Hochschulen horten 78,7 Millionen aus Studiengebühren
Niedersachsens Hochschulen lassen immer mehr Studiengebühren ungenutzt auf ihren Konten liegen. Das geht aus offiziellen Zahlen des Wissenschaftsministeriums hervor, die die stellvertretende Vorsitzende und wissenschaftspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Gabriele Andretta, ausgewertet hat.
19.01.2011 Pressemeldung Sozialdemokratische Partei Deutschlands"Am Stichtag 1. Juli 2010 legten Niedersachsens Hochschulen insgesamt 78.732.172 Euro Einnahmen aus den Studiengebühren auf die hohe Kante. Zum Vergleich: Am 31. Dezember 2008 betrug diese Summe noch 75.627.638 Euro. Das heißt, die Hochschulen folgen zunehmend der Versuchung, Studiengebühren zu horten", analysierte Andretta am Montag in Hannover. "Das politische Versprechen, die Gebührenerlöse würden zügig und zeitnah in die Verbesserung der Lehre investiert, entpuppt sich einmal mehr als Farce. Stattdessen fließen die Einnahmen bevorzugt in Verwaltungsstellen, Baumaßnahmen und in die Rücklagen", kritisierte Andretta.
"Das ist Betrug an den Studierenden", urteilte die SPD-Hochschulexpertin. "Um die Studiengebühren zahlen zu können, müssen viele Studierende neben dem Studium hart arbeiten oder sich verschulden, Kinder aus Migranten- oder Arbeiterfamilien verzichten oft ganz auf ein Studium", sagte sie. Laut jüngster Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks habe sich im Gebührenland Niedersachsen die hohe soziale Selektivität beim Hochschulzugang weiter verschärft. Andretta: "Studiengebühren gehören abgeschafft. Sie schrecken ab, sind sozial ungerecht und werden nicht in die Lehre investiert, sondern gehortet. Das ist ein bildungspolitischer Skandal."
Nach Angaben der Landesregierung betrugen zum Stichtag 1. Juli 2010 die Rücklagen beispielsweise
- der Universität Hannover 12,8 Millionen Euro,
- der TU Braunschweig 8,45 Millionen Euro,
- der Universität Göttingen (ohne Medizin) 8,41 Millionen Euro,
- der Universität Oldenburg 7,68 Millionen Euro,
- der Universität Osnabrück 5,89 Millionen Euro.
"Das Horten der Einnahmen durch die Hochschulen verstärkt angesichts der Herausforderungen durch doppelte Abiturjahrgänge und die faktische Abschaffung von Wehr- und Zivildienst den Skandal", sagte Andretta. Sie forderte Wissenschaftsministerin Wanka vor diesem Hintergrund auf, ihre Einstellung zum Thema Studiengebühren zu überdenken. "Die Studiengebühren sind weniger denn je zu rechtfertigen."
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