Forschungsprojekt belegt: Hochschulen sind bedeutender Wirtschaftsfaktor
Dass an rheinland-pfälzischen Hochschulen auf höchstem Niveau gelehrt und geforscht wird, ist hinlänglich bekannt. Dass sie ein Jobmotor erster Güte sind, belegt indes ein aktuelles wissenschaftliches Projekt der Universitäten Kaiserslautern und Mainz und des TAURUS Instituts an der Universität Trier.
07.11.2005 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur, Rheinland-Pfalz (bis 11/06)Gemeinsam haben sie die regionalwirtschaftlichen Wirkungen der Hochschulen und Forschungseinrichtungen des Landes untersucht - und sind dabei zu erstaunlichen Ergebnissen gekommen. Sie seien gleichermaßen überrascht und erfreut über die enorme Wirtschaftskraft, die direkt und indirekt von den Universitäten, Fachhochschulen und Instituten ausgehe, erklärten Professor Dr. E. Jürgen Zöllner, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur, und Hans-Artur Bauckhage, Minister für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, als sie heute in Mainz mit den Wissenschaftlern die Untersuchung vorstellten.
"Ich bin sehr froh, dass wir nun schwarz auf weiß belegen können, dass jeder Euro, den wir den Hochschulen geben, nicht nur ihnen zugute kommt, sondern dem gesamten Land", sagte Wissenschaftsminister Zöllner. "Die Wissenschaftsausgaben des Landes sichern mehr als 20.000 Vollzeitarbeitsplätze in Rheinland-Pfalz - alleine diese frappierende Zahl rechtfertigt den finanziellen Kraftaufwand für unsere Hochschulen", so der Minister. Dabei behandle der erste Teil des auf zwei Jahre angelegten Forschungsprojekts nur Teilaspekte der regionalwirtschaftlichen Bedeutung von Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen. Der eigentliche Forschungs- und Bildungsauftrag dieser Institutionen sei Gegenstand des im nächsten Jahr folgenden zweiten Teils.
Seit rund 15 Jahren gehörten Wissenschaft und Forschung zu den vorrangigen Handlungsfeldern der Landesregierung, so Zöllner. Von 1991 bis 2004 habe das Land die Ausgaben für seine Hochschulen um 59,4 Prozent erhöht - von rund 330 Millionen Euro auf 525,5 Millionen Euro. Im selben Zeitraum seien die bereinigten Gesamtausgaben des Landes nur um 31,2 Prozent gewachsen. "Die Untersuchung zeigt, dass dieses Geld äußerst rentabel angelegt ist. Es verschwindet nicht irgendwo im Elfenbeinturm, sondern sichert auch die Existenz des Bäckers um die Ecke", meinte Zöllner.
Dass Rheinland-Pfalz wirtschaftlich so gut dastehe, wie dies auch in vielen aktuellen Studien ausgewiesen werde, hänge auch damit zusammen, "dass wir klug und vorausschauend in die Infrastruktur des Geistes investiert haben", sagte der Minister. "Deshalb werden wir in dieser Hinsicht auch nicht nachlassen. Für uns heißt dies auch, dass wir nicht die Sünde etlicher unionsgeführter Länder begehen und mit Studiengebühren junge Menschen von einem Studium an unseren Hochschulen fernhalten wollen", betonte Zöllner.
"Wenn es eines Beleges bedurft hätte, dass der Slogan unseres Hochschulprogramms gut gewählt ist, ist er hiermit erbracht. Wissen schafft Zukunft - und zwar nicht nur für die Studierenden, sondern für viele, viele andere, die von diesen Einrichtungen partizipieren", meinte Zöllner. Das wissenschaftliche Projekt zeige in eindrucksvoller Weise auf, dass Hochschulen allein durch ihren Bau und Betrieb ein erheblicher Wirtschaftsfaktor seien. "Die schiere Existenz unserer Hochschulen und Forschungsinstitute trägt zur Prosperität unseres Landes bei. Wissen schafft Zukunft weil Wissen auch Arbeitsplätze schafft", erklärte der Minister.
