Hochschulautonomie: Hamburgs Hochschulen dürfen Studierende auswählen

Hamburgs Hochschulen dürfen in Zukunft ihre Studierenden selbst auswählen. Ab Sommersemester 2005 sollen die Hochschulen in allen zulassungsbeschränkten Fächern (außer ZVS) die Studierenden nach Eignung und Motivation für den gewählten Studiengang zulassen können. Der Senat hat heute den Entwurf des Hamburger Hochschulzulassungsgesetzes zur Diskussion mit den Hochschulen freigegeben.

30.03.2004 Hamburg Pressemeldung Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung Hansestadt Hamburg

Wissenschaftssenator Jörg Dräger, Ph.D.: "Nur wenn die Hochschulen das Recht haben, ihre Studierenden selbst auszuwählen, können sie Verantwortung für den Studienerfolg übernehmen. Ziele des Gesetzes sind eine deutlich höhere Studienerfolgsquote und damit auch gesteigerte Absolventenzahlen sowie mehr Profilbildung der Hochschulen."

Als Auswahlkriterien kommen die Leistungen im Abitur sowie beispielsweise Tests und Auswahlgespräche, aber auch praktische Erfahrungen in Betracht. Welche Auswahlkriterien sie wählen, ob sie mehrere Auswahlkriterien miteinander kombinieren und wie sie die einzelnen Kriterien gewichten, entscheiden allein die Hochschulen. In der Universität und in der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) sollen die Fakultäten die Kompetenz zur Festlegung der Auswahlverfahren erhalten, in den anderen Hochschulen der Hochschulsenat.

Gleichzeitig soll das Gesetz die Hamburger Hochschulen erheblich weiter als bisher für internationale Studienbewerber öffnen. Während die Ausländerquoten bisher in den Hochschulen 8 bis 10 Prozent betrugen, können die Hochschulen zukünftig bis zu 15 Prozent der Studienplätze an internationale Studienbewerber vergeben. Auswahlkriterium ist dabei ebenfalls ausschließlich die Eignung und Motivation für den gewählten Studiengang, diese wird im gleichen Auswahlverfahren festgestellt wie bei den deutschen Studienbewerbern. Senator Dräger: "Wir wollen die besten Köpfe aus aller Welt nach Hamburg holen. Leistung und Internationalität sollen den Studienstandort Hamburg prägen." Weiterhin werden 5 Prozent der Studienplätze für besondere Härtefälle vergeben sowie 10 Prozent im Auswahlverfahren nach Wartezeit.

Die Hochschulen werden ihre Auswahlverfahren durch eigene Satzungen selbst regeln. Bisher waren die Details der Zulassung in fünf staatlichen Rechtsverordnungen (Zulassungsverordnungen) festgelegt, die zukünftig alle aufgehoben werden können; die alten Verordnungen sehen im Wesentlichen die Zulassung nach den Kriterien Abiturdurchschnittsnote bzw. Wartezeit vor. Die Satzungen der Hochschulen können dann in Zukunft sehr viel schneller, unbürokratischer und fachnäher als staatliche Rechtsverordnungen weiter entwickelt werden. Senator Dräger: "Dies ist ein weiterer deutlicher Schritt in Richtung Autonomie der Hochschulen und Entbürokratisierung."

Damit zeigt sich Hamburgs Hochschulpolitik weiterhin als äußerst reformfreudig. Gleichzeitig ist dies ein Signal an den Bund, gemeinsam mit den Ländern die im Hochschulrahmengesetz verankerten Regeln für das ZVS-Zulassungsverfahren bei bundesweit über-buchten Studiengängen schnell zu reformieren. Zurzeit sind noch sieben Studiengänge ins ZVS-Verfahren einbezogen (Betriebswirtschaftslehre, Biologie, Pharmazie, Psychologie, Medizin, Zahnmedizin und Tiermedizin). Für diese Studiengänge haben alle 16 Bundesländer gemeinsam Reformmodelle erarbeitet und im Bundesrat einen entsprechenden Gesetzentwurf eingebracht. Hamburg erwartet von der Bundesregierung, dass sie sich der dringend benötigten Reform der ZVS nun nicht länger in den Weg stellt. Geplant ist, den Hamburger Gesetzentwurf jetzt mit den Hochschulen zu diskutieren. Der Gesetzentwurf soll dann noch vor der Sommerpause Senat und Bürgerschaft zur Beschlussfassung vorgelegt werden.

Gesetzentwurf für das Hochschulzulassungsgesetz
Begründung zum Gesetzentwurf zur Hochschulzulassung


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