgut angegriffen wird, das im Grundgesetz verankert ist, nämlich die Freiheit von Forschung und Lehre.

Die Landeskonferenz der Rektoren und Präsidenten der Berliner Hochschulen hat sich 2014 hinter die Geschlechterforschung gestellt. Reicht diese Rückendeckung nicht? 

Diese Stellungnahme war uns sehr wichtig. Aber auch von politischer Seite würden wir uns entsprechende Signale wünschen. Nämlich, dass klargestellt wird, dass Geschlechterforschung ein unverzichtbarer Teil der wissenschaftlichen Landschaft an den deutschen Hochschulen ist. 

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