Hochschulen und Forschungseinrichtungen beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller Qualifikationsstufen, zögen Studierende an und verschafften den Betrieben in ihrem Einzugsgebiet vielfältige Aufträge - vom Bau von Gebäuden über Dienstleistungen bis hin zur Anschaffung von Büchern und Geräten. "Dass uns die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler all dies mit ihren Monate langen Recherchen und Auswertungen dokumentieren, wird ganz sicherlich auch die weitere Diskussion über die Bedeutung der Wissenschaftspolitik bei uns im Land positiv beeinflussen", prophezeite Zöllner. Stolz sei er darüber, dass dies die erste Arbeit in einem Flächenland sei, die sich mit dieser Fragestellung befasst habe.
Nach Auffassung von Wirtschaftsminister Bauckhage belegt das Gutachten eindrucksvoll, was öffentliche Investitionen in Rheinland-Pfalz bewirken können. "Wenn wir allein im Hochschulbereich durch den Einsatz von Landesmitteln fast das 1,6-Fache an privater Wertschöpfung entstehen lassen, zeigt das: Diese Steuergelder sind gut angelegt", so der Minister. Das zeige auch, dass öffentliche Ausgaben nicht nur unter fiskalischen Gesichtspunkten und als Belastung für die öffentlichen Haushalte gesehen werden dürften, sondern auch als Grundlage für neue Wertschöpfung und damit auch für neue Steuereinnahmen. Das gelte im Übrigen nicht nur bei den Ausgaben für die Hochschulen, sondern auch in anderen Bereichen wie im Verkehr oder in der Wirtschaftsförderung. "Sinnvoll investierte öffentliche Mittel sind für Staat und Steuerzahler eine rentierliche Anlage", fasste Bauckhage zusammen.
Er sei auf die Ergebnisse des zweiten Teils der Studie gespannt, in dem die Auswirkungen der Innovationsinfrastruktur auf die gesamte rheinland-pfälzische Wirtschaft und die Standortqualität quantifiziert werden sollen. "Das ist eine große wissenschaftliche Herausforderung. Aber ich bin zuversichtlich, dass die drei an der Studie beteiligten Institute diese Aufgabe bewältigen werden", sagte der Wirtschaftsminister.
Für ihn sei insbesondere ein funktionierender Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft von Bedeutung. "Aus Ideen müssen vermarktbare Produkte und Dienstleistungen als Voraussetzung für die Schaffung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen werden", so Bauckhages Credo. Die Studie des TAURUS Instituts an der Universität Trier (Professor Dr. Harald Spehl), des Lehrstuhls Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftspolitik I der TU Kaiserslautern (Professor Dr. Hans-Dieter Feser) und des Instituts für Statistik und Ökonometrie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Professor Dr. Peter M. Schulze) gliedert sich in zwei Phasen.
In der gerade abgeschlossenen ersten Phase richteten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihr Augenmerk auf die ökonomischen Wirkungen, die sich aus dem Bau und dem Betrieb von Hochschulen und Forschungseinrichtungen ergeben. Die zweite Phase wird sich intensiv mit den Effekten der Forschungs- und Bildungstätigkeiten der Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen auf Unternehmensgründungen, den Wissens- und Technologietransfer, das Angebot an Hochschulabsolventinnen und -absolventen und die Standortqualität beschäftigen.
Aus 560 Millionen Euro Landeszuschuss entstehen 1,5 Milliarden Umsatz
Die nun vorgelegte erste Studie weist aus, dass das Land im Durchschnitt der Jahre 1999 bis 2003 für den Bau und Betrieb der Hochschulen jährlich rund 560 Millionen Euro ausgegeben hat. Dies beinhaltet Baukosten, Investitionen, Personalkosten und Sachmittelausgaben. 73 Prozent dieses Geldes floss den vier Universitäten zu, 23 Prozent den sieben Fachhochschulen, 2,5 Prozent den Forschungseinrichtungen und 1,5 Prozent den Studierendenwerken.
