Ergebnisse der Herbstsitzungen des Wissenschaftsrates in Aachen

Die internationale Mobilität in der Wissenschaft machte der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Professor Peter Strohschneider, zum Gegenstand seines jährlichen Berichts zu aktuellen Tendenzen im deutschen Wissenschaftssystem. Mobilität von Studierenden, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu erleichtern, sei eine wichtige Aufgabe der Wissenschaftspolitik.

16.11.2009 Pressemeldung Wissenschaftsrat

Sie diene (1.) dazu, den wissenschaftlichen Austausch zu ermöglichen. Internationalisierung durch Mobilität sei (2.) wichtig, damit Studierende kulturell und sprachlich vielseitige Studienerfahrungen machen könnten. Die durch mobile Studierende, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hergestellten internationalen Beziehungen hätten (3.) eine außen-, kultur- und entwicklungspolitische Dimension. Deutschland müsse (4.) im Lichte vorhersehbarer demographischer Entwicklungen auch die Wanderungssalden und ihre Folgen für die Verfügbarkeit qualifizierten Personals für Unternehmen und Behörden im Blick haben. Und schließlich gehe es (5.) zudem darum, die Wettbewerbsfähigkeit des Forschungsstandorts Deutschland auch dadurch aufrecht zu erhalten, dass die wissenschaftlichen Einrichtungen für in- wie ausländische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler attraktiv bleiben. Es komme darauf an, diese Ziele nicht gegeneinander auszuspielen, sondern sie gleichberechtigt zu verfolgen. Sie könnten sich indes auch spannungsvoll zueinander verhalten, so dass die Instrumente wissenschaftspolitischer Internationalisierungsstrategien hinlänglich differenziert ausgestaltet werden müssten. Der Bericht ist nachzulesen auf der Homepage des Wissenschaftsrats (www.wissenschaftsrat.de).

Zu den Ergebnissen der Sitzungen:

Als eine der wichtigsten Forschungsinfrastrukturen in den Sozial-, Wirtschafts- und Verhaltenswissenschaften hat der Wissenschaftsrat das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) in Berlin gewürdigt. Seit 26 Jahren befragt das am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) angesiedelte Panel jährlich ca. 12.500 deutsche Haushalte zu ihrer wirtschaftlichen und sozialen Lage und stellt die anonymisierten Informationen der wissenschaftlichen Gemeinschaft zur Analyse zur Verfügung.

Seit seiner Gründung im Jahr 2004 hat der Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD) maßgeblich dazu beigetragen, dass sich der Zugang der Wissenschaft zu Daten der öffentlichen Statistik erheblich verbessert hat. Er bietet darüber hinaus eine wichtige Plattform für den Austausch zwischen Datenhaltern und Datennutzern und berät in kompetenter Weise die Bundesregierung und Wissenschaftsorganisationen hinsichtlich der strategischen Weiterentwicklung der Dateninfrastruktur in den Sozial-, Wirtschafts- und Verhaltenswissenschaften.

Im Rahmen der Einzelevaluationen in der Ressortforschung sind das Sozialwissenschaftliche Institut der Bundeswehr, Strausberg und die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) in Bergisch-Gladbach weitgehend positiv bewertet worden. Beiden Einrichtungen wird jedoch empfohlen, enger mit Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen zusammenzuarbeiten. Zum deutlichen Ausbau seiner eigenen Forschungs- und Entwicklungsleistungen wird das Amt für Geoinformationswesen der Bundeswehr (AGeoBw), Euskirchen aufgefordert. Seine geowissenschaftliche Unterstützung für die vermehrt auch im Ausland stattfindenden Tätigkeiten der Bundeswehr findet grundsätzliche Anerkennung. Im Fall des Schiffahrtmedizinischen Instituts der Marine in Kronshagen bei Kiel hält der Wissenschaftsrat es für dringend erforderlich, die Qualität der Forschungsleistungen erheblich zu verbessern und den Forschungsumfang deutlich zu erweitern. Das Institut bearbeitet Forschungsthemen, die für den Schutz von Leben und Gesundheit der Marineangehörigen im Einsatz überaus relevant sind.

Zum Abschluss seiner Evaluation von acht medizinischen Ressortforschungseinrichtungen der Bundeswehr hat der Wissenschaftsrat eine übergreifende Stellungnahme zu diesen Einrichtungen vorgelegt. Sie zeigt auf, wie die Leistungsfähigkeit dieser Einrichtungen über die Schaffung wissenschaftsförderlicher personal- und haushaltsrechtlicher Rahmenbedingungen und eine übergreifende Forschungsplanung zu verbessern und langfristig zu sichern ist.

Im Rahmen seiner Zuständigkeit für die institutionelle Akkreditierung nicht-staatlicher Hochschulen hat sich der Wissenschaftsrat mit zwei Akkreditierungsverfahren beschäftigt. Die AKAD-Fachhochschulen in Stuttgart, Pinneberg und Leipzig bieten seit vielen Jahren Fernstudiengänge an, deren Organisation auf die besonderen Bedürfnisse Berufstätiger zugeschnitten ist. Die in der Erstakkreditierung 2006 als kritisch beurteilte Ausstattung mit hauptberuflichen Professorinnen und Professoren ist seither verbessert worden, genügt aber noch nicht gänzlich den Anforderungen. Eine mit Auflagen verbundene Reakkreditierung wurde für fünf Jahre ausgesprochen.

Die University of Management and Communication Potsdam (FH) weist nach Auffassung des Wissenschaftsrates zu viele und zu schwerwiegende Defizite auf, um eine Akkreditierung erhalten zu können. Der Grundgedanke der UMC, eine kommunikationsbasierte Managementausbildung zu entwickeln, ist zwar anerkennenswert, aber seit der Aufnahme des Studienbetriebs im Jahr 2005 nicht adäquat umgesetzt worden.

Hinweis: Die genannten Stellungnahmen werden im Netz als Volltext (www.wissenschaftsrat.de) veröffentlicht, sie können aber auch bei der Geschäftsstelle des Wissenschaftsrates per E-Mail ( ) angefordert werden.

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