Studie

Eher Frustration statt Motivation: W-Besoldung verfehlt oft ihren Zweck

(red/pm/idw) Zehn Jahre nach Einführung der W-Besoldung für Professorinnen und Professoren hat Dr. Linda Jochheim, Sozialwissenschaftlerin an der Ruhr- Universität Bochum, analysiert, was das neue Gehaltssystem bringt. Die Idee: Ein geringeres Grundgehalt, aber die Chance auf Leistungszulagen sollen die Hochschullehrer motivieren und besondere Leistungen würdigen. Das Resultat: eher Frustration statt Motivation.

15.09.2015 Artikel
  • © RUBIN, Foto: Gorczany

Professorinnen und Professoren befürworten die Idee hinter der W-Besoldung

Innovative Lehre, Einwerben von Drittmitteln, hochkarätige Publikationen – für welche Leistungen es Zulagen gibt, liegt im Ermessen der einzelnen Hochschulen. Klare Kriterien gibt es in der Regel nicht. Das macht das System intransparent, bemängelten viele Studienteilnehmer. 2014 füllten 275 W-besoldete Professoren aller 87 deutschen Universitäten einen Fragebogen zur W-Besoldung von Linda Jochheim aus. Zusätzlich wurden 40 Personen ausführlich interviewt. Sowohl Hochschulleitung also auch Professorinnen und Professoren sind mehrheitlich dafür, dass sich das Gehalt an der Leistung orientiert. Allerdings sieht der Großteil nicht, dass das in der Praxis tatsächlich geschieht.

Budget reicht nicht aus, um Leistungszulagen zu zahlen

"Viele Universitäten brauchen einen Großteil ihres Personalbudgets für Berufungs- und Bleibeverhandlungen, also um die guten Leute überhaupt erst an die Uni zu bekommen oder sie zu halten", sagt Jochheim. "Dann bleibt kaum noch etwas übrig, um besondere Leistungen zu würdigen." 75 Prozent aller Befragten gaben in der Studie an, die W-Besoldung führe nicht zu einer verstärkten Würdigung ihrer Forschungsarbeit; sogar 92 Prozent sagten das über die Lehrtätigkeit. Auch wenn die W-Besoldung wenig zusätzliche Anreize schafft, machen Professorinnen und Professoren ihre Arbeit dennoch gern. Die Motivation, an der Universität zu arbeiten, bringen sie selbst mit.

Weniger Leistungszulagen für Geisteswissenschaftler

Die Studie zeigte auch, dass Geisteswissenschaftler seltener bzw. geringere Leistungszulagen erhalten als ihre Kollegen in den Natur- und Ingenieurwissenschaften. Denn letztere haben bessere Marktchancen und somit auch eine bessere Verhandlungsposition. Trotzdem befürworten auch Geisteswissenschaftler prinzipiell die leistungsbezogene Bezahlung. Abhilfe schaffen könnten laut Linda Jochheim unterschiedliche Geldtöpfe für die Disziplinen. "Eine Möglichkeit, die Leute zu motivieren, könnten auch immaterielle Anreize sein", schlägt sie vor, zum Beispiel Nachlässe bei der Lehrverpflichtung.

Ausführlicher Beitrag im Netz

Ein ausführlicher Beitrag inklusive Bildmaterial findet sich im Onlinemagazin RUBIN, dem Wissenschaftsmagazin der RUB: rubin.rub.de/de/w-besoldung-verfehlt-oft-ihren-zweck.


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