Die Ausgaben des Landes für die Ansiedlung von Hochschulen wirken wie ein Magnet. Sie ziehen Beschäftigte und Studierende an, die als Konsumenten wiederum Geld ausgeben. Für Forschungsprojekte fließen zusätzliche Mittel in die jeweilige Hochschule - Geld, das seinerseits für Personal- und Sachausgaben verwendet wird. Auf diese Weise entsteht in Rheinland-Pfalz ein Umsatzeffekt von 1,5 Milliarden Euro pro Jahr. Nutznießer sind vor allem unternehmensbezogene Dienstleistungen, der Handel, das Ernährungsgewerbe sowie die Holz-, Elektro- und Energiebranche - also das Friseurgeschäft genauso wie der Schreibwarenladen.
Überraschend ist in diesem Zusammenhang, dass die Studierenden der wichtigste Faktor sind. Sie geben pro Person und Jahr durchschnittlich 7.100 Euro aus und sind in ihrer Gesamtheit zu 64 Prozent an dem Umsatz von 1,5 Milliarden Euro beteiligt.
Hochschulausgaben haben großes Wertschöpfungspotenzial
Nicht minder eindrucksvoll fällt das Ergebnis aus, wenn man die Wertschöpfung betrachtet, die diese Umsätze verursachen. Die Wertschöpfung umfasst die innerhalb eines abgegrenzten Wirtschaftsgebiets erbrachte und in Marktpreisen ausgedrückte wirtschaftliche Leistung (Produktionswert abzüglich Vorleistungen) der einzelnen Wirtschaftsbereiche oder der Volkswirtschaft insgesamt. In dieser Studie wird nur die Bruttowertschöpfung betrachtet, die auf Hochschulen und Forschungsinstitute zurückgeht.
Die aus der Landesförderung von 560 Millionen Euro entstehende Wertschöpfung liegt in Rheinland-Pfalz bei rund 890 Millionen Euro pro Jahr. Sie macht damit etwa das 1,58-fache der Mittel aus, die das Land jährlich in das Wissenschaftssystem investiert. Anders ausgedrückt: Für jeden Euro, den das Land in diesem Bereich ausgibt, entsteht eine Wertschöpfung von 1,58 Euro.
Wissenschaftsinvestitionen schaffen 20.000 Vollzeitarbeitsplätze
Beträchtlich sind die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Insgesamt werden im Land durch die Wissenschaftsinvestitionen rund 20.200 Vollzeitarbeitsplätze geschaffen und gesichert. Interessant dabei ist wiederum, dass der geringere Teil davon in den Universitäten, Fachhochschulen und externen Forschungseinrichtungen entsteht, nämlich knapp 9.000. Der größere Teil - fast 12.000 Arbeitsplätze - entsteht im Handel, den Dienstleistungsunternehmen, dem Ernährungs-, Bau- und Energiegewerbe und anderen Branchen.
Bezieht man die Beschäftigungseffekte auf die eingesetzten Finanzmittel, so bringen 28.000 Euro Landesmittel einen Vollzeitarbeitsplatz hervor. Jeder Million, die das Land für die Wissenschaften ausgibt, stehen 16 Arbeitsplätze innerhalb der Hochschulen und Forschungseinrichtungen und weitere 20 Arbeitsplätze außerhalb dieser gegenüber.
Positive Auswirkungen auf die Regionen
Zusätzlich zur Landesebene* wurden die Auswirkungen auch für die einzelnen Regionen untersucht. Rheinland-Pfalz wurde dafür in fünf Hochschulregionen unterteilt: Kaiserslautern mit Zweibrücken und Pirmasens, Koblenz mit Höhr-Grenzhausen und Remagen, Landau/Ludwigshafen/Worms/Speyer/Germersheim, Mainz/Bingen sowie Trier mit Birkenfeld und Idar-Oberstein.
In die Region Mainz/Bingen fließt mit rund 250 Millionen Euro der größte Teil der Landesmittel, gefolgt von Kaiserslautern mit 110 Millionen Euro, Trier mit 94 Millionen Euro, Landau/Ludwigshafen/Worms/Speyer/Germersheim mit knapp 58 Millionen Euro und Koblenz mit knapp 55 Millionen Euro.
Info: Die Studie steht auf der Homepage des Ministeriums für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur (www.mwwfk.rlp.de).
Anhang:
Forschungsprojekt "Hochschule und Region", Ergebnisse der 1. Phase